Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.04.2015

09:51 Uhr

Libor-Skandal

Die teure Verzögerungstaktik der Deutschen Bank

VonDaniel Schäfer

Es wäre eine spektakuläre Strafe: Im Skandal um Zinsmanipulationen steht die Deutsche Bank vor dem Abschluss eines milliardenschweren Vergleichs. Dass es so teuer wird, liegt auch an der Führungsspitze. Ein Kommentar.

Dem Konzern droht eine Rekordstrafe – die Verzögerungstaktik des Vorstands rächt sich. dpa

Dem Konzern droht eine Rekordstrafe – die Verzögerungstaktik des Vorstands rächt sich.

FrankfurtEs verspricht teuer, spektakulär und für die Verantwortlichen auch peinlich zu werden: Laut Medienberichten steht die Deutsche Bank kurz vor einer Rekordstrafe von mehr als 1,5 Milliarden Dollar im Skandal um die Manipulation wichtiger Referenzzinsen. Eine Einigung mit vier Behörden in den USA und Großbritannien könnte demnach schon in April bevorstehen.

Die Deutsche Bank wäre damit eine der letzten großen Banken weltweit, welche den Skandal über weitgehende Tricksereien und Absprachen bei der Festsetzung des sogenannten Libor-Zinssatzes hinter sich lassen würde. Ebenso wie bei Rivalen wie UBS und Barclays werden es sich die Behörden nicht nehmen lassen, aus der Einigung ein großes Spektakel zu veranstalten: Zu erwarten ist die Veröffentlichung ebenso peinlicher wie erschütternd dreister E-Mail- und Chat-Kommunikation zwischen Händlern der Deutschen Bank.

Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen beim Handelsblatt.

Der Autor

Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen beim Handelsblatt.

Doch der Schaden wird weit über die mediale Ausschlachtung der ordinären Sprache millionenschwerer Händler hinausgehen. Die Deutsche Bank wird voraussichtlich die höchste Strafe aller Banken im Libor-Skandal bezahlen müssen, und ein eventuell erzwungenes Schuldeingeständnis der englischen Tochter wäre ebenfalls eine die bisherigen Bestrafungen übertreffende harte Maßnahme mit noch unbekannten Folgen für das Geschäft der Bank.

Damit rächt sich wieder einmal die Verzögerungstaktik der Führungsspitze: Während insbesondere UBS und Barclays von Anfang an mit den Behörden kooperierten, drängt sich der Eindruck auf, dass die Deutsche Bank bei diesem und anderen Rechtsstreitigkeiten stets auf Zeit gespielt hat. Die Folge: Die Behörden gehen nun noch härter gegen das Institut vor, zumal sich die Strafen für Rechtsfälle in den vergangenen Jahren generell erhöht haben.

Für die Deutsche Bank werden die kommenden Wochen und Monate damit zu Schicksalszeiten. Denn ebenfalls im April soll eine vollständig neue Strategie verkündet werden. Und Ende des Monats steht auch noch der Prozessauftakt gegen Co-Chef Jürgen Fitschen wegen Beihilfe zum versuchten Prozessbetrug an.

Die Bereinigung weiterer Rechtsfälle – wie möglicher Verletzungen von US-Sanktionen sowie angeblicher Devisenmanipulationen – könnten in den kommenden Monaten folgen. Nach mehreren verschenkten Jahren macht die Deutsche Bank damit endlich Ernst mit der Bereinigung ihrer strategischen und rechtlichen Altlasten. Das ist die Chance für einen wahren Neuanfang.

Modelle für die Zukunft der Deutschen Bank

Modell 1

Weiter so wie bisher mit allen Produkten für alle Kunden. Vollintegration der Postbank in den Konzern. Wahrscheinlichkeit: sehr gering.

Modell 2

Verkauf oder IPO der Postbank und des BHW-Bauspargeschäfts. Die für den Verschuldungsgrad relevante Bilanzsumme würde im Investmentbanking um 195 Milliarden und im Retailbereich um 140 Milliarden Euro sinken. Wahrscheinlichkeit: mittel bis hoch.

Modelle 3 und 4

Fokus auf Kunden bzw. Länder. Optionen mit vielen Nachteilen. Wahrscheinlichkeit: null.

Modell 5

Abgespalten wird das inländische und europäische Privatkundengeschäft, inklusive der Postbank (400 Milliarden Bilanzsumme). Die neue Deutsche Bank ist dann eine Unternehmerbank mit Investmentbanking, Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung. Die Bilanzsumme sinkt um 50 bis 100 Milliarden auf rund eine Billion Euro. Wahrscheinlichkeit: hoch.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Michael Müller

10.04.2015, 10:42 Uhr

Wer, und vor allem mit welcher Legitimation (!) verurteilt und legt das Strafmaß fest?

Wer bekommt die nicht unerheblichen Strafzahlungen?

Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Die Strafen für den Auslöser der weltweiten Finanzkrise, als die USA ihre Immobilien verbrieften und in der ganzen Welt verkauften, so dass die USA Ihre Immobilien international finanzierten, die US-Bürger ihre Immobilien hatten und der Rest der Welt dafür bezahlte (!), kamen dagegen mit sehr bescheidenen Strafen davon!

Kann es sein, dass die internationale Konkurrenz der US-Banken mit extremen Strafen geschwächt werden sollen?

Herr peter Spirat

10.04.2015, 10:56 Uhr

Kann es sein, dass die internationale Konkurrenz der US-Banken mit extremen Strafen geschwächt werden sollen?
-----------------------------------------------

Yapp, das ist die generelle Absicht der USA

So war es und so wird es auch weiterhin sein. Darum sagte mal ein Chefanalyst einer dt. Landesbank: "

Alles was aus den USA kommt, ist schlecht,
bis auf Coca Cola
allerdings hört man in letzter Zeit immer häufiger, dass sogar Coca Cola sehr ungesund sein sollte".

Herr Lui Kators

10.04.2015, 10:58 Uhr

@M. Müller: Genau das sind die richtigen Fragen! Weshalb kassieren immer nur die größten Gangster, die USA, Strafgelder, obwohl ihre Finanz-Aristokraten es waren, die der Restwelt mit ihrem manipulierten Insider-Finanzbetrugssystem Billionenverluste bescherten? Pennt die europäische Justiz ständig oder ist die angelsächsische Hochfinanz-Lobby so einflussreich, dass sie ihre kriminellen Akteure vor jeder Verurteilung und Strafe schützen kann? Wann endlich kassiert Europa von den Cowboys für deren Billionen-Betrügereien???

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×