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11.06.2012

22:13 Uhr

Letzte Rettungsversuche

Abwicklung der WestLB droht zu scheitern

VonOliver Stock

ExklusivEigentlich war alles klar: Die hessische Landesbank sollte den funktionsfähigen Teil der WestLB übernehmen. Doch jetzt drohen die Verhandlungen in letzter Minute zu scheitern.

Wieder einmal hat die WestLB nur noch eine letzte Chance. dpa

Wieder einmal hat die WestLB nur noch eine letzte Chance.

Der Verkauf des letzten funktionsfähigen Teils der WestLB — dem Sparkassenverbundgeschäft — an die hessische Landesbank (Helaba) droht zu scheitern. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen versuchen alle Beteiligten derzeit fieberhaft den Verkauf der sogenannten Verbundbank in letzter Minute zu retten. Aus Verhandlungskreisen hieß es allerdings, die Chancen stünden schlecht. „Es ist frustrierend“, sagte ein Teilnehmer dem Handelsblatt. Die nächsten Stunden seien entscheidend: Am Mittwoch will der Aufsichtsrat der Helaba über das Thema und die Konditionen abschließend entscheiden.

Die WestLB muss nach einem jahrelangen Streit mit der EU-Kommission um milliardenschwere öffentliche Garantien und Beihilfen zerschlagen werden. In der übrigbleibenden Verbundbank ist das Sparkassen-Geschäft der WestLB gebündelt. Die Sparte unterstützt lokale Institute bei Aufgaben, die sie selbst überfordern, etwa bei Großkrediten. Bei einem Geschäftsvolumen von 40 Milliarden Euro und mit rund 450 Mitarbeitern sollte der Verbundbank ursprünglich ein nahtloser Übergang in die Helaba gelingen. Der Deal wird seit mehr als einem halben Jahr vorbereitet. Die Datenräume sind seither für die Helaba geöffnet. „Wir sind ein offenes Buch“, sagt ein Verhandlungsteilnehmer.

Um so unverständlicher sei es für die Düsseldorfer, dass Helaba-Chef Brenner vergangene Woche mit der Forderung gekommen sei, einen Verlust von 300 Millionen Euro, der im Derivatgeschäft der WestLB entstanden ist, nicht abdecken zu wollen. Bei der WestLB wird diese Bedingung als Indiz gewertet, dass Brenner das Geschäft in letzter Minute platzen lassen will. Die Helaba wiederum sieht das anders: „Wir können nicht für Verlustrisiken gerade stehen, die mit der Verbundbank nichts zu tun haben“, sagte ein Sprecher. Das Derivatepaket im Volumen von 4,2 Mrd. Euro und den Millionenverlusten werde man definitiv nicht übernehmen. „Die Helaba verlangt nichts, was außergewöhnlich ist, sondern die bei Transaktionen dieser Art übliche und selbstverständliche Freistellung von Haftungsrisiken durch die Alteigentümer“, so der Sprecher weiter. Die Eigentümer müssten nun zu ihrer Verantwortung stehen.

Noch am späten Montagabend wollten die Beteiligten in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen beraten. Am Dienstag sind Gespräche zwischen den Sparkassenverbänden, der Helaba und der WestLB sowie dem Land Nordrhein-Westfalen angesetzt. Alle würden sich bemühen sich, vor Ende des Ultimatums am Mittwoch noch eine Einigung zu finden, hieß es. „Wir wollen Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein“, hieß es von der Helaba.

Platzt der Verkauf, ist die Abwicklung der einst größten deutschen Landesbank gründlich gescheitert. Die Privatbank HSBC hatte sich ursprünglich für Teile der WestLB interessiert, war jedoch wegen der Offerte der Helaba aus dem Bieterverfahren ausgeschieden. Die Landesbank in Düsseldorf war in den vergangenen Jahren von einem Problem ins nächste geschlittert und musste mehrfach von ihren Eigentümern gerettet werden. Ende Dezember zog die EU nach einem jahrelangen Beihilfeverfahren einen Schlussstrich unter das Kapitel und ordnete die Zerschlagung des Instituts an. Übrig vom einstigen Flaggschiff der deutschen Landesbanken bleiben die jetzt umstrittene Verbundbank, eine Bad Bank, in der die risikoreiche Engagements gebündelt sind, sowie der Finanzdienstleister Portigon.

Kommentare (9)

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NATOUSAvsChinaRussland

11.06.2012, 21:34 Uhr

Natürlich sollten die Vorstände allesamt wegen Konkursverschleppung vor Gericht gestellt werden.Warum aber werden Privat- und private Fremdbanken im Eurorum mit dt. Steuergeldern restlos ohne Bedingunggen geretten und einheimische Staatsbanken zerschlagen ,warum ? Weil sie nicht zur Fionnzoligarchie gehören ?

Account gelöscht!

11.06.2012, 22:46 Uhr

Aha "Portigon". Das wird dann 2016 verkauft. Wenn also die letzten Mitarbeiter mit Altverträge (=Quasi-Beamte) in Rente (bzw. Pension) geschickt wurden.

Ich bin mir aber nicht so sicher ob die Helaba damit durchkommt. Swoeit ich verstanden habe gehört zur Verbundbank auch irgendwie KMU-Geschäft. Wenn diese Derivate nun mit solchen Gegenparteien/Kunden geschlossen wurden, die weiterhin von der Verbundbank bedient werden sollen, dann ist die Helaba nicht ganz ehrlich.

So ist das mit Derivaten: Wenn es für einen läuft, dann nimmt man Gewinne gerne mit. Wenn es gegen einen läuft, dann empört man sich. Von einem Bankenvorstand kann man aber (im Gegensatz zu Hintz und Kuntz) verlangen, dass er Risiken & Tücken von Derivate versteht. Wenn also Herr Brenner nun ganz offen zugibt, dass er trotz eingehender Analyse WestLB-Positionen diese nicht versteht, dann ist das eigentlich einen Fall für die Bafin, die die Eignung von Herr Brenner überprüfen sollte.

Account gelöscht!

12.06.2012, 04:08 Uhr

In einer Marktwirtschaft haben haben staatliche Geschäftsbanken nichts zu suchen. Hätte man schon vor 15 Jahren alle Sparkassen und Landesbanken privatisiert, hätte die Politik heute einen Klotz weniger am Bein. Allein schon dadurch, dass Politiker in den Aufsichtsgremien dieser Staatsbanken sitzen, ist das Unheil vorprogrammiert.

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