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11.01.2011

15:34 Uhr

Liechtenstein

Gute Geschäfte für Fürst und Vaterland

VonOliver Stock

Der Skandal um die Daten deutscher Steuerflüchtlinge hat die liechtensteinische LGT Bank in Deutschland bekannt gemacht. Jetzt will sie mit dem Kauf der BHF-Bank wieder positive Schlagzeilen schreiben. Dabei geht es nicht nur um ein gutes Geschäft. Der Kauf soll auch die Reputation des Staates aufpolieren.

Zentrale der LGT Bank in Vaduz: Kein Stein bleibt auf dem anderen. Quelle: ap

Zentrale der LGT Bank in Vaduz: Kein Stein bleibt auf dem anderen.

VADUZ . Fürst Hans Adam II. steht über allem. Sein Schloss thront 200 Meter über den Dächern von Vaduz, die Kanonen sind aufs Tal gerichtet, als wollten sie die Untertanen mahnen, nicht über die Stränge zu schlagen. Sein Geschlecht herrscht über Liechtenstein, ernennt die Regierung, unterzeichnet die Gesetze. Sein Wort soll künftig auch in Deutschland mehr Gewicht bekommen.

Sein beträchtliches Vermögen verwaltet die LGT: die fürstliche Bank, an deren Spitze ein Stiftungsrat das Sagen hat, dessen Präsident der Bruder des Fürsten ist. Operativ leitet der zweitgeborene Sohn des Fürsten die Bank, sein Erstgeborener hat die operative Staatsführung übernommen. Die LGT schickt sich in diesen Tagen an, die BHF-Bank in Frankfurt zu übernehmen, die derzeit eher ungewollt zum Imperium der Deutschen Bank gehört. Es ist aus fürstlicher Sicht eine 1:1-Übernahme. Das heißt: Der Brocken, den sich die LGT einverleibt, ist etwa so groß wie sie selbst. Der Deal wird deswegen bei der LGT keinen Stein auf dem anderen lassen. Aber die Übernahme wird auch in Deutschland, wo Liechtenstein lange als Schwarzgeldtresor für Großverdiener galt, die Perspektiven verschieben.

Der dreistellige Millionendeal soll bis Ende März über die Bühne gehen

Weil Blut dick ist, hat auch der von der LGT verursachte Steuerskandal die engen Verwandten von Vaduz nicht auseinandersprengen können. Die spektakulären Daten der ersten, mit dem Wohlwollen des damaligen deutschen Finanzministers Peer Steinbrück angekauften Steuer-CD, stammten von einer Tochtergesellschaft der LGT, die beispielsweise den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel zu ihren Kunden zählte. Inzwischen ist die unbotmäßige Tochter verkauft und das von der Staatsanwaltschaft Bochum angestrengte Strafverfahren gegen eine saftige Geldbuße von 50 Millionen Euro vor vier Wochen eingestellt worden.

Vor drei Wochen dann versandten LGT und Deutsche Bank die gemeinsame Mitteilung, dass beide nun exklusiv über die BHF verhandelten. Wer Käufer und Verkäufer fragt, erhält die optimistische Zusicherung, dass der dreistellige Millionendeal bis Ende März über die Bühne gegangen sein wird. Dass das Verfahren gegen seine Bank nicht weiter verfolgt werde, sei für den Deal sicher „hilfreich“ gewesen, räumt Seine Durchlaucht Prinz Max von und zu Liechtenstein ein.

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