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13.01.2017

15:49 Uhr

Lira-Verfall

Deutsche Bank wehrt sich gegen Vorwürfe aus der Türkei

VonOzan Demircan, Yasmin Osman

Auf der Suche nach Schuldigen für den Lira-Absturz hat eine türkische Zeitung schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank erhoben. Das Kreditinstitut hat den Bericht nun in scharfer Form zurückgewiesen.

In der Liste gefährdeter Währungen steht die Lira bei vielen Anlegern wieder an erster Stelle. dpa

Wechselstube in Istanbul

In der Liste gefährdeter Währungen steht die Lira bei vielen Anlegern wieder an erster Stelle.

Frankfurt/ZürichDie Überschrift ist unzweideutig: „Deutsche-Bank-Terror“, titelte die türkische Tageszeitung „Yeni Safak“ in ihrer Online-Ausgabe. Auf dem abgebildeten Foto ist eine türkische Wechselstube zu sehen, auf der die Kurse für Euro und Dollar abgebildet sind. Für einen Euro muss man demnach 4,05 Türkische Lira hinblättern. Damit ist die Lira 25 Prozent weniger wert als vor einem Jahr. Der Vorwurf der als regierungsnah geltenden Zeitung: Deutsche Banken, angeführt von Deutschlands größter Bank, sind am freien Fall der Lira schuld, die allein seit Jahresbeginn fast zehn Prozent verloren hat. Nun hat das Geldhaus die Anschuldigungen zurückgewiesen und sich auch gegen die kriegerische Überschrift verwahrt: „Den Namen unserer Bank mit Terrorismus in Verbindung zu bringen, ist inakzeptabel“, heißt es in einer ungewöhnlich ausführlichen Stellungnahme, die in der Türkei verbreitet wurde.

Auch inhaltlich wirft das Geldhaus der Zeitung vor, unwahre Behauptungen aufgestellt zu haben: Konkret ging es in dem Artikel um Fremdwährungskredite, die türkische Firmen zum Beispiel bei der Deutschen Bank aufnehmen, wenn sie Waren aus Deutschland importieren. Alleine aus der Bundesrepublik summieren sich die Importe in die Türkei auf rund 1,7 Milliarden US-Dollar pro Monat. Diese Kredite werden meistens in Euro oder – etwa bei US-Banken – in Dollar ausgestellt. Das heißt, das türkische Unternehmen muss diesen Kredit auch in der Fremdwährung tilgen.

Das größte deutsche Geldhaus steht in der Türkei in der Kritik. Screenshot

Deutsche Bank

Das größte deutsche Geldhaus steht in der Türkei in der Kritik.

„Yeni Safak“ zufolge hat die Deutsche Bank nun türkische Importeure gezwungen, Fremdwährungskredite früher zu begleichen als vereinbart. In so einem Szenario kann die Lira tatsächlich kräftig an Wert verlieren. Denn die Unternehmen müssen sich dann schnell mit Euro oder Dollar eindecken. Das würde die Nachfrage nach diesen Währungen erhöhen und die Nachfrage nach Lira schwächen.

Die Deutsche Bank hat sich nun in scharfer Form gegen den Bericht gewehrt: „Die Vorwürfe in einer türkischen Tageszeitung, wonach die Deutsche Bank Kredite in der Türkei zurückgefordert haben soll, entbehren jeglicher Grundlage“, teilte die Bank mit. Sie schrieb auch, dass die Zeitung ihren Bericht veröffentlichte, ohne der Bank zuvor die Gelegenheit für eine Stellungnahme zu den „unbegründeten Vorwürfen“ gegeben zu haben.

Belege für ihre These hatte die Zeitung, die in der Vergangenheit immer wieder unbewiesene Vorwürfe gegen die Deutsche Bank erhoben hatte, nicht geliefert. Dennoch löste der Bericht der viel gelesenen Zeitung in den sozialen Medien einen Proteststurm aus. Das dürfte die Bank auch zu ihrer offiziellen Reaktion motiviert haben. „Wir hoffen aufrichtig, dass falsche Anschuldigungen, wie die in dem Bericht erwähnten, keinen unnötigen Schaden anrichten“, hieß es in der Stellungnahme. Die Deutsche Bank werde weiter zur Entwicklung der türkischen Finanzmärkte beitragen.

Für den Verfall der Türkischen Lira gibt es auch mehr als einen plausiblen Grund. Die Türkei leidet seit Jahren unter einem Leistungsbilanzdefizit, sie importiert also mehr als sie exportiert. Das macht die Währung seit jeher verwundbar und abhängig von Kapital aus dem Ausland. Die türkische Lira steht „in der Liste gefährdeter Währungen in vielen Köpfen wieder an erster Stelle“, schrieb die LBBW vor kurzem.

Während etwa die US-Notenbank die Zinsen anhebt und damit Gelder aus Schwellenländern wie der Türkei saugt, steht der türkische Notenbankchef Murat Cetinkaya unter Druck, die Zinsen selbst niedrig zu halten, um das Wirtschaftswachstum in dem Land zu fördern. Anleger bevorzugen jedoch hohe Zinsniveaus, um überhaupt ein Investment in ein Schwellenland wie die Türkei in Erwägung zu ziehen. „Die türkische Zentralbank gibt Statements ab, die Investoren zu verstehen geben, dass die Zinsen weiterhin niedrig bleiben“, analysierte jüngst die Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das macht aus der Lira ein leichtes Ziel.“

Kommentare (1)

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Herr Gerd St

13.01.2017, 09:02 Uhr

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