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19.12.2012

12:24 Uhr

Libor-Skandal

UBS muss 1,16 Milliarden Euro Strafe zahlen

Die Schweizer Großbank UBS zahlt 1,16 Milliarden Euro Strafe wegen des Libor-Zinsskandals. UBS-Chef Ermotti spricht von „unakzeptablen Verhalten bestimmter Mitarbeiter“. Für das laufende Quartal heißt das nichts Gutes.

Schweizer Großbank im Zwielicht: Die UBS muss eine Milliardenstrafe für ihre Verfehlungen im Libor-Skandal zahlen. Reuters

Schweizer Großbank im Zwielicht: Die UBS muss eine Milliardenstrafe für ihre Verfehlungen im Libor-Skandal zahlen.

Die Verstrickung in den Libor-Skandal kommt die Schweizer Großbank UBS teuer zu stehen. Die größte Schweizer Bank zahlt eine Geldstrafe von etwa 1,4 Milliarden Schweizer Franken (1,16 Milliarden Euro) und wird deshalb im vierten Quartal einen Verlust von zwei bis 2,5 Milliarden Franken (1,7 bis 2,1 Milliarden Euro) schreiben, wie UBS am Mittwoch mitteilte. Die Strafe ist Bestandteil einer Einigung, die die Bank mit den Aufsichtsbehörden der USA, Großbritanniens und der Schweiz erzielte. UBS Japan wird sich den Angaben zufolge in einem Punkt schuldig bekennen, den Zinssatz Libor manipuliert zu haben. Damit werden deren Ermittlungen gegen die Bank im Zuge des Libor-Skandals eingestellt.

Bereits Tage zuvor kursierten Größenordnungen in Milliardenhöhe. Zuletzt war von Strafzahlungen von 1,6 Milliarden Euro die Rede.

Dutzende von Händlern und Mitarbeitern der Bank waren nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden in die Manipulationen des Referenzzinses verwickelt. Sogar Schmiergeld wurde gezahlt, wie es im am Mittwoch veröffentlichten Untersuchungsbericht der britischen Aufsichtsbehörde FSA hieß. UBS habe in "schwerer Weise gegen Schweizerische Finanzmarktgesetze verstoßen", urteilte die Schweizer Bankenaufsicht FINMA, die die Libor-Aktivitäten der Bank von 2006 bis 2010 untersuchte. Das Kontrollsystem der Bank habe erhebliche Mängel aufgewiesen.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Auch bei der UBS fand die Schweizer Aufsicht keine Hinweise, dass das damalige Top-Management Kenntnisse davon hatte, was an der Libor-Front lief.

Die UBS-Zinshändler gingen offenkundig ohne Unrechtsbewusstsein zu Werke, wie von der FINMA und der FSA veröffentlichte Unterlagen zeigen. In mehr als 1100 E-Mails forderten Händler die für die Libor-Eingaben verantwortlichen UBS-Mitarbeiter zur Nennung höherer oder tieferer Werte auf. So fragte etwa ein Händler einen Libor-Eingeber, ob der Yen-Einmonats-Libor nicht tiefer angegeben werden könne, weil das günstig für seine Handelsposition wäre. "Klar, kein Problem", schrieb diese Person zurück. Der Händler bedankte sich und erklärte, er werde seine Position dann am Freitag darauf schließen können. Den Händlern ging es nach FINMA-Angaben um "beträchtliche Eigeninteressen".

Finanzskandale: Wohin die Strafen der Banken fließen

Finanzskandale

Wohin die Strafen fließen

Wer kassiert am Ende die hohen Bußgelder, die Banken zuletzt zahlen mussten?

UBS-Chef Sergio Ermotti sagte: "Während der Ermittlungen haben wir von einem Verhalten bestimmter Mitarbeiter erfahren, das nicht akzeptabel ist." Deren Fehlverhalten repräsentiere nicht die ethischen Standards der anderen Mitarbeiter. "Wir bereuen dieses unangemessene und unethische Verhalten sehr."

Kommentare (3)

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Lachnummer

19.12.2012, 07:57 Uhr

... ist doch nur Steuerzahlergeld - Bank ist doch Systemrelevant.

hahamack

19.12.2012, 09:12 Uhr

Warum werden eigentlich Strafzahlungen nicht auch an deutsche, französische, niederländische..... Behörden geleistet, sondern immer nur an englische und amerikanische ? Betrogen wurde doch schließlich die ganze Welt !

Fragezeichen

19.12.2012, 11:39 Uhr

@hahamack sehr berechtigte Frage! Allerdings sind die Strafen welche die Bafin verhängen kann soviel ich weiss sehr klein. Aber Preisabsprachen sind ein Fall für die Kartellbehörden und die könnten sehr hohe Strafen verhängen. Aber dank unserer neo liberalen Regierung scheint die Finanzbranche bei uns und in der EU unter Naturschutz zu stehen. Abteilung für aussterbende Arten, weil zur Rettung ist man ja jederzeit und mit jeder Summe bereit.

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