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04.06.2015

16:35 Uhr

Libor-Prozess in London

Ex-Händler „teilt in alle Richtungen aus“

Der Ex-UBS-Händler Tom Hayes nennt in einem Prozess wegen Manipulationen von Referenzzinssätzen die Namen möglicher Mitwisser. Auch der Name eines deutschen Spitzen-Finanzmanagers gehört dazu.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist seit Anfang Juni im Amt. dpa

Vorstandschef

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist seit Anfang Juni im Amt.

Wenige Tage nach der Übernahme des Chefpostens bei der Deutschen Börse holt Carsten Kengeter seine Vergangenheit als Investmentbanker ein. Der ehemalige Händler Tom Hayes wirft Kengeter vor, in seiner Zeit als Ko-Investmentbank-Chef bei der Schweizer UBS über manipulierte Zinsen Bescheid gewusst zu haben. Das geht aus Aussagen von Hayes vor einem Londoner Gericht hervor.

Für Deutschlands größten Börsenbetreiber ist das eine unangenehme Überraschung. Große Unruhe herrsche wegen der Vorwürfe aber nicht, sagten zwei Personen aus dem Umfeld des Konzerns. Diverse Aufsichtsbehörden hätten der Deutschen Börse bestätigt, dass Kengeter keinerlei Verfehlungen vorgeworfen würden. Von Kengeter selbst war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

„Es war einfach so offenkundig“

Hayes, der für UBS und Citigroup gearbeitet hat, steht in Verdacht, einer der Drahtzieher bei der Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor gewesen zu sein. Er hält sich für unschuldig und betont, dass auch seine Vorgesetzten von den Vorgängen gewusst hätten. Mehrere Manager, darunter Kengeter, hätten mindestens an einer Morgenkonferenz in Tokio teilgenommen, wo Händler die Liborsätze abgestimmt hätten. „Es war zu weit verbreitet und offen, als dass Leute es nicht hätten merken können“, erklärte Hayes. „Es war einfach so offenkundig.“

Die britische Strafverfolgungsbehörde SFO wirft Hayes in acht Fällen Verschwörung zum Betrug in den Jahren 2006 bis 2010 vor. Dem 35-Jährigen drohen zehn Jahre Gefängnis. Seine brisanten Aussagen gegenüber der SFO stammen von Anfang 2013, kurz nach seiner Festnahme im Dezember 2012. Die Äußerungen wurden dem Southwark Crown Court am Mittwoch vorgelegt und verlesen beziehungsweise vom Band abgespielt.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

05.06.2015, 09:09 Uhr

Da können die Aufsichtsbehörden schreiben was sie wollen, jeder der die UBS kennt, weiß dass dies nur Schutzbehauptungen in eigener Sache sein können.

Wie will eine Behörde, die nachweislich die Ermittlung des LIBOR-Satzes nie auf dem Radar hatte, ausgerechnet einem Manager bestätigen, dass der nichts über die Ermittlung dieses Satzes wusste?

Die Leute sollen doch einmal selbst darüber nachdenken, was sie so von sich geben.

Wer alles davon wusste ist dabei sehr einfach überprüf- und nachweisbar. Man braucht lediglich die Boniregelung und deren -anwendung bei der Personalabteilung anzufordern und einzusehen. Sehr schnell ist klar, wer an düsen Gewinnen des Händlers mitverdiente. Es wird doch wohl kein Manager behaupten wollen, dass er Boni aus Geschöften erhält, die er nicht zu verantworten hat?

Der Fall ist m.E. sehr klar und der Ausgang des Verfahrens leider auch. Lesen Sie dazu auch die Aussagen der französischen Staatsanwältin in Sachen: Ermittlungen SocGen.

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