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30.08.2012

13:31 Uhr

Letztes Halbjahr

WestLB verabschiedet sich mit hohen Verlusten

Ein würdiges Ende war das nicht: In ihrem letzten Halbjahr vor der Zerschlagung hat die WestLB über 340 Millionen Euro Verlust gemacht. Auch Nachfolger Portigon hat einen schwierigen Start. Die Bank sucht nach Kunden.

Das Logo ist abmontiert, die WestLB gibt es nicht mehr. Der Umbau der WestLB zu Portigon hat die ehemalige Landesbank in ihrem letzten halben Geschäftsjahr schwer belastet. Reuters

Das Logo ist abmontiert, die WestLB gibt es nicht mehr. Der Umbau der WestLB zu Portigon hat die ehemalige Landesbank in ihrem letzten halben Geschäftsjahr schwer belastet.

DüsseldorfDie einstmals größte deutsche Landesbank WestLB hat sich mit einem Verlust verabschiedet. Belastet durch den Umbau des Konzerns und die Einstellung des Neugeschäfts schrieb das Institut im letzten Halbjahr seiner Existenz einen Verlust von 343 Millionen Euro, wie der WestLB-Nachfolger Portigon am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte.

Die WestLB war auf Druck der EU-Kommission zum 1. Juli zerschlagen worden. Portigon will nun Kunden aus der Finanzindustrie bei der Betreuung oder Abwicklung von komplexen Portfolien beraten. Einen Großkunden hat der Dienstleister bereits: Die Bad Bank Erste Abwicklungsanstalt (EAA), die aus dem Erbe der WestLB Portfolien mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro übernimmt.

Portigon-Chef Dietrich Voigtländer, der zuvor auch den WestLB-Vorstand geführt hatte, nannte den Umbau einen „sehr schmerzhaften Prozess". Gleichwohl habe Portigon nun den Blick nach vorn gerichtet und wolle neue Kunden an Land ziehen: „Hier führen wir bereits erste konkrete Verhandlungen und Sondierungsgespräche mit diversen Adressen." Finanzkreisen zufolge buhlt Portigon um einen Auftrag der Bad Bank der Münchener Hypo Real Estate, FMS.

Die WestLB war nach einer langen Kette von Skandalen, Fehlspekulationen und Rangeleien um öffentliche Garantien und Finanzspritzen zum 1. Juli aus der Bankenlandschaft der Bundesrepublik verschwunden.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Von

rtr

Kommentare (3)

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peer-bilderberger

30.08.2012, 13:58 Uhr

Gratulation Herr Steinbrück, von Bilderbergers Gnaden.

Haben Sie echt gut hinbekommen. Sie haben die derzeit die FED Giftpapiere aufgekauft, was den sicheren Tod der Bank gebracht hat, die sie (mit) geleitet haben.

Dafür sollen Sie also jetzt der nächste Bundeskanzler von Bilderbergs Gnaden werden. Wird dann wieder der Häuptling der Bilderberger ihnen den Steigbügel halten, als den Sr. Monti, der Italien im Staatsstreich genommen hat.

Bundesbuerge

30.08.2012, 14:06 Uhr

Warum kann eigentlich die EU die Zerschlagung und Auflösung der WestLB verlangen und fast gleichzeitig wird ein Rettungsprogramm für spanische Pleitebanken gestartet?

peer-Bilderberger

30.08.2012, 14:12 Uhr

Weil das was Herr Peer-Bilderberger angerichtet hat, jenseits der schmarotzdenden Dolce-Vita Staaten liegt.

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WestLB-Affäre: Kontrolleur ohne Kontrolle
Montag, 21.07.2003, 00:00 · von FOCUS-Korrespondent Karl-Heinz Steinkühler
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NRW-Ministerpräsident Steinbrück ist seinen Pflichten als Aufsichtsrat nicht nachgekommen
Fragen nach seiner Rolle bei der WestLB-Krise mag Peer Steinbrück (SPD) überhaupt nicht. Als vor wenigen Tagen ein Fernsehreporter vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten wissen wollte, ob er nicht als früherer Finanzminister die riskanten Kreditvergaben der NRW-Landesbank hätte kennen müssen, schob ein Steinbrück-Mitarbeiter das Mikrofon des Journalisten einfach beiseite.

Die Nerven liegen blank in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Zusätzlich zum parlamentarischen Untersuchungsausschuss droht wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten bei den Landesgesellschaften nun ein weiterer in Sachen Landesbank.

Dabei steht Steinbrück selbst als Mitglied in den Aufsichtsgremien der fünftgrößten deutschen Bank und als Vertreter des Hauptgesellschafters NRW (43,2 Prozent) im Mittelpunkt des Interesses.

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