Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

08:24 Uhr

Leserfragen beantwortet

Das will Deutschland von der Deutschen Bank

Die Handelsblatt Online-Redaktion hat Ihre Fragen und Forderungen an die Deutsche Bank gesammelt. Die Themen, die Ihnen unter den Nägeln brennen, werden auch auf der Hauptversammlung eine Rolle spielen.

Im Hintergrund die Türme der Deutschen Bank: Mindestens 20.000 Demonstranten protestierten am 19. Mai in Frankfurt gegen Sparpakte und das Finanzsystem. Reuters

Im Hintergrund die Türme der Deutschen Bank: Mindestens 20.000 Demonstranten protestierten am 19. Mai in Frankfurt gegen Sparpakte und das Finanzsystem.

DüsseldorfEs ist ein kleines Experiment gewesen, das wir seit vergangener Woche gewagt haben. Wir haben Sie um Fragen und Forderungen an die Deutsche Bank gebeten. Wir haben aus den Einsendungen einige Dutzend ausgewählt und wollen Ihnen das Meinungsspektrum rund um Deutschlands größte Bank gerne zeigen.

Einige Fragen haben wir auch an die Deutsche Bank weitergereicht. Die Antworten auf die „Bonusfragen zur Hauptversammlung“ lesen Sie hier - pünktlich zum Start des historischen Aktionärstreffens, auf dem Vorstandschef Josef Ackermann den Staffelstab an seine beiden Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen weitergibt. An der Spitze des Aufsichtsrats steht gleichzeitig ein Generationenwechsel vom einstigen Deutsche Bank-Finanzchef Clemens Börsig zum bisherigen Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner auf dem Programm.

Deutsche Bank beantwortet Leserfragen

Zentrale in Frankfurt

"Welche Garantie geben Sie, dass die Deutsche Bank auch in Zukunft noch eine "deutsche Bank" mit Zentrale in Deutschland bleibt? Warum sind so wenig Deutsche in den Führungsgremien vertreten?", fragt Eduard M.
Antwort: Die Deutsche Bank hat mit der Übernahme der Berliner Bank, der norisbank, der Postbank und von Sal. Oppenheim ihre Position in ihrem Heimatmarkt deutlich weiter ausgebaut. Damit ist Deutschland für die Deutsche Bank wichtiger denn je geworden. Die Deutsche Bank ist aber seit Jahren auch schon eine sehr internationale Bank, die in den wichtigsten globalen Finanzzentren vertreten ist. Diese Internationalität und Vielfalt der Belegschaft der Deutschen Bank spiegelt sich auch in ihren Führungsgremien wider. Im Übrigen sind drei Deutsche im 6-köpfigen Vorstand der Bank. Zum Vergleich: 2008 war nur ein Deutscher im Vorstand.

Gefahr für den Bundeshaushalt

„Die Bilanzsumme der Deutschen Bank betrug Ende 2011 knapp 2,2 Billionen Euro, also etwa das sechs- bis siebenfache des Bundeshaushaltes und doppelt so viel wie die gesamte Exportleistung Deutschlands. Halten Sie dieses Zahlenwerk noch für beherrschbar und glauben Sie alle Risiken, die sich in diesem Zahlenwerk an irgendeiner Stelle in der Welt angesammelt haben, vollständig im Griff zu haben?“, fragt Dieter S.
Antwort: Grundsätzlich ist es Teil der Geschäftstätigkeit einer Bank, Risiken einzugehen. Die Deutsche Bank tut dies bewusst und räumt der Überwachung dieser Risiken einen sehr hohen Stellenwert ein. Unsere konzernweiten Mess- und Überwachungsprozesse ermöglichen uns, Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Steuerungs- oder Begrenzungsmaßnahmen ergreifen zu können. Diese starke Risikomanagementkultur trägt zur Stabilität der Deutschen Bank bei.

