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20.06.2013

13:23 Uhr

Libor-Skandal landet vor Gericht

Rüffel für „Rain Man“ der UBS

VonKatharina Slodczyk

Erstmals erscheint einer der Händler vor einem britischen Gericht, der den Leitzinssatz Libor manipuliert haben soll. Der als sonderlich geltende Ex-UBS-Banker kassiert gleich zu Prozessbeginn eine Rüge vom Richter.

Die Schweizer Großbank UBS ringt mit zahlreichen Affären. AFP

Die Schweizer Großbank UBS ringt mit zahlreichen Affären.

LondonDie Anhörung dauerte gerade mal fünf Minuten, da handelte sich Tom Hayes bereits einen unmissverständlichen Rüffel des Richters ein: „Nehmen Sie die Hände aus den Hosentaschen“, herrschte dieser den Angeklagten an. Schlaksig und ungelenk stand der 33-Jährige von da an hinter der Glasscheibe, die ihm vom Rest der Anwesenden im Gerichtsaal trennte, und hörte sich den Vortrag des Richters an.

Den Spitznamen Rain Man haben ihm Kollegen verpasst – in Anspielung auf den gleichnamigen Kinofilm mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Darin spielt Hoffman einen Autisten, hochintelligent, aber im Umgang mit anderen Menschen sonderbar.

Diese Eigenschaften werden auch Tom Hayes zugeschrieben. Der ehemalige Händler, der bei der UBS und der Citigroup gearbeitet hat, gilt als eine der zentralen Figuren im Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor, an dem Finanzprodukte im Wert von mehr als 350 Billionen Dollar hängen. Anfang dieser Woche hat die britische Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) eine Anklage gegen Hayes angekündigt. Am Donnerstagvormittag musste er vor einem Londoner Gericht erscheinen.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Der Richter las ihm insgesamt acht Anklagepunkte vor. Demnach soll er gemeinsam mit Kollegen anderer Banken wie Royal Bank of Scotland (RBS), Deutsche Bank und Citigroup und mit Mitarbeitern von Brokern wie Tullett Prebon und RP Martin zwischen 2006 und 2010 zusammengewirkt haben, um den Liborsatz zu verfälschen. Er soll sich so höhere Gewinne in seinem Portfolio verschafft haben.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatten ihn britische Ermittler festgenommen und später auf Kaution wieder freigelassen. Er ist der erste in der Libor-Affäre, den britische Behörden anklagen. US-Ermittler haben sich dazu bereits Ende vergangenen Jahres entschieden. Hayes und einem ehemaligen Kollegen wird dort ebenfalls Betrug vorgeworfen.

Am Donnerstag hat sich Hayes in London zu den Vorwürfen nicht geäußert. In einem dunkelblauen Hemd und eine hellen Hose stand er vor dem Richter und machte lediglich Angaben zu seiner Person – leise und nuschelnd. Am Ende musste er noch bestätigen, die Anklagepunkte erfasst zu haben, nachdem der Richter gleich mehrmals nachfragte: „Haben Sie das verstanden?“ Zu ungerührt und eher nicht bei der Sache war ihm Hayes offenbar erschienen. Das Verfahren wird am 4. Juli vor einem anderen Londoner Gericht fortgesetzt. Bis dahin ist Hayes auf Kaution frei und darf Großbritannien nicht verlassen.

Vor seinem Gerichtsauftritt hat der Brite die Vorwürfe gegen ihn lediglich in einer Kurznachricht per Mobiltelefon an einen Redakteur der US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ kommentiert. Darin deutete er, dass mehr Mitarbeiter und vor allem höherrangige Manager in die Affäre verstrickt seien. „Das geht noch weit, weit über mich hinaus“, schrieb er.

Kommentare (12)

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hackespitze123

20.06.2013, 14:18 Uhr

Liebes HB, achten Sie bitte auf die richtige Ausdrucksweise. Ganz besonders in einer Überschrift ist ein Fehler wie "Rüffel für "Rain Man" von der UBS" ein schlimmer Fauxpas! Richtig heißt es "Rüffel (für den "Rain Man" der UBS".
Schade, daß eine der führenden Wirtchaftszeitungen in D der deutschen Sprache offensichtlich nicht mächtig ist.

Rechner

20.06.2013, 14:31 Uhr

Handelsblatt berichtet
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Die Anhörung dauerte gerade mal fünf Minuten, da handelte sich Tom Hayes bereits einen unmissverständlichen Rüffel des Richters ein: „Nehmen Sie die Hände aus den Hosentaschen“, herrschte dieser den Angeklagten an.
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Unverschämtheit und Dummheit gibt es nicht nur bei deutschen Richtern.

Account gelöscht!

20.06.2013, 16:07 Uhr

Er soll daher von ihnen umgarnt worden sein – unter anderem mit Einladungen zu exquisiten Abendessen, die er aber stets abgelehnte.

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