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03.06.2015

17:23 Uhr

Libor-Skandalbanker Hayes

„Das geht weit über mich hinaus“

Der Ex-Händler Tom Hayes steht vor Gericht, weil er den Libor-Zinssatz manipuliert haben soll. Er behauptet, seine Vorgesetzten hätten das mitbekommen – auch Carsten Kengeter, aktueller Vorstandschef der Deutschen Börse.

„Die Beweise sind erdrückend.“ Reuters

Früherer Trader Thomas Hayes

„Die Beweise sind erdrückend.“

LondonEs soll bei einem Treffen leitender UBS-Banker in Tokio passiert sein. Recht offen soll dort auch über ein äußerst heikles Thema gesprochen worden sein: die versuchte Manipulation des Referenzzinssatzes Libor. Auch der damalige Co-Chef der UBS-Investmentbanksparte Carsten Kengeter, der heute an der Spitze der Deutschen Börse steht, war angeblich bei diesem Treffen dabei. Das ist am Mittwoch beim Gerichtsprozess gegen Tom Hayes bekannt geworden, der als eine der zentralen Figur im Libor-Skandal gilt. Die Deutsche Börse wollte sich zu dem Vorgang zunächst nicht äußern.

Hayes hat den Ermittlern der britischen Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) nach seiner Verhaftung im Jahr 2012 von dem angeblichen Treffen in Tokio berichtet. Am Mittwoch trug die Anklage diese Aussagen vor. Demnach soll Hayes damals auch gesagt haben: „Das Ganze war so offenkundig.“ Man habe damals so offen über die Manipulation des Libor gesprochen, da habe keiner unwissend sein können.

Dem einstigen Star-Händler, der für die UBS und später für Citi gearbeitet hat, wird Betrug in acht Fällen vorgeworfen. Er plädiert auf unschuldig und hat bereits vor dem Prozess die Verantwortung für die Tricksereien auf seine Vorgesetzten geschoben: „Das geht weit über mich hinaus“, schrieb er in einer Handy-Nachricht an einen Journalisten.

Hohe Geldbußen gegen Banken – eine Auswahl

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: April 2015)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Anfang April 2015 berichteten zunächst US-Medien, dass der Deutschen Bank im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Dollar droht. Unter anderem erkenne eine Bank-Tochter in Großbritannien ihre Schuld an. Schließlich landete die Summe bei 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro).

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar
Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Hayes soll der Anklageschrift zwischen 2006 und 2010 gleich mit einer ganzen Reihe von Händlern verschiedener Banken wie der Deutschen Bank, JP Morgan und der Royal Bank of Scotland zusammengearbeitet haben, um den Zinssatz in eine ihnen genehme Richtung zu verzerren. Der inzwischen 35-Jährige hat sich vor allem in seiner Zeit bei der UBS einen Ruf als sehr talentierter und aggressiver Händler aufgebaut. Die Citigroup soll ihn daher 2009 abgeworben haben. Doch Hayes verließ die Bank bereits nach weniger als einem Jahr.

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Auch andere Geldhäuser wie die Deutsche Bank und Bank of America haben offenbar versucht, Hayes einzustellen, wie Anfang der Woche in dem Gerichtsprozess bekannt wurde. Die Deutsche Bank habe sich aber dagegen entschieden, als sie mitbekam, dass Hayes seinen Job bei der Citigroup wegen Libor-Tricksereien verloren hatte.

Kommentare (3)

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Horst Warresz

03.06.2015, 19:27 Uhr

das ist so als ob ein Drogen- oder Mafiaboss behaupten würde, dass er vom morden seiner Leute nichts wüsste...nur auf Banken bezogen. Da wussten die Manager und Vorstände überhaupt nicht wie Sie an Ihre Boni kamen...das ist doch alles nur lächerlich.

Herr Manfred Zimmer

04.06.2015, 12:02 Uhr

Das sehe ich ebenso wie der Beschuldigte und der Nachweis kann m.E. sogar geführt werden.

Nach meinen Informationen haben seine Vorgesetzten auch Boni aus seinen manipulierten Erträgen erhalten und keiner seiner Vorgesetzten hat die Boni verweigert.

Natürlich wird der Beschuldigte damit nicht zum Engel, aber auch seine Vorgesetzten bis zur staatlichen Bankenaufsicht, deren alleiniger Job es war die Bank zu überwachen, gehören auf die Anklagebank. Dann hört es auf, dass Posten mit hochbezahlten, unfähigen Leuten besetzt werden.

Der Fall ist geeignet ein Exempel zu statuieren. Der ausmachende Betrag rechtfertigt es ohnehin.

Aber, wollen wir wetten, dass es gelingt, ein Bauernopfer zu schlachten? Von einer "ordentlichen" Gerichtsbarkeit sind wir dort wie auch in Deutschland weit entfernt. In Deutschland gilt vielmehr der Spruch der "Unabhängigkeit der Justiz", was schlicht die Umschreibung der "staatlichen Willkür" ist.

Sie sollten darauf achten und nachfragen, wenn Politiker auf diese scheinbar "Unabhängige Justiz" verweisen. Dann riecht es nicht nur, dann stinkt's gewaltig.

Herr Manfred Zimmer

04.06.2015, 12:30 Uhr

Es mag wohl keiner der Vorgesetzten etwa behaupten wollen, dass er Boni für etwas erhält, das er nicht zu verantworten hat.

Also, um die Schuldfrage zu klären, hat sich das Gericht die Boniverteilung und Boniberechtigung der Bank zu Rate zu ziehen.

Was die Aufsichtsbehörden angeht, könnte ich mir vorstellen, dass man da die jeweiligen Präsidenten dieser Aufsichtsbehörden auf die Anklagebank setzt und zur Rechenschaft zieht.

Für Deutschland bedeutet dies die Frau König, ehemalige Präsidentin der BAFin, wenn es keine Beanstandungen gibt, die vor ihrer Zeit zu verantworten waren.

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