Risiken der Investmentbank

„Wie wollen Sie den Eindruck widerlegen, dass die Deutsche Bank aufgrund der steigenden Bedeutung der Investment-Banking Sparte zu viele Risiken eingeht?“, fragt Kai H.
Antwort: Die Deutsche Bank hat ihr klassisches Bankgeschäft durch den Kauf der Postbank, von Sal. Oppenheim und Teilen der ABN AMRO in den Niederlanden ausgebaut und damit ihre zweite Ertragssäule deutlich gestärkt, die im Jahr 2011 rund 56% des Vorsteuer-Ergebnisses beisteuerte. Die Investment Bank erwirtschaftet ihr Ertragsniveau mit deutlich weniger Risiken als vor der Krise - so wurde unter anderem der Eigenhandel eingestellt und das Risiko (gemessen am Value at Risk) um 67% reduziert. Mit diesem konservativen Risikoprofil und Liquiditätsreserven von 219 Milliarden Euro (Jahresende 2011) ist die Deutsche Bank robust aufgestellt.

Frauen in Führungspositionen

„Meines Erachtens sind die Tage, in denen die Männerwelt das Finanzgeschehen bestimmt, gezählt. Frauen in die Führungsebene, das ist die Forderung der Stunde. Ein bisschen mehr Bescheidenheit, weniger Egoismus, der Nachhaltigkeitsgedanke und emotionsloseres Vorgehen verspreche ich mir davon. Wann wird die Deutsche Bank auf diesen Zug aufspringen?“, fragt Eike H.
Antwort: Die Deutsche Bank hat sich an der freiwilligen Selbstverpflichtung der DAX30-Unternehmen zur Förderung des Anteils von Frauen in Führungspositionen beteiligt und sich gegenüber der Bundesregierung verpflichtet, den Anteil der weiblichen Führungskräfte im Senior Management bis Ende 2018 auf 25% und den Anteil der weiblichen Mitarbeiter im Management insgesamt auf 35% bis Ende 2018 zu erhöhen. Die Deutsche Bank hat ihr Ziel, den Anteil von Frauen in Senior-Führungspositionen 2011 auf 17% zu erhöhen erreicht und zugleich ihr Ziel, den Anteil von Frauen im außertariflichen Bereich auf 29,3% zu erhöhen, mit 29,7% übertroffen. Eine Reihe von Programmen und Initiativen für Frauen innerhalb der Bank, wie z.B. Mentoring Programme, unser Top Talent Programm für Frauen „ATLAS“ und Kooperationen mit namhaften Business Schools, tragen immer mehr Früchte.

Kirch-Prozess

„Wie hoch schätzt der Vorstand der Deutsche Bank AG das Risiko ein, dass ihr Jahresabschluss zum 31.12.2011 bei Klage eines Aktionärs der "Nichtigkeit" im Sinne des Aktiengesetzes anheimfallen könnte, da keine Rückstellung für das "Kirch-Risiko" passiviert wurde?“, fragt Kurt H.
Antwort: Wir sehen kein Risiko, dass der Jahresabschluss auf eine Aktionärsklage wegen fehlender Rückstellung für das Kirch-Risiko als nichtig eingestuft werden könnte. Im Fall Kirch prüfen Vorstand und Aufsichtsrat die Frage der Bildung von Rückstellungen in regelmäßigen Abständen, auch unter Einbeziehung externer Berater. Das Ergebnis dieser Prüfungen ist, dass die Voraussetzungen zur Bildung von Rückstellungen nicht vorliegen. Daher dürfen solche auch nicht gebildet werden. Unsere Beurteilung wurde für vergangene Jahre auch bereits durch mehrere OLG Entscheidungen und den BGH bestätigt.

Aktienkurs und Dividende

„Mit welchen Mitteln und wann will das Führungsduo den Aktienkurs wieder stabilisieren und an die alte Performance heranführen?“, fragt Siegfried W.
Antwort: Auch die neue Unternehmensleitung wird alles daran setzen, dass die Deutsche Bank in einem wieder etwas stabileren und vielleicht ruhigeren Umfeld profitabel wächst. Davon sollte dann auch unser Aktienkurs profitieren.

