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26.07.2012

20:43 Uhr

Libor-Skandal

Bafin will noch keine Konsequenzen ziehen

Konsequenzen hat der Skandal für die deutschen Banken noch keine. Doch die Bafin machte deutlich: Es wird sich einiges ändern. Die Banken sollen mehr Kapital anhäufen und auch die Ermittlung des Libors muss sich ändern.

Für konkrete Konsequenzen aus der Libormanipulations-Affäre sei es noch zu früh, sagte die Bankenaufsicht. Die Ermittlungen dauern noch an. dpa

Für konkrete Konsequenzen aus der Libormanipulations-Affäre sei es noch zu früh, sagte die Bankenaufsicht. Die Ermittlungen dauern noch an.

MünchenDie deutsche Finanzaufsicht Bafin will nicht überstürzt Konsequenzen aus dem Skandal um Zinsmanipulationen ziehen. Für Schlussfolgerungen sei es zu früh, schließlich laufe hierzulande noch die Sonderprüfung bei der Deutschen Bank, sagte Bafin-Chefin Elke König am Donnerstagabend in München. Fest stehe allerdings bereits, dass die Ermittlung des Referenz-Zinssatzes Libor anders gestaltet werden müsse. „Das ist sicher kein tragfähiges Modell." Die Aufarbeitung der Vorfälle werde die Bonner Behörde mit „Hochdruck angehen".

In dem Skandal sollen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter die Deutsche Bank und die Schweizer UBS, jahrelang den Marktzins Libor durch falsche Angaben zum eigenen Vorteil verzerrt haben. Er wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den von Banken gemeldeten Schätzungen zu ihren Refinanzierungskosten. Der Libor ist Basis für weltweite Finanztransaktionen wie Hypotheken und Derivate im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Auch die Zinsen von Verbraucherkrediten hängen davon ab.

König betonte, unabhängig von dem Skandal müssten alle Geldhäuser künftig mehr Kapital als Krisenschutz vorhalten. „Die nächste Krise wird anders verlaufen", sagte sie. Deswegen stünden auch kleinere Institute, Sparkassen zum Beispiel, in der Pflicht. Das gesamte System müsse gestärkt werden.

König wollte sich auch nicht der Forderung des Münchener-Rück -Chefs Nikolaus vom Bomhard anschließen, große Institute zu zerschlagen, um das riskante Investmentbanking vom klassischen Privatkundengeschäft zu trennen. Die global tätigen Industriekonzerne bräuchten große Banken, um ihre Geschäfte zu finanzieren. Es sei auch nicht bewiesen, dass eine Trennung der beiden Welten zu mehr Stabilität führe.

Die BaFin-Chefin plädierte für eine stärkere europäische Finanzaufsicht. Die Ausarbeitung brauche allerdings Zeit. Im September werde die EU-Kommission erste Vorschläge für die sogenannte Bankenunion machen. Es müsse alles für eine große Lösung mit allen Instituten der 27 EU-Länder getan werden. Eine Beschränkung auf die Euro-Zone oder große Banken dürfe es nicht geben: „Das halte ich für problematisch."

Bei der Einführung der neuen Kapitalregeln für Versicherer, Solvency II genannt, fürchtet König eine erneute Verschiebung. Es sei richtig, die Auswirkungen nochmal unter die Lupe zu nehmen. "Dann werden wir sehen, ob Januar 2014 zu halten ist."

Die Regeln, die die Branche krisenfester machen sollen und vor allem für viele Kapitalanlagen Sicherheitspuffer zur Pflicht machen, seien zu komplex. „Kleine und mittlere Versicherer dürfen nicht auf der Strecke bleiben", forderte König, die früher selbst im Vorstand des Rückversicherers Hannover Rück war.

Von

rtr

Kommentare (7)

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touspourun

26.07.2012, 21:26 Uhr

"Es sei auch nicht bewiesen, dass eine Trennung der beiden Welten zu mehr Stabilität führe"
L Ä C H E R L I C H
Jeder halbwegs Erwachsener Mensch der nicht den Gehirntod der Mainstream Propaganda inzwischen gestorben ist weiß, dass die Finanzhyänen an der Wall Street so lange gebellt haben bis Glass Steagall (also die Trennung von Investment Banking - mittlerweile allgemein bekannt als Casino Zockerei mit Vollkaskoversicherung - und klassisches Banking) 1999 außer Kraft gesetzt wurde um die volle "Innovationskrft der Finanzindustrie" sich entfalten zu lassen...
Das Ergebnis ist bekannt, sogar Griecheland wurde in die Euro Zone aufgenommen.
Elke König du bist eine N U L L, oder... ach ja, da steht es doch am Ende des Artikel : „(…)König, die früher selbst im Vorstand des Rückversicherers Hannover Rück war.
Alles klar, noch eine weitere Show Veranstaltung auf Kosten des Steuerzahlers als Ablenkung vor dem nächsten Riesen Skandal der Bankster.

Mazi

26.07.2012, 22:22 Uhr

Sie wissen doch auch, dass erst der Wert (einer Zahl) sich aus der Anzahl der nachfolgenden Nullen ergibt.

Mazi

26.07.2012, 22:33 Uhr

Was heißt hier "überstürzt"?

Das liest sich, als wenn der LIBOR letzten Monat erst eingeführt worden sei. Man kann aber auch die Wahrheit heraus lesen. Der LIBOR, an dem die Masse des Kreditgeschäfts hängt, war nie Gegenstand einer Untersuchung der BAFin.

Für Laien ist das etwa so, als wenn der Gesundheitsminister sich überstürzt Gedanken über die Wirkung der Seife in der Hygiene machen würde.

Wenn die BAFin nie den LIBOR als Untersuchungsgegenstand auf der Pfanne hat, dann können wir die gesamte BAFin wegen Sinnlosigkeit schließen können.

Frau König, das ist nichts. Sanio hatte wenigstens Sprüche drauf und hat die vielen Schwachen um sich herum wenigstens auf Distanz gehalten. Der hat die Leute so eingeschüchtert, dass die gar nicht auf den Gedanken kamen, seine Sprüche inhaltlich kritsch zu prüfen.

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