Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.12.2012

12:51 Uhr

Libor-Skandal

UBS will Streit für 450 Millionen Dollar beilegen

Die Schweizer Großbank UBS will den Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes hinter sich lassen. Das Unternehmen ist laut einem Medienbericht bereit, 450 Millionen Dollar zu zahlen, um den Streit beizulegen.

Die UBS in Zürich: Der Schweizer Großbank und anderen Instituten werden Manipulationen am Referenzzinssatz Libor vorgeworfen. dpa

Die UBS in Zürich: Der Schweizer Großbank und anderen Instituten werden Manipulationen am Referenzzinssatz Libor vorgeworfen.

BangaloreBei der Aufarbeitung des Libor-Skandals steht die Schweizer Großbank UBS einem Zeitungsbericht zufolge kurz vor einer Einigung mit den Behörden in Großbritannien und den USA. Das Institut werde mehr als 450 Millionen Dollar zahlen, um den Streit um die Manipulation des Londoner Referenzzinssatzes beizulegen, berichtete die „New York Times“ am Montag unter Berufung auf Kenner der Vorgänge. Eine UBS-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Sie bestätigte aber, dass die Bank im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen mit britischen und amerikanischen Behörden verhandelt.

Die Schweizer Großbank hat im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Zinsmanipulationen bei Yen und Franken frühzeitig auf die Kooperation mit den Behörden gesetzt. In einigen Fällen bekam sie „bedingte Immunität“ und „bedingte Milde“ zugesichert, wie dem Geschäftsbericht der Bank zu entnehmen ist.

Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind

16 Großbanken beteiligt

Die Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat die Ermittler in Europa, Japan und den USA auf den Plan gerufen. Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei. Im Folgenden einige Informationen zu diesen Instituten (in alphabetischer Reihenfolge):

Bank of America

Das US-Institut ist von den Ermittlungen betroffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren hatte. In ihrem Geschäftsbericht 2011 hat sich die Bank zur Sache aber nicht geäußert. Wegen Libor wurde die Bank vom Brokerhaus Charles Schwab verklagt.

Barclays

Die britische Großbank hat ein Fehlverhalten einiger Händler beim Libor eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Führungsspitze muss gehen. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

BTMU

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass die Schweizer Behörden unter anderem gegen das japanische Geldhaus Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen ermitteln. Die Bank machte dazu in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben. Zwei in London ansässige Händler wurden wegen Manipulationsvorwürfen beurlaubt - nach offiziellen Angaben hatte das aber nichts mit ihrer Arbeit bei BTMU zu tun.

Citigroup

Die US-Bank hat eingeräumt, dass Töchter von den Ermittlungen betroffen sind und ihre Kooperation bei der Aushändigung von Informationen angekündigt. In den USA ist die Bank auch von Libor-Klagen betroffen. In Japan wurde einigen Citi-Mitarbeitern auch die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Tibor vorgeworfen.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank wird von den heimischen Behörden durchleuchtet. Sie werfen dem Institut als einem von insgesamt zwölf Häusern vor, Libor und Tibor manipuliert zu haben sowie damit zusammenhängende Derivate. Die Bank hat ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.

Deutsche Bank

Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.

HBOS

Die inzwischen zu Lloyds gehörende Bank taucht ebenfalls in Klageschriften in den USA auf. Im Geschäftsbericht 2011 teilte HBOS mit, die Auswirkungen und das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse seien nicht abzuschätzen. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

HSBC

Die Bank hat erklärt, die Aufseher hätten sie um Informationen im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen gebeten und man kooperiere. In den USA tauchte die HSBC auch in Klageschriften im Zusammenhang mit Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 hieß es, das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse sei nicht abzuschätzen.

JP Morgan

Die Bank hat erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zum Thema Libor, Euribor und Tibor zusammen, das betreffe vor allem die Zeiträume 2007 und 2008. Die Bank taucht auch als Beschuldigte in US-Klagen auf.

Lloyds

Auch Lloyds hat eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern zugesagt und taucht in US-Klagen zu Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 erklärte die Bank wie die anderen Institute, der Ausgang der Ermittlungen sei offen.

Norinchuckin

Die japanische Bank hat die Libor-Ermittlungen in ihrem Geschäftsbericht 2011 nicht erwähnt. Im April 2011 war das Institut eines von zwölf, die vom Vermögensverwalter FTC Capital wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen verklagt worden waren.

