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04.12.2013

11:32 Uhr

Libor-Kartell

EU lässt Banken für Zins-Manipulationen bluten

Die EU-Kommission bestraft mehrere Großbanken wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor mit einer Rekordbuße von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank muss 725 Millionen Euro zahlen.

Händler in New York: Wertpapiere im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar beruhen auf den Leitzinssätzen wie Libor und Euribor. AFP

Händler in New York: Wertpapiere im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar beruhen auf den Leitzinssätzen wie Libor und Euribor.

BrüsselIm Skandal um die Manipulation international bedeutsamer Zinssätze hat die Europäische Union eine Rekordstrafe gegen insgesamt sechs internationale Großbanken verhängt. Die Institute müssten insgesamt 1,71 Milliarden Euro für die Beteiligung an illegalen Kartellen auf den Märkten für Finanzprodukte zahlen, die an die Zinssätze gekoppelt seien, teilte die Europäische Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Alleine auf die Deutsche Bank entfalle eine Buße von rund 725 Millionen Euro.

Händlern der Geldhäuser wird vorgeworfen, die Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Referenzsätze wie Libor und Euribor werden täglich ermittelt und sind die Grundlage für Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Sie beruhen auf Angaben der Banken über ihre Refinanzierungskosten. Das System soll nach dem Willen vieler Aufseher wegen der Manipulationen geändert werden.

Die EU-Strafen für die Zins-Manipulation

Citigroup

Strafe für Yen-Zinsmanipulationen: 70 Millionen Euro für drei Delikte
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 35, 100 bzw. 40 Prozent)

Deutsche Bank

Strafe für Euro-Zinsmanipulationen: 466 Millionen Euro
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 30 Prozent)

Strafe für Yen-Zinsmanipulationen: 259 Millionen Euro für zwei Delikte
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 30 bzw. 35 Prozent)

JP Morgan

Strafe für Yen-Zinsmanipulationen: 80 Millionen Euro
(kein gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern)

RBS

Strafe für Euro-Zinsmanipulationen: 131 Millionen Euro
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 50 Prozent)

Strafe für Yen-Zinsmanipulationen: 260 Millionen Euro für drei Delikte
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 25 Prozent für ein Vergehen)

RP Martin

Strafe für Yen-Zinsmanipulationen: 247.000 Euro
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 25 Prozent)

RP Martin ist eine Londoner Broker-Firma.

Société Générale

Strafe für Euro-Zinsmanipulationen: 446 Millionen Euro
(gewährter Rabatt wegen Kooperation mit den Ermittlern: 5 Prozent)

Strafbefreit: Barclays

Die Strafe für Euro-Zinsmanipulationen hätte 690 Millionen Euro betragen, Barclays wurde aber für die ursprüngliche Offenlegung des Kartels straffrei gestellt.

Strafbefreit: UBS

Die Strafe für Yen-Zinsmanipulationen hätte 2,5 Milliarden Euro betragen, die Schweizer Grobßank UBS wurde aber für die ursprüngliche Offenlegung des Kartels straffrei gestellt.

In den Skandal sollen mehr als ein Dutzend Banken verwickelt sein. Vor und während der Finanzkrise sollen Händler durch falsche Meldungen die Zinsen zu ihren Gunsten verzerrt haben - nicht nur um Handelsgewinne einzustreichen, sondern auch um ihr Institut besser aussehen zu lassen.

Die Referenzzinssätze sind auch für private Kreditnehmer wichtig: In Europa haben nach Angaben der EU-Kommission 40 Prozent der Verbraucherkredite einen variablen Zinssatz.

Ein ausführlicher Bericht dazu hier auf Handelsblatt Online.

Kommentare (5)

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TomXXX

04.12.2013, 11:47 Uhr

Bisher hat sich niemand getraut für die Vorgänge den richtigen Begriff zu verwenden. Das was da abging/abgeht ist nichts anderes als

ORGANISIERTE KRIMINALITÄT!

Das ist keine Übertreibung, jeder kann sich eine Definition von organisierter Kriminalität nehmen (z.B. Wikipedia) und sich den Spass machen, die einzelnen Kriterien auf diese Vorgänge hier zu überprüfen. Das Ergebnis ist eindeutig!

Wir regen uns auf über die Wettmafia? PEANUTS!

Leser

04.12.2013, 11:57 Uhr

Die EU läßt die Banken in diesem Fall leider nicht bluten, sondern holt sich lediglich einen kleinen Teil der Spekulationsgewinne zurück, den die Banken mit diesen Manipulationen verdienen, oder besser "betrogen" haben.

Bmehrens

04.12.2013, 12:00 Uhr

Gutes "Geschäft" für die DB: wahrscheinlich 3 Mrd an der Manipulation verdient und 725 Mio Strafe.

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