Das Stimmungsbild unter unseren Lesern ist eindeutig. Natürlich gibt es einige, die schlechte Erfahrungen mit der Beratung gemacht haben und daher ganz individuelle Konflikte mit der Bank ausfechten. Doch viele von Ihnen beschäftigt die künftige strategische Ausrichtung der Deutschen Bank. Die Sorge schwingt in vielen Fragen mit, dass sich die Deutsche Bank dem Investmentbanking mit Haut und Haar verschreiben und dabei unkalkulierbare Risiken eingehen könnte. Die Nachrichten über die einstige US-Vorzeigebank JP Morgan, die in wenigen Wochen mehrere Milliarden Dollar verspekulierte, scheinen ein mahnendes Beispiel zu sein.

„Wie wollen Sie den Eindruck widerlegen, dass die Deutsche Bank zukünftig aus London, also der Investmentsparte, gesteuert wird und die Bank aufgrund der steigenden Bedeutung dieser Sparte zu viel Risiken eingeht?“, fragt beispielsweise Leser Kai H. Vor allem die Berufung des bisherigen Chefs der Investmentbanking-Sparte Anshu Jain in das Konzernchef-Duo trägt zu dieser Sorge maßgeblich bei.

Darüber hinaus beschäftigt viele unserer Leser vor allem der Aktienkurs der Deutschen Bank, der weit entfernt ist von seinem Höchststand von über 100 Euro aus dem Jahr 2007. Gleichzeitig schmerzt die Anleger die Dividende, die ebenfalls weit von Höchstwerten der Vergangenheit entfernt ist. „Mit welchen Mitteln und wann will das Führungsduo den Aktienkurs wieder stabilisieren und an die alte Performance heranführen?“, fragt sich Leser Siegfried W.

Deutsche-Bank-Chef: Ackermanns einsamer Abgang

Deutsche-Bank-Chef

Ackermanns einsamer Abgang

Ackermann der neuen Doppelspitze Jain/Fitschen weichen. Der Wechsel hinterlässt Spuren.

Mit der Einsendung Ihrer Fragen haben Sie gleichzeitig eine Einschätzung abgegeben, wie Sie mit Josef Ackermanns Leistung an der Konzernspitze in den vergangenen zehn Jahren zufrieden sind und welche Erwartungen Sie an die künftigen Konzernlenker haben. Hohe Erwartungen an das neue Führungsduo haben dabei etliche Leser, die sich in der Vergangenheit über Ackermann beziehungsweise die Entwicklung der Deutschen Bank geärgert haben.

In einer Serie im Vorfeld der Hauptversammlung hat Handelsblatt Online verschiedene Aspekte rund um die Deutsche Bank beleuchtet. Leser hatten zudem die Möglichkeit, Fragen an die Deutsche Bank zu stellen. Die Redaktion hat sechs Fragen an den Konzern weitergereicht und die Antworten am Tag der Hauptversammlung weiter oben in diesem Artikel veröffentlicht.

Es sind erschienen:

Von

mdo

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.05.2012, 16:55 Uhr

Man kann es im Nachhinein drehen und wenden wie man will, dennoch darf sich die Arbeit eines Josef Ackermann mehr als sehen lassen. Erstaunlich ist immer wieder, wie sich Wendehälse der deutschen Politik über die erfolgreiche Arbeit anderer äussern, und ihre Eigene (meist schlechte)verschweigen.
Die Deutsche Bank sollte nach Möglichkeit das vonJosef Ackermann begonne, weiterführen.

Pequod

31.05.2012, 09:14 Uhr

Da beißt die Maus doch keinen Faden ab, daß die Deut-
sche Bank, wie alle anderen Banken auch, an der Ent-
mündigung des deutschen Steuerzahler mit dem Ermäch-
tigungsgesetz ESM gebastelt hat, so daß nur noch die
Möglichkeit bleibt, über das Bündnis für Bürgerwillen
(info@buendnis-buergerwille.de) diesem Spuk ein Ende
zu bereiten!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×