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09.10.2015

12:25 Uhr

Libor-Skandal

Ex-Deutschbanker bekennt sich schuldig

Ein ehemaliger Händler der Deutschen Bank hat sich vor einem New Yorker Gericht für schuldig bekannt, bei Versuchen, den Referenzzinssatz Libor zu manipulieren, mitgemacht hat. Das Strafmaß wird erst 2016 bekannt.

Ein Ex-Deutschbanker bekennt sich in New York schuldig. dpa

Libor-Skandal

Ein Ex-Deutschbanker bekennt sich in New York schuldig.

LondonDas Eingeständnis war kurz und knapp: Auf schuldig hat ein ehemaliger Händler der Deutschen Bank plädiert. Er räumte damit am Donnerstag vor einem New Yorker Gericht ein, dass er bei Versuchen, den Referenzzinssatz Libor zu manipulieren, mitgemacht hat. Das Urteil über das Strafmaß wird voraussichtlich im Januar nächsten Jahres fallen.

Der Mann ist der erste Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank, der in der Libor-Affäre verklagt wird. Insgesamt drohen im Zuge des Skandals etwa 20 ehemaligen Händlern juristische Konsequenzen. Tom Hayes, der einst für die UBS und Citigroup gearbeitet hat, wurde bereits im August wegen Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Derzeit stehen sechs seiner mutmaßlichen Komplizen vor einem Londoner Gericht. Sie haben für Brokerfirmen wie Icap gearbeitet. Nach Ansicht der Ermittler haben sie durch ihre Kontakte zu verschiedenen Geldhäusern im wesentlichen Maße dazu beigetragen, dass sich die versuchten Libor-Tricksereien von Hayes zu einer Manipulation im größeren Stil entwickeln konnten.

Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind

16 Großbanken beteiligt

Die Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat die Ermittler in Europa, Japan und den USA auf den Plan gerufen. Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei. Im Folgenden einige Informationen zu diesen Instituten (in alphabetischer Reihenfolge):

Bank of America

Das US-Institut ist von den Ermittlungen betroffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren hatte. In ihrem Geschäftsbericht 2011 hat sich die Bank zur Sache aber nicht geäußert. Wegen Libor wurde die Bank vom Brokerhaus Charles Schwab verklagt.

Barclays

Die britische Großbank hat ein Fehlverhalten einiger Händler beim Libor eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Führungsspitze muss gehen. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

BTMU

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass die Schweizer Behörden unter anderem gegen das japanische Geldhaus Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen ermitteln. Die Bank machte dazu in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben. Zwei in London ansässige Händler wurden wegen Manipulationsvorwürfen beurlaubt - nach offiziellen Angaben hatte das aber nichts mit ihrer Arbeit bei BTMU zu tun.

Citigroup

Die US-Bank hat eingeräumt, dass Töchter von den Ermittlungen betroffen sind und ihre Kooperation bei der Aushändigung von Informationen angekündigt. In den USA ist die Bank auch von Libor-Klagen betroffen. In Japan wurde einigen Citi-Mitarbeitern auch die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Tibor vorgeworfen.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank wird von den heimischen Behörden durchleuchtet. Sie werfen dem Institut als einem von insgesamt zwölf Häusern vor, Libor und Tibor manipuliert zu haben sowie damit zusammenhängende Derivate. Die Bank hat ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.

Deutsche Bank

Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.

HBOS

Die inzwischen zu Lloyds gehörende Bank taucht ebenfalls in Klageschriften in den USA auf. Im Geschäftsbericht 2011 teilte HBOS mit, die Auswirkungen und das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse seien nicht abzuschätzen. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

HSBC

Die Bank hat erklärt, die Aufseher hätten sie um Informationen im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen gebeten und man kooperiere. In den USA tauchte die HSBC auch in Klageschriften im Zusammenhang mit Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 hieß es, das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse sei nicht abzuschätzen.

