Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2011

10:33 Uhr

Libyen

Gewalt in Nordafrika lässt Banken kalt

Bislang lassen die Umbrüche in Nordafrika die Geldhäuser weltweit relativ kalt. Experten prognostizieren, dass langfristig sich den Banken, die der Region treu bleiben, neue Chancen bieten.

Demonstranten protestieren gegen das libysche System von Muammar Gaddafi. Quelle: Reuters

Demonstranten protestieren gegen das libysche System von Muammar Gaddafi.

Die Analyse, zu der sich immerhin ein Londoner Banker hinreißen lässt, geht so: Die Umwälzungen in Nordafrika erschüttern die politische Welt und den Ölmarkt, die Finanzinstitute schauen bisher aber nur zu. "Im Prinzip sieht die Lage im Nahen Osten ähnlich aus wie beim Kollaps des Ostblocks 1989", meint der Londoner Banker. Kurzfristig drohe nach den Aufständen nicht nur politisches, sondern auch wirtschaftliches Chaos.

Langfristig - und da ist der Londoner ganz der Investmentbanker - würden sich den Geldhäusern, die der Region die Treue halten, Chancen bieten. "Mit etwas Glück verläuft die Entwicklung wie in der Türkei mit einer funktionierenden Demokratie, einer gemäßigten islamistischen Partei und einer robusten Wirtschaft." Wenn allerdings nicht, dann entstehe ein großes Pakistan und die Unsicherheit könne auch die Banken belasten.

Geldhäuser üben sich in Optimismus Bislang hätten die Unruhen dem Geschäft nicht geschadet, sagt Stuart Gulliver, der Chef der britischen Großbank HSBC. Das Institut, das sein Geld vor allem in den Emerging Markets verdient, ist seit 50 Jahren im Nahen Osten vertreten und damit schon so etwas wie der Platzhirsch.

2010 verdiente die Bank in der Region 892 Millionen Dollar vor Steuern, was ungefähr fünf Prozent des gesamten Gewinns entspricht. Auch Gulliver mimt den Optimisten: Am Engagement in der Region gebe es keinen Zweifel, dazu seien die langfristigen Chancen einfach zu attraktiv. Peter Sands, Chef der britischen Großbank Standard Chartered, sorgt sich vor allem um Folgen der Krise, wie den schnell steigenden Ölpreis, der das weltweite Wachstum bremsen könnte. Ähnliche Töne kommen von der Deutschen Bank: Konzernchef Josef Ackermann bezeichnete das Engagement der Bank in den Unruhegebieten jüngst als "überschaubar".

Stärker als die Deutsche Bank sind französische Großbanken in Nordafrika vertreten. Der Société Générale gehört in Ägypten zum Beispiel die Tochter NSGB, die laut Bilanzunterlagen 4,3 Milliarden Euro Kredite ausstehen hat. Das Management der Société Générale zeigt sich dennoch nicht beunruhigt: "Wir stellen unser strategisches Engagement nicht infrage." Ähnliche Töne sind von BNP Paribas zu hören. "Im schlimmsten Fall müssen sie den Wert ihrer Beteiligungen in der Region auf null abschreiben", meint Pierre Flabbée vom Broker Kepler. "Das ist extrem unwahrscheinlich. Sollte es eintreten, würde es die Banken aber nicht aus der Bahn werfen."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×