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30.10.2013

08:56 Uhr

Libor-Strafen

Die Chats, die Millionen kosten

VonMartin Dowideit

Mehr als eine Milliarde Dollar Strafe zahlt die niederländische Rabobank wegen der Manipulation wichtiger Zinssätze. Die Aufsichtsbehörden haben Chat-Protokolle der Banker veröffentlicht, die an den Kursen gedreht haben.

Rabobank im niederländischen Utrecht: Etliche Händler manipulierten fleißig Zinssätze zum Schaden der Bankkunden. picture alliance / dpa

Rabobank im niederländischen Utrecht: Etliche Händler manipulierten fleißig Zinssätze zum Schaden der Bankkunden.

DüsseldorfTäglich handeln Banken mit Wertpapieren mit einem Volumen von vielen Milliarden Dollar, die auf Interbankenzinssätzen (Libor, Euribor) beruhen. Doch seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts erkannten findige Händler: Weil die Banken selbst Daten für die Berechnung der Zinssätze liefern, können Sie Einfluss auf die Kurse nehmen manipulieren.

Viele Bankmitarbeiter haben so versucht, den Libor zu ihren Gunsten zu drehen. Die Handelsspanne zu manipulieren, das brachte auch höhere Boni für die Händler ein. Die Finanzaufseher in den USA haben elektronische Dialoge der Mitarbeiter in den Handelssälen ausgewertet, für die gestern die Rabobank zu einer heftigen Strafe verdonnert wurde.

18. Oktober 2010:

Yen-Händler (Führungskraft) an Yen-Händler (Führungskraft) an einen Händler #2, der die Yen-Libordaten der Rabobank übermittelte:
Warum hast du alle Yen Liborsätze höher eingestellt, ohne mir das zu sagen? Wo ist hier das Teamplay? Weiß du, was meine Position ist? Ich kann nicht glauben, dass du das gemacht hast, ohne mir Bescheid zu sagen. Wenn du sie höher einstellen musst aus irgendeinem Grund, hättest du wenigstens vorher Bescheid sagen können. Ich bin richtig gefi***.
[...]
Antwort des Yen-Händlers #2 in einem Chat-Raum:
Ich hab's verbockt. Du hattest [einem Kollegen] vergangene Woche neue Libors gegeben ... die Tabelle habe ich nicht gespeichert und heute meinen eigenen Computer für die Libors genutzt. Ich hab's verbockt, mein Fehler ... keine Absicht Kumpel ... Tut mir wirklich leid. ... Ich werde nie wieder den Libor ändern, ohne mit dir Rücksprache zu halten.
Yen-Händler (Führungskraft):
Ich war so überrascht als ich die Nummern von Rabo gesehen haben. Du kennst meine [Handels]position, also setzt die Libors höher.
Yen-Händler #2:
Ich verstehe.
[...]
Yen-Händler (Führungskraft):
[...] Ich habe mich bloß hintergangen gefühlt. Aber Vertrauen ist noch da. Danke und Entschuldigung. Du schuldest mir ein schönes Bier!
Yen-Händler #2:
Ein Bier? Wohl eher 564 Bier!

Kommentare (2)

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Realist1

30.10.2013, 11:10 Uhr

Und 3/4 dieser Strafe vereinnahmt die USA. Und was bekommen die wirklich Geschädigten???? Steuerlich wird die Strafe dann über Umwege in der RABO-Niederlassung Deutschland zu finden sein, zumindest in großen Teil. So geht Wirtschaft im Sinne der USA. Siehe auch die Strafzahlungen der HSBC und anderer Banken i. S. Geldwäsche. TOLL !!!!!

th235

30.10.2013, 12:08 Uhr

Death, dass ist doch die Krönung. Jeder kleine Ladendieb wird von der Staatsanwaltschaft verfolgt und was passiert mit den größten Gangstern in einer parlamentarischen Demokratie NICHTS !!!! Was wird von den kleinen Hartz IV - Beziehern verlangt, dass die sich "nackig Ausziehen" müssen und wegen Betruges angezeigt und verurteilt werden, bei den kleinen Summen !! Die Banker ziehen Millionen an Provisionen ein und gehen mit Handkuss auf die Seychellen.
Das ist doch ein parasitäres Konglomerat zwischen Banken und Abgeordneten einer parlamentarischen Demokratie. Die Staatsanwälte schreiten nicht ein. Das ist nicht mehr nachvollziehbar, grotesk und kriminell.

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