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02.07.2012

08:29 Uhr

Libor-Betrug

Britischen Banken droht Rücktrittswelle

Der Skandal um Zinsmanipulationen erschüttert die britischen Banken. Den Top-Bankern geht es an den Kragen: Mit Marcus Agius, Chairman der Barclays Bank, ist heute Morgen ein Schwergewicht zurückgetreten.

Das Logo der Barclays Bank. dapd

Das Logo der Barclays Bank.

LondonNotenbanker sind normalerweise für ihre vornehme Zurückhaltung bekannt. Aber Mervyn King, der Chef der Bank of England, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, seiner Wut über die Finanzbranche Ausdruck zu verleihen: "Ich denke, dass inzwischen jeder verstanden hat, dass mit den Banken etwas sehr schiefgegangen ist, und wir dringend einen echten Kulturwandel brauchen."

Kings Unmut haben sich die Geldhäuser vor allem mit dem neuesten Skandal rund um die systematische Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes am Kapitalmarkt zugezogen. Ein Skandal, der noch lange nicht ausgestanden ist. Analysten befürchten, dass sich die Branche am Ende mit milliardenschweren Schadensersatzforderungen konfrontiert sieht.

Rund um den Globus gehen die Regulierer dem Verdacht nach, dass ein Kartell internationaler Banken über Jahre hinweg den globalen Interbanken-Zinssatz Libor manipuliert haben soll. Der Libor beruht auf Berechnungen des britischen Bankenverbands BBA, der die Institute täglich befragt, zu welchem Zins sie sich untereinander Geld leihen. Der so fixierte Satz dient als Referenz für Finanzprodukte im Wert von mehr als 500 Billionen Dollar.

Die Regulierer werfen den Instituten vor, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Libor-Sätze gemeldet haben, um ihre Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern. In die Ermittlungen sind etwa 20 Banken verstrickt, neben Instituten wie der Schweizer UBS und der Royal Bank of Scotland auch die Deutsche Bank.

Der Skandal hat nun ein erstes Nachspiel. Die Regierung lässt einen der Chefs seiner Skandalbanken vor einem Ausschuss des Parlaments auftreten, wie in der Nacht bekannt wurde. Unter anderem soll Barclays-Chef Bob Diamond in der kommenden Woche vor dem Komitee Rede und Antwort stehen, wie mehrere Medien am Wochenende übereinstimmend berichteten. Themen sollen neben dem sogenannten Liborzinssatz etwa mögliche strafrechtliche Sanktionen sein, hieß es.

Heute Morgen wurde der Rücktritt des Aufsichtsratschefs der britischen Großbank Barclays, Marcus Agius, offiziell bekannt. Es tue ihm aufrichtig Leid, dass Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre „im Stich gelassen“ worden seien, erklärte Agius am Montag in einer Stellungnahme, die auf der Internetseite der Bank veröffentlicht wurde. Barclays kündigte zudem eine interne Untersuchung der Vorfälle an. Ein neuer, verpflichtender Verhaltenskodex solle entwickelt werden.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

02.07.2012, 07:48 Uhr

"Lauf' Forrest, lauf!" Und da rennen sie, doch die Erde ist Rund und die besten Verstecke unter den schönsten Steinen sind schon belegt. Für einen fairen Obolus werden sich doch bestimmt ein paar Sündenböcke finden lassen.

Oder sollten die Verschwörungstheoretiker doch recht gehabt haben?

Zumindest haben die Banker keinen weiteren Imageverlust mehr zu befürchten: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert."




Account gelöscht!

02.07.2012, 07:52 Uhr

"Britischen Top-Bankern droht Rücktrittswelle"

Man sollte endlich abstellen, dass ein Ruecktritt genuegt, um wieder mit einer "Weissen Weste" dazustehen. Alle, die einen Ruecktritt als Wiedergutmachung akzeptieren, machen sich mitschuldig. Sie verhindern eine objektive Rechtsverfolgung.

Ohweiohweiohwei

02.07.2012, 07:58 Uhr

Und unsere Abgeordneten (die man in eine Zwangsacke stecken sollte damit sie keinen weiteren Schaden anrichten koennen) unterstuetzen "ALLE" Mafia Zockerbanken mit frischem Geld aus dem ESM. England wird in Kuerze austreten, die sind intelligenter wie unsere bankengesteuerte Marionettenpolitiker. Merkel hat die Vision des Euro zerstoert. Raus aus dem Euro, bevor Deutschland auch pleite ist.

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