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13.01.2014

07:33 Uhr

Leverage Ratio

Kapitalregel kommt nicht auf die harte Tour

Die internationalen Finanzaufseher nehmen einem Regulierungsvorhaben die Schärfe. Die maximale Verschuldungsquote von Banken wird einige Kompromisse bei der Berechnung zulassen. Das hilft etwa der Deutschen Bank.

Banken-Skyline in Frankfurt: Die Vorgabe für eine Bilanzkennzahl wird gelockert. dpa

Banken-Skyline in Frankfurt: Die Vorgabe für eine Bilanzkennzahl wird gelockert.

Frankfurt/LondonDie Deutsche Bank und etliche andere große Geldhäuser können aufatmen: Die Bankenregulierer machen es europäischen Großbanken leichter, die kritische Verschuldungsquote zu erfüllen. Die Notenbankgouverneure und Chefs der Aufsichtsbehörden, die den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht überwachen, nickten am Sonntag eine weltweit einheitliche Definition für die maximale Verschuldungsquote (Leverage Ratio) ab.

Damit sollen europäischen Banken keinen Nachteil gegenüber der US-Konkurrenz erleiden. Die Lockerung der Regel soll zudem verhindern, dass Banken den Kredithahn zudrehen, um die Verschuldungsquote einzuhalten. Denn das würde die Konjunktur abwürgen.

Das steckt in Basel III

Konsequenz aus Finanzkrise

Die Basel III genannten Eigenkapitalregeln sind ein wesentliches Element der Reformen, die die wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) als Konsequenz aus der Finanzkrise eingeleitet haben. Der Begriff Basel III bezeichnet das Reformpaket des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Kapital- und Liquiditätsvorschriften

Die Bankenaufseher hatten die neuen globalen Kapital- und Liquiditätsvorschriften bereits im September 2010 vereinbart – jetzt geht es um die Umsetzung. Die Banken müssen die Regeln schrittweise von 2013 bis 2019 einhalten.

Mehr eigenes Kapital

Die zentrale Vorgabe lautet, dass Banken weltweit künftig mehr eigenes Kapital von besserer Qualität vorhalten müssen, um Risiken aus Kreditgeschäften absichern zu können. So soll vermieden werden, dass wieder die Steuerzahler mit Milliarden-Rettungshilfen einspringen müssen, wenn eine Bank in Schieflage gerät.

„Hartes“ und „weiches“ Kernkapital

Es gibt unterschiedliche Eigenkapitalformen. Zur Absicherung der Risiken ist aber vor allem das Kernkapital wichtig. Es gibt „hartes“ und „weiches“ Kernkapital, wobei in Turbulenzen und für die Stabilität das „harte“ Kernkapital entscheidend ist. Dieses besteht unter anderem aus eigenen Aktien der Bank und einbehaltenen Gewinnen – ist demnach Eigenkapital von höchster Qualität.

Kernkapitalquote

Die sogenannte Kernkapitalquote weist aus, wie viele mit Risiko behaftete Positionen - vor allem Kredite - durch eigenes Kernkapital abgedeckt sind, wie groß also letztlich der eigentliche Puffer ist.

Puffer für Konjunkturphasen

Die „harte“ Kernkapitalquote soll von jetzt zwei auf sieben Prozent steigen. Zusätzlich sollen künftig strengere Regeln gelten, was zum Kernkapital gezählt wird. Hinzu kommen weitere Puffer, um etwa das Auf und Ab von Konjunkturphasen zu dämpfen. Unterm Strich addieren sich die Eigenkapitalanforderungen auf 10,5 Prozent. Nationale Aufschläge sollen möglich sein.

Die Leverage Ratio war auf drei Prozent festgelegt worden. Das bedeutet, dass Banken von 2018 an Eigenkapital in Höhe von mindestens drei Prozent der Bilanzsumme und außerbilanzieller Verpflichtungen vorhalten müssen – unabhängig davon, wie risikolos die damit verbundenen Geschäfte vermeintlich sind. Doch Regulierer aus den USA und Großbritannien dringen Aufsichtskreisen zufolge auf eine strengere Quote, die Rede ist oft von vier Prozent. Die endgültige Entscheidung soll 2017 fallen. Von 2018 soll die Leverage Ratio für Großbanken verbindlich sein. Veröffentlichen müssen sie sie bereits vom kommenden Jahr an.

Mit der Leverage Ratio, die zusätzlich zu den am Risiko ausgerichteten Eigenkapitalquoten nach dem Basel-III-Regelwerk gilt, wollen die Aufseher verhindern, dass sich Banken über Gebühr aufblähen und wegen ihrer schieren Größe gefährlich für das System werden.

Kommentare (1)

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Mazi

14.01.2014, 14:49 Uhr

Für meine Begriffe wird die Diskussion falsch geführt. Unterstellt man, dass die Beteiligten nicht ganz blöd sind, dann wird die Frage noch viel vielschichtiger, ja gefährlicher.

Unterstellen wir, dass Eigenkapital zur Abdeckung von Risiken dienen soll. Dann muss es in der Lage sein, Wertschwamkungsrisiken der Assets, der Aktiva abzudecken. Da alle Assets, alle Aktiva in ihrem Wert schwanken können, sind unter dieser Logik alle diese Werte in die Risikobemessung einzubeziehen.

Werden sie aber nicht!

Wenn also nicht alle Aktivpositionen zur Risikoermittlung berücksichtigt werden, besteht also ein systematischer Fehler, der nunmehr über zwei Stellgrößen kompensiert werden soll.

Diese sind:
Erstens durch eine überhöhte Eigenkapitalunterlegung der "Kunden"-Kreditrisiken, die korrekt erfasst sind.
Zweitens die Nutzung weiteren Haftungskapitals. Die Idee der Bundesregierung und der europäischen Institutionen ist die Haftungsübernahme seitens der Gläubiger, genauer der Sparer.

Vor Gericht bezeichnet man dies als Deal. Zweie einigen sich mehrheitlich, dass ein Dritter bezahlt.

So einfach ist das.

Um was geht's wirklich?
Banken legen nicht nur ihr eigenes Geld, sondern auch das ihrer Kunden an. Derzeit brauchen sie im Gegensatz zur Kreditgewährung gegenüber der heimischen Wirtschaft zur Sicherung der Arbeitsplätze bei der Anlage in Staatsanleihen keine Eigenkapitalunterlegung. Diese Regelung führt logischerweise zu eine Fehlallokation der Mittel. Die Finanzierung der Staaten zieht das Geld an, wie andernorts "..." die Fliegen.

Diese Fehlsteuerung ist überall bekannt, auch in den Banken. Was liegt deshalb näher, als den Banken eine Kompensation zum systematischen Fehler anzubieten. Diese ist unter dem wording ESM und Sparerhaftung zu verstehen.

Unseriösere Attacken wie sie einem nicht mehr mieser einfallen können.

Lassen sie uns öffentlich darüber schreiben, dass wir die Manipulationen erkannt haben und veröffentlich die Namen der Verantwortlichen.

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