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24.01.2013

16:32 Uhr

Libor-Klage

Namen von Barclays-Mitarbeitern veröffentlicht

Ein britisches Gericht hat entschieden: Im Zuge einer Libor-Klage dürfen die Namen von 104 Barclays-Mitarbeitern veröffentlicht werden. Auf den Status einer global Investmentbank hat das aber keinen Einfluss, heißt es.

Im Zuge einer Klage dürfen die Namen von 104 Barclays-Mitarbeitern veröffentlich werden. Reuters

Im Zuge einer Klage dürfen die Namen von 104 Barclays-Mitarbeitern veröffentlich werden.

London„Die Katze ist aus dem Sack“, erklärte Richter Julian Flaux, als er in dieser Woche den Antrag mehrerer Barclays-Mitarbeiter zurückwies. Im Zusammenhang mit einer Klage wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor wurden gleich mehrere Namen von Mitarbeitern der Bank öffentlich. Man müsse kein Genie sein, um herauszufinden, wer die Namen seien, sagte Flaux weiter. Unter den Betroffenen sind der frühere Vorstandschef Bob Diamond und Jerry Del Missier, ehemals Chief Operating Officer der Bank. Sie hatten vergeblich vor einem britischen Gericht versucht, die Bekanntgabe der Namen zu verhindern.

Genannt wurden ebenfalls Rich Ricci, Vorstandschef für Investmentbanking und Unternehmensgeschäft, der ehemalige Vorstandschef John Varley sowie Mark Dearlove, Leiter der Geldmarktabteilung und Chris Lucas, Group Finance Director bei der in London ansässigen Bank. Insgesamt hatten sich 104 Mitarbeiter Anonymität sichern wollen.

Klägerin in dem Ausgangsverfahren ist die britische Pflegeheimgruppe Guardian Care Homes aus Wolverhampton. Die Gesellschaft macht Barclays für Verluste verantwortlich, die sie mit einem an den Libor gekoppelten Zins-Swap erlitt. Der Libor-Satz war manipuliert, argumentiert Guardian.

Barclays wurde gerichtlich verpflichtet, Guardian die Namen und die E-Mails von Bankmitarbeitern zugänglich zu machen, die die Bank gegenüber britischen und amerikanischen Regulierungsbehörden in den Ermittlungen im Zusammenhang mit Manipulationen von Zinssätzen offengelegt hatte. Von den 104 genannten Barclays-Mitarbeitern seien nur 24 mit der Festsetzung des Libor befasst gewesen, erklärte Richter Flaux.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Weltweit ermitteln die Behörden gegen mehr als ein Dutzend Banken im Zusammenhang mit Manipulationen des Libor. Im Juni wurde Barclays mit einer Strafe von 290 Mio. Pfund (343 Mio. Euro) belegt, nachdem die Aufsichtsbehörden zu dem Schluss kamen, dass Händler der Bank versucht hatten, den Libor und andere Zinssätze für ihren eigenen Gewinn zu manipulieren. Im Zuge der Geldstrafe traten Diamond, Del Missier und Chairman Marcus Agius zurück.

Auf den Status der globalen Investmentbank hat aber weder dieser Personalwechsel, noch die neuen Sparpläne oder die Stellenstreichungen Einfluss. In der Sparte sollen im Asien-Geschäft der britischen Großbank Insidern zufolge bis zu 90 Jobs wegfallen. Insgesamt wird mit dem Abbau von global 2.000 Stellen im Investmentbanking gerechnet, wenn der neue Vorstandschef Antony Jenkins am 12. Februar seine Strategie vorstellt. Zwar zwinge die verschärfte Regulierung und die Wirtschaftsflaute die Banken zu einer Schrumpfkur und weiteren Kostensenkungen, sagte Jenkins dem TV-Sender CNBC am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Barclays werde aber weiterhin eine Universal-Bank mit einer großen Investmentsparte sein. Zum Umfang der Stellenstreichungen in Asien wollte er sich nicht äußern.

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Die Entlassung von Investmentbankern ist der Auftakt der geplanten Neustrukturierung.

Die Zukunft des Investmentbankings dürfte die brisanteste Frage für Jenkins bei der Neuausrichtung sein. Denn die Sparte, zuletzt die Nummer acht in der Welt, trägt mehr als die Hälfte zum Gewinn des Instituts bei. Weltweit beschäftigt Barclays 23.000 Investmentbanker, davon etwa 3.000 bis 4.000 in Asien.

Jenkins hatte im August die Nachfolge von Bob Diamond angetreten, der nach einem Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor seinen Hut nehmen musste. Er hat sich einen Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Die Bank soll sich nicht mehr so sehr auf kurzfristige Gewinne und stattdessen stärker auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren.

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