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10.07.2015

14:46 Uhr

Libor-Manipulation

Ex-Deutsche-Bank-Händlern drohen Verfahren in den USA

Ehemaligen Händlern der Deutschen Bank drohen Verfahren wegen der Manipulation wichtiger Zinssätze. Die Bank hatte deswegen bereits satte Strafen gezahlt. Jetzt könnten auch die einzelnen Ex-Mitarbeiter büßen müssen.

Die amerikanische Justiz interessiert sich für die Rolle von Ex-Deutsche-Bank-Mitarbeitern bei Zinsmanipulationen. AFP

Gesetzeshüter in New York

Die amerikanische Justiz interessiert sich für die Rolle von Ex-Deutsche-Bank-Mitarbeitern bei Zinsmanipulationen.

London/New YorkDas amerikanische Justizministerium steht kurz davor, Klage gegen ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank einzureichen. Die Behörde könnte noch vor Jahresende Strafverfahren wegen Manipulation der wichtigen Libor-Zinssätze einleiten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit den Vorgängen vertraute Personen.

Die Behörde ermittelt gegen mindestens fünf ehemalige Händler, die an der Manipulation der US-Dollar-Variante der Londoner Interbanken-Zinssätze (Libor) beteiligt waren, so die Quellen. Die Verfahren wären die ersten gegen einzelne Ex-Händler der Deutschen Bank im Libor-Verfahren.

Worum es beim Libor-Skandal geht

Was ist der Interbankenmarkt?

Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Geber und Nehmer wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen in die jeweilige Stabilität. Denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieser Handel, der lange reibungslos funktionierte, war nach der Lehman-Pleite 2008 gestört, weshalb die Notenbanken die Privatinstitute immer wieder mit billiger Liquidität versorgen müssen.

Was ist der Libor?

Der Libor - die London InterBank Offered Rate - wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Mit den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz an dem sich alle möglichen Kredite in der Realwirtschaft mit variablen Zinsen orientieren.

Wie kann der Libor überhaupt manipuliert werden?

Das Problem ist die im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft mangelnde Transparenz. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen. Eigentlich sollen die Mitarbeiter, die die Sätze nach London melden, völlig neutral die Daten abliefern. Wie offen sich Händler der Bank mit diesen Mitarbeitern austauschten und absprachen, verdeutlichen etwa von der britischen Finanzaufsicht veröffentlichten internen Mails bei Barclays.

Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?

Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro InterBank Offered Rate - für den Euro. Er wurde 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die höhere Zahl soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen.

Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?

Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung. Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können den Banken dabei in die Karten spielen.

Weiß man, wie viel Geld mit den Zinsmanipulationen „gemacht“ wurde?

Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen US-Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.

Warum ist das nicht früher aufgefallen?

Bis zur Lehman-Pleite 2008 konnten Banken praktisch unkontrolliert schalten und walten. Die Manipulationen und möglichen Absprachen fielen erst auf, weil sich die Libor-Zinsen in der Finanzkrise nicht wie erwartet veränderten.

Gibt es jetzt eine andere Kontrolle der Banken?

Nach der Lehman-Pleite sollte alles besser werden. Weltweit wollte die Politik die Finanzbranche an die Kandare nehmen. Doch der Reformeifer schlief wieder ein. So versucht die britische Regierung etwa, den Finanzplatz London zu schützen. Allerdings führen Skandale wie der Libor-Fall der Politik die Probleme schmerzhaft vor Augen.

Welche Folge hat das für Privatkunden?

Kredite mit variablen Zinssätzen hängen direkt von Libor und Euribor ab. Diese sind in Deutschland allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in Spanien oder Großbritannien. Hierzulande vereinbaren etwa Häuslebauer lieber Kredite mit festen Zinsen.

Die Deutsche Bank hatte im April einer Zahlung über 2,5 Milliarden Dollar zugestimmt, um sich mit angelsächsischen Behörden wie dem US-Justizministerium wegen der Libor-Manipulationen zu einigen. Zwölf Banken haben in den vergangenen drei Jahren mittlerweile etwa neun Milliarden Dollar gezahlt. Insgesamt wurden gegen 21 Händler Verfahren in den USA und Großbritannien eingeleitet, der erste Prozess in London gegen den Ex-UBS-Händler Tom Hayes läuft bereits.

Die an den Manipulationen beteiligten Mitarbeiter der Deutschen Bank arbeiteten vor allem in London und New York. Auszüge aus Chat-Protokollen, die vom US-Justizministerium und anderen Aufsichtsbehörden veröffentlicht wurden, zeigten, wie sich die Mitarbeiter abgesprochen hatten. Die Abstimmung führte dazu, dass die Bank wichtige Zinssätze zu eigenen Gunsten manipulieren konnte.

„Falls du etwas bestimmtest beim Libor brauchst, (...) bin ich in der Lage, in Richtung eines anderen Preisniveaus zu gehen“, chattete etwa ein Übermittler von Libor-Konditionen in London an einen Kollegen in New York im Jahr 2005.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

17.07.2015, 09:22 Uhr

Weshalb werden nicht die Verantwortlichen der Aufsichtsbehörden mit auf die Anklagebank gesetzt? Deren ausschließlicher Job war es, die Bank zu beaufsichtigen, zu kontrollieren. Das Hauptgeschäftsfeld einer Bank nicht zu überwachen, ist m.E. ein noch viel verantwortungsloserer Fehler.

Auch wenn die "Verantwortlichen" in der Vergangenheit reihenweise bei der BAFin ausgetauscht wurden, ist über den Systemfehler nachzudenken, ihr Wirken insgesamt noch einmal hinsichtlich etwaiger Korruption zu prüfen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Es ist richtig, wenn Sie entgegenhalten, dass Institutionen strafrechtlich nicht belangt werden können und die Leiter - ebenso wie Politiker - zwar zuständig aber nicht verantwortlich für ihr Handeln sind, so muss die Frage dennoch erlaubt sein, ob damit nicht erst recht die Korruption angezogen wird?

Richtig ist es auf jeden Fall nicht!

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