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17.04.2014

10:35 Uhr

Liechtensteins Bankenpräsident Real

„Jetzt die Zeit des Reinemachens“

VonOliver Stock, Lukas Bay

Liechtenstein will den Ruf als Steueroase ablegen. Im Interview sprich Adolf E. Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes, über die Stiftungen des Landes und den automatischen Austausch von Steuerdaten.

Für Adolf Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes, ist die Zeit des „Reinemachens“ gekommen. Frank Beer für Handelsblatt

Für Adolf Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes, ist die Zeit des „Reinemachens“ gekommen.

Wenn Liechtenstein in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen drängte, waren die Nachrichten selten gute. Im Jahr 2009 wurde der damalige Postchef Klaus Zumwinkel der Steuerhinterziehung überführt. Mit Stiftungen in Liechtenstein hatte er den Fiskus hintergangenen. Zuletzt erschütterte auch noch ein Mord an einem Bankchef das altehrwürdige Fürstentum. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht Adolf E. Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes, nicht über den Fall – er erklärt aber, wie das altehrwürdige Fürstentum sein Image als Steueroase loswerden möchte und warum der Kleinstaat auch in Krisenzeiten ein sicherer Hafen bleiben könne.

Lange hat sich Liechtenstein gegen den automatischen Austausch von Kontoinformationen mit den Steuerbehörden ausgesprochen. Nun wollen sie ihn doch umsetzen. Warum hat bei den Banken in Liechtenstein ein Sinneswandel eingesetzt?

Wir haben seit langem klar gesagt: Wir machen mit. Allerdings fordern wir gleich lange Spieße für alle. Beim OECD-Standard betreffend den automatischen Informationsaustausch ist das nun gegeben. Derzeit haben sich 44 Länder - darunter auch Liechtenstein - darauf verständigt, ab dem 1. Januar 2017 dieses System stufenweise einzuführen. Es ist davon auszugehen, dass die meisten anderen Finanzplätze, die bis jetzt noch nicht dabei sind, sich dieser Gruppe ebenfalls noch anschließen werden. Damit gibt es diesbezüglich keine Wettbewerbsverzerrung.

Sie arbeiten seit Jahrzehnten in der liechtensteinischen Finanzbranche. Hätten Sie gedacht, dass der Kampf gegen die Steuerhinterziehung eine solche Dynamik bekommt?

Wir wussten seit Ende der 80er-Jahre, dass die OECD die Bekämpfung der Steuerhinterziehung zum Thema macht. Und Liechtenstein stand auf der schwarzen Liste der Steueroasen. Wir wussten daher, was uns erwartet. Für uns war es einfach wichtig, dass in Bezug auf den Informationsaustausch in Steuersachen alle Finanzplätze gleich behandelt werden. Ansonsten hätte dies zu Verschiebungen von Kapital geführt: Geld ist scheu wie ein Reh. Ich erinnere an die Panama-Krise (1989), wo innerhalb kurzer Zeit Milliarden Dollar in andere Finanzplätze abgeflossen sind. Das wollten wir vermeiden. Mittlerweile ist klar, dass der automatische Informationsaustausch zum globalen Standard wird und sich dem auch niemand entziehen kann. Ein Verschieben der Gelder wäre unter den heutigen Umständen sehr kurzsichtig. Es ist spätestens jetzt die Zeit des „Reinemachens“.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Offen gelegt wurden die Steuerhinterziehungen der vergangenen Jahre aber vor allem, nachdem deutsche Behörden geklaute Datensätze von Steuersündern aufgekauft haben ...

… was wir nach wie vor für illegitim halten. Wir teilen diesbezüglich überhaupt nicht die Ansicht verschiedener Exponenten in Deutschland. Aber es ist richtig, dass die Datendiebstähle in der Schweiz und in Liechtenstein den Prozess insgesamt beschleunigt haben. Mit der Einführung des automatischen Informationsaustausches gehört der Ankauf von gestohlenen Daten dann hoffentlich der Geschichte an.

Was genau wird sich denn durch den automatischen Datenaustausch mit den Steuerbehörden verändern?

Bei der OECD werden gerade die technischen Grundlagen festgelegt, die bis Juni auf dem Tisch liegen sollen. Dort wird definiert, welche Daten in welcher Form geliefert werden müssen. Für den effektiven automatischen Austausch ist jeweils ein bilateraler Vertrag zwischen Liechtenstein und dem jeweiligen Land nötig. An Deutschland werden dann Daten von Personen herausgegeben, die in Deutschland wohnen und damit dort steuerpflichtig sind. Mit den USA ist das anders: Dort sind auch jene steuerpflichtig, die nicht in den USA wohnen, aber beispielsweise einen amerikanischen Pass oder eine Greencard besitzen.

Welche Daten müssen Sie an die Behörden liefern?

Neben den Namen den Kontostand, Zinsen, Dividenden und andere Erträgnisse.

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