JP Morgan

Die Bank hat erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zum Thema Libor, Euribor und Tibor zusammen, das betreffe vor allem die Zeiträume 2007 und 2008. Die Bank taucht auch als Beschuldigte in US-Klagen auf.

Lloyds

Auch Lloyds hat eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern zugesagt und taucht in US-Klagen zu Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 erklärte die Bank wie die anderen Institute, der Ausgang der Ermittlungen sei offen.

Norinchuckin

Die japanische Bank hat die Libor-Ermittlungen in ihrem Geschäftsbericht 2011 nicht erwähnt. Im April 2011 war das Institut eines von zwölf, die vom Vermögensverwalter FTC Capital wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen verklagt worden waren.

Rabobank

Das niederländische Geldhaus, ebenfalls in einigen US-Klagen beschuldigt, arbeitet nach eigenem Bekunden mit den Ermittlern bei Libor zusammen. Die Bank hat erklärt, sie halte die Klagen für unbegründet und werde sich gegen die Vorwürfe entsprechend verteidigen.

RBC

Kanadas größte Bank machte in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben dazu, ob sie von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Zinsmanipulationen betroffen ist.

Royal Bank of Scotland

Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hatte erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Mehreren Mitarbeitern wurde Fehlverhalten vorgeworfen. Das Institut zahlt eine Strafe in Höhe von 615 Millionen Dollar an britische und US-Behörden.

UBS

Die Schweizer Bank hoffte als Kronzeuge bei den Libor-Ermittlungen darauf, dass die Behörden etwa in den USA und der Schweiz Milde walten lassen. Doch die Strafe fiel hoch aus: 1,16 Milliarden Euro zahlt die Bank wegen des Libor-Skandals.

WestLB

Aus Finanzkreisen wurde bereits im März vergangenen Jahres bekannt, dass die WestLB zu den untersuchten Instituten zählt. In ihrem Geschäftsbericht 2011 ging die Bank auf die Libor-Ermittlungen nicht ein. Allerdings zog sich das Haus schon im Juli 2011 aus dem Kreise jener Banken zurück, die den Dollar-Libor festsetzen. Die Landesbank ist inzwischen aufgelöst und kam damit den EU-Auflagen nach.

Die einstigen Broker hätten Hayes sehr bereitwillig und begeistert bei seinem dubiosen Vorgehen unterstützt, sagte Staatsanwalt Mukul Chawla diese Woche vor Gericht. Sie seien dafür mit Provisionszahlungen und auch anderen Prämien belohnt worden. Einer vor ihnen habe sogar ganz bewusst vorzugsweise Nachtschichten in London übernommen, um mit Hayes zu kooperieren, der zu der Zeit in Tokio gearbeitet hatte.

Die sechs Ex-Broker, der derzeit in London vor Gericht stehen, plädieren auf unschuldig. Sie werden ihre Sicht der Dinge voraussichtlich erst ab Mitte November der Jury vortragen. Mit einem Urteil wird Anfang nächsten Jahres gerechnet.

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Der Libor-Skandal hat die Bankbranche bisher etwa neun Milliarden Dollar an Strafen gekostet. Die Deutsche Bank hat sich im Frühjahr bei ihrem Libor-Vergleich mit Aufsichtsbehörden in den USA und in Großbritannien auf ein Bußgeld in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar geeinigt.

Am Libor hängen weltweit Finanzprodukte im Wert von mehr als 350 Billionen Dollar. Es ist der Zinssatz, zu dem sich Großbanken gegenseitig Geld leihen. Lange Zeit hat der britische Bankenlobbyverband BBA den Libor auf Basis von Banken-Schätzungen festgelegt. Nach dem Skandal hat der Börsenbetreiber ICE das Verfahren übernommen und Reformen angekündigt. Statt auf Schätzungen soll der Richtwert künftig stärker auf tatsächlichen Transaktionen basieren.

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