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07.10.2014

12:21 Uhr

Libor-Manipulation

USA wollen Deutsche Bank zu hoher Strafe verdonnern

Der Deutschen Bank droht wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen in den USA eine beträchtliche Strafe. Die Ermittler wollen einem Medienbericht zufolge das Geldinstitut zwingen, sich schuldig zu bekennen.

Die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zählt zu den größten Altenlasten der Deutschen Bank. dpa

Die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zählt zu den größten Altenlasten der Deutschen Bank.

FrankfurtDie USA und Großbritannien machen bei den Ermittlungen gegen die Deutsche Bank Druck. Wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen wollen die angelsächsischen Behörden das größte deutsche Geldhaus in den kommenden Monaten zu einer beträchtlichen Strafe verdonnern, wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete. Wahrscheinlich sei ein Abschluss des Verfahrens Ende 2014 oder Anfang 2015, schrieb das Blatt unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zählt zu den größten Altenlasten der Deutschen Bank. Im Gegensatz zu vielen vorangegangenen Vergleichen mit Geldhäusern erwägen die Ermittler laut "New York Times" dieses mal, dass sich die Deutsche Bank oder eine ihrer US-Niederlassungen im Rahmen der Einigung schuldig bekennen muss, den Libor manipuliert zu haben. Endgültig entschieden sei das aber noch nicht.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den Zeitungsberichten nicht äußern. Das Institut kooperiere bei den Libor-Ermittlungen mit den Behörden, erklärte ein Banksprecher. Einige Mitarbeiter hätten auf eigenen Initiative gegen Richtlinien der Bank verstoßen und seien dafür bestraft worden.

Frühere oder aktuelle Vorstandsmitglieder seien nicht betroffen. Auch im Skandal um Manipulationen am Devisenmarkt hätten die Behörden Dokumente von der Bank angefordert. Das Institut arbeite hier ebenfalls mit den Regulierern zusammen und werde disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter ergreifen, falls dies erforderlich sei.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 10 – Postbank

Bilanzsumme 2013 der Deutsche-Bank-Tochter: 161,5 Milliarden Euro

Platz 9 – Helaba

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale: 178,1 Milliarden Euro.

Platz 8 – NordLB

Bilanzsumme 2013 der Norddeutschen Landesbank: 200,8 Milliarden Euro

Platz 7 – BayernLB

Bilanzsumme 2013 der Bayerischen Landesbank: 255,6 Milliarden Euro

Platz 6 – LBBW

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Baden-Württemberg: 273,5 Milliarden Euro

Platz 5 – Unicredit

Bilanzsumme 2013 der Unicredit (inkl. Hypo-Vereinsbank): 290 Milliarden Euro

Platz 4 – DZ Bank

Bilanzsumme 2013 der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank: 387 Milliarden Euro

Platz 3 – KfW

Bilanzsumme 2013 der KfW-Bankengruppe: 464,8 Milliarden Euro

Platz 2 – Commerzbank

Bilanzsumme 2013: 549,7 Milliarden Euro

Platz 1 – Deutsche Bank

Bilanzsumme 2013: 1611,4 Milliarden Euro

Quelle: Die Bank/Statista

Wegen der Devisenmarkt-Affäre wollen die US-Behörden laut "New York Times" bis Ende des Jahres mindestens gegen eine Bank Anklage erheben. Im Gegensatz zu anderen Fällen könnten die Ermittler dabei nicht nur gegen die Geldhäuser, sondern gegen einzelne Mitarbeiter vorgehen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Anwälte. In Online-Chats, mit deren Hilfe sich die Händler den Ermittlern zufolge abgesprochen habe, gebe es genügend belastendes Material.

Die Deutsche Bank will wegen der anstehenden Vergleiche Finanzkreisen zufolge mehr Geld für mögliche Strafen zurücklegen. Das werde das Ergebnis im dritten Quartal belasten, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Montag berichtet. Besonders den Libor-Fall möchten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen baldmöglichst aus der Welt schaffen. In den Skandal sind Großbanken weltweit verstrickt.

Einzelne Händler hatten sich nach Erkenntnissen der Ermittler bei wichtigen Referenzzinsen wie Libor und Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne einzustreichen. Die EU hat ihre Strafen bereits Ende vergangenen Jahres verhängt: Der Deutschen Bank wurden damals 725 Millionen Euro aufgebrummt. Eine Sonderprüfung der deutschen Finanzaufsicht BaFin läuft noch.

Die Deutsche Bank zählt auch zu den Instituten, die wegen schon länger zurückliegender umstrittener Geschäfte mit dem Iran im Visier der US-Behörden stehen. Zunächst erwarten Branchenkenner jedoch, dass sich hier die Commerzbank mit den Behörden vergleicht. Eine Einigung im Devisenmanipulations-Skandal steht dagegen vorerst nicht auf der Prioritätenliste der Deutschen Bank, wie Insider berichteten.

Das liege auch daran, dass die internen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Insofern komme auch eine Art "Sammelvergleich" mit anderen Finanzinstituten nicht infrage, über den zuletzt berichtet wurde.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Horst Schmidt

07.10.2014, 12:44 Uhr

Ich habe nichts gegen die Bestrafung der Banken oder der Bankvorstände. Aber wieso gehen diese Gelder in die USA und nicht zumindest in alle Länder, in denen die Bank Niederlassungen hat ? Der Schaden war doch weltweit bei den Anlegern. Ist dies ein Wirtschaftskrieg ? Wieso werden Firmen wie Amazon, Microsoft, Facebook, Apple und viele mehr hier nicht ebenfalls verurteilt. Sie verhalten sich ebenfalls wettbewerbswidrig und zumindest sehr grenzwertig in Steuerrecht.

Herr Teito Klein

07.10.2014, 13:04 Uhr

Und immer wieder die Deutsche Bank
---------
Sie lässt auch keinen Skandal aus.
Und hier ist es völlig richtig, dass die USA fordert, dass sich die Deutsche Bank schuldig bekennt.

Herr Fred Meisenkaiser

07.10.2014, 13:10 Uhr

Finde ich richtig, schließlich wollen die USA ihren eigenen Instituten einen Vorteil verschaffen. Ist halt wie mit dem Rating durch die US-Institute.

Solange sich das die Europäer von den spionierenden "Freunden" aus Übersee noch gefallen lassen...

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