Rabobank

Das niederländische Geldhaus, ebenfalls in einigen US-Klagen beschuldigt, arbeitet nach eigenem Bekunden mit den Ermittlern bei Libor zusammen. Die Bank hat erklärt, sie halte die Klagen für unbegründet und werde sich gegen die Vorwürfe entsprechend verteidigen.

RBC

Kanadas größte Bank machte in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben dazu, ob sie von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Zinsmanipulationen betroffen ist.

Royal Bank of Scotland

Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hatte erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Mehreren Mitarbeitern wurde Fehlverhalten vorgeworfen. Das Institut zahlt eine Strafe in Höhe von 615 Millionen Dollar an britische und US-Behörden.

UBS

Die Schweizer Bank hoffte als Kronzeuge bei den Libor-Ermittlungen darauf, dass die Behörden etwa in den USA und der Schweiz Milde walten lassen. Doch die Strafe fiel hoch aus: 1,16 Milliarden Euro zahlt die Bank wegen des Libor-Skandals.

WestLB

Aus Finanzkreisen wurde bereits im März vergangenen Jahres bekannt, dass die WestLB zu den untersuchten Instituten zählt. In ihrem Geschäftsbericht 2011 ging die Bank auf die Libor-Ermittlungen nicht ein. Allerdings zog sich das Haus schon im Juli 2011 aus dem Kreise jener Banken zurück, die den Dollar-Libor festsetzen. Die Landesbank ist inzwischen aufgelöst und kam damit den EU-Auflagen nach.

Die britische Bank Barclays war im Juni zu einer Strafe von 453 Millionen Dollar verdonnert worden, weil die Behörden es als erwiesen ansahen, dass das Institut Marktzinsen manipuliert hatte. Einige Spitzenmanager mussten gehen. Unter Druck kam auch Deutsche Bank. Dort läuft eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin. Credit Suisse rechnet nach früheren Angaben nicht mit materiellen Auswirkungen des Skandals für die Bank.

Die Schweizer Finanzmarkt-Aufsicht Finma wollte den Zeitungsbericht aus den USA am Montag nicht kommentieren. Sie arbeite weiter an der Aufklärung des Sachverhalts und stehe in Kontakt mit anderen Behörden, sagte ein Sprecher. Die Schweizer Wettbewerbsbehörde Weko führte ihre Untersuchung fort, erklärte ein Sprecher. Sie ermittelt gegen insgesamt zwölf Schweizer und ausländische Banken wegen Zinsmanipulation.

Im Sommer wies UBS-Konzernchef Sergio Ermotti Berichte zurück, lautet denen die Bank im Zentrum des Skandals steht. Hinweise, dass UBS-Händler an Libor-Manipulationen in anderen Währungen als Yen und Franken beteiligt seien, habe die Bank bei ihren internen Untersuchungen nicht gefunden, sagte er damals.

Den von den Untersuchungen betroffenen Banken wird vorgeworfen, den Referenzzinssatz Libor zu ihrem Gunsten manipuliert haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Skandal könnte für die betroffenen Banken teuer werden. Morgan Stanley schätzt, dass auf die international insgesamt elf betroffenen Geldhäuser bis 2014 Schadenersatzforderungen und Bussen im Gesamtvolumen von 14 Milliarden Dollar zukommen könnten.

Die UBS-Aktie legte ebenso wir die Titel von Credit Suisse an der festeren Börse leicht zu.

Von

rtr

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

flyingfridge

03.12.2012, 08:23 Uhr

Bei uns in old Europe wäre es nicht vorstellbar, Banken mit solchen Strafen zu belasten. Schließlich sind die systemrelevant und müssen geschont werden.

Mazi

03.12.2012, 09:18 Uhr

An wen will die UBS zahlen?

Was ist mit den Geschädigten auch hier bei uns?

scharfschuetze

03.12.2012, 09:40 Uhr

Tja, und davon lebt das US-System, auf Kosten anderer.
Schwupps, wird wieder mal ein (ausländisches) Unternehmen verklagt, und schon klingelts in der Staatskasse.
Aber immer noch besser, als wenn sie wieder Panzer und Jagdbomber schicken. Das kommt erst wenn keiner mehr zahlt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×