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09.04.2014

14:19 Uhr

+++Liveblog+++

Banker sollen sich wieder auf altes Ideal besinnen

VonJohannes C. Bockenheimer

Noch mehr regulieren oder den Regulierungseifer stoppen: Bei der Kontrolle der Bankenwelt scheiden sich die Geister. Bundespräsident Joachim Gauck ermahnt die Banken – und Deutsche-Bank-Chef Fitschen kontert.

Berlin Heute treffen sich wichtige Führungspersönlichkeiten aus der Finanzwelt beim Bankentag des Bankenverbands. Im Laufe des Tages diskutieren und reden unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Commerzbank-Vorstandsmitglied Markus Beumer und EZB-Direktionsmitglied Sabine Lautenschläger. Die Ereignisse im Liveblog.

+++Versöhnliches Ende+++

Am Ende gab sich der Finanzminister versöhnlich: Die Banken müssten ihre kurzfristigen Interessen hintenanstellen und dabei mithelfen, eine „optimale Finanzmarktordnung“ zu schaffen. Damit würden sie ihren bedeutenden Beitrag zu Wohlstand und soziale Sicherung in der Gesellschaft leisten.

+++Schäuble pocht auf Herauslösung der Bankenaufsicht aus der EZB+++

Schäuble erneuerte seine Forderung nach einer Herauslösung der Bankenaufsicht aus der EZB, allerdings werde das angesichts der bestehenden EU-Vertragslage noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Finanzminister. Ähnliches sagte EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger der Nachrichtenagentur Reuters: auf mittlere Sicht halte sie die Herauslösung für verfrüht. Zunächst sei es an der Zeit die Aufsicht über die Banken der Euro-Zone überhaupt erst zu schaffen - „mit voller Aufmerksamkeit“.

+++Zum Abschluss Poesie+++

Der Finanzminister gibt sich poetisch: Die Geschichte habe sich von der Ausrufung ihres angeblichen Endes nicht beeindrucken lassen, mokiert sich der Finanzminister über die Annahme des US-Autors Francis Fukuyama. Das habe die Finanzkrise, und ganz aktuell die Ukraine-Krise bewiesen.

+++Finanzminister Schäuble sieht Banken auf einem erfolgreichen Weg+++ 

Für diese Krisen, diese neue „Welt Un-Ordnung“ müssten auch neue Lösungen gefunden werden, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und gibt sich überzeugt, dass man sie finde. In Griechenland sei man mittlerweile vorangekommen, und auch im Bankensektor sei man auf einem „erfolgreichen, wenn auch nicht angenehmen Weg.“

+++Banken- oder auch Fiskalunion?+++

Die nächste Diskussionsrunde: „Banken-, Fiskal- und Politische Union – Wie viel Einheit braucht Europa?“ Hannes Swoboda, österreichischer Abgeordneter (SPÖ) im Europäischen Parlament, fordert „funktionsfähige Instrumente“. Im Vergleich zur Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) sei dies bei der EZB-Aufsicht gegeben, lobt er. Dem Sozialdemokraten reicht das aber noch nicht: Man müsse nun auch den nächsten Schritt gehen – von der Bankenunion zur Fiskalunion.

Sabine Lautenschläger, Mitglied des EZB-Direktoriums, bremst den ambitionierten Österreicher: Manchmal müsse man sehr genau und sehr detailliert diskutieren, wohin es gehen solle. Lobend erwähnt aber auch sie die Bankenaufsicht bei der EZB: „Ich bin sehr zufrieden mit unseren Fortschritten.“ Zumindest personell scheint dort auch alles in Butter: „Wir haben 8000 Bewerbungen auf 27 Ausschreibungen erhalten.“

Warnungen kommen in der Runde hingegen von denen, die künftig von der Aufsicht kontrolliert werden sollen: Man dürfe sich nicht im Klein-Klein verlieren, warnt Theodor Weimer, Vorstandssprecher der Hypovereinsbank.  „Es ist richtig uns zu stressen, aber irgendwann muss man auch mal aufhören“, sagt er. 

+++Weniger Kredite wegen strengerer Regulierung+++

Die Unternehmer in der Runde sehen es hingegen anders. Ralf Thomas, Finanzvorstand von Siemens, glaubt, die Vergabe von Export-Krediten habe nicht mehr die „gleiche Dynamik“, wie noch vor einigen Jahren. Das hat auch Nicola Leibinger-Kammüller bemerkt, Vorsitzende des Maschinenbauers Trumpf. Eine Kreditklemme gebe es zwar nicht: „Geld bekommt man zwar, aber bis man es bekommt, dauert es wahnsinnig lange“. Das aber sei nicht ein Fehler der Banken, so Leibinger-Kammüller, sondern den höheren Regulierungshürden geschuldet, sagt sie.

+++In der ersten Diskussionsrunde wird dort angeknüpft, wo Fitschen aufgehört hat+++
Ist die Regulierungslast für die Banken mittlerweile zu hoch, schädigen die Risikoanforderungen bei der Kreditvergabe das Geschäft der Deutschen Unternehmen? Markus Beumer, Mitglied des Commerzbank-Vorstands, glaubt das nicht: Es gebe keinen Automatismus zwischen Rating und Kreditvergabe, am Ende entscheide der „gute Menschenverstand“. Ähnlich sieht es Thomas Lange von der National-Bank: Das Bemühe in der Branche habe zugenommen, die Kennzahlen zurückzustellen, sagt er.

+++Der schlechte Ruf wird noch lange bleiben+++
Trotz aller Fortschritte glaubt Fitschen, dass das schlechte Image der Branche noch einige Zeit anhängen wird: „Wir werden eine Menge Prügel einstecken, das werden wir aber aushalten.“

+++Fitschen spricht sich für Bankenunion aus+++
„Wir [brauchen] die Bankenunion, um das europäische Bankenwesen wieder stabiler zu machen“, sagt Fitschen. In einigen Ländern bestehe ein „verhängnisvoller Zusammenhang zwischen staatlicher Verschuldung bei den Banken und der daraus resultierenden Anfälligkeit des Finanzsektors.“ Die Bankenunion solle diesen verhängnisvollen Zusammenhang endlich auflösen.

+++Warnung vor europaweiten Banken-Pleiten+++
„Längst nicht alle europäischen Banken verfügen über ein tragfähiges Geschäftsmodell“, sagt Fitschen. Deswegen dürften auch nicht alle Banken die nächsten Jahre überleben.

+++Die Grenzen der Regulierung+++
Zwar habe die Branche das Gros der Regulierungsvorhaben in der Vergangenheit mitgetragen, sagt Fitschen, man sei nicht Sturm gelaufen gegen die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften von Basel III, man habe die Eigenkapitalquoten zum Teil „deutlich erhöhen können“  – aus „ureigenem Interesse und schneller als es der Basel-III-Zeitplan vorgesehen hat.“

Aber es gäbe auch Regulierungsvorhaben, „die wir für falsch oder fragwürdig halten.“ Etwa das Trennbankengesetz oder die Finanztransaktionssteuer. „Beide lehnen wir ab, weil sie volkswirtschaftliche Kosten verursachen, ohne dass sie zugleich die Stabilität des Finanzsektors erhöhen.“

Bankenstudie: Vertraue keinem Banker

Bankenstudie

Vertraue keinem Banker

Das Vertrauen der Deutschen in ihre Bankberater sinkt weiter. Eine neue Studie zeigt: Bei der Kontowahl achten viele nur noch auf den Preis. Für Filialbanken ist das Ergebnis alarmierend.

+++Deutsche-Bank-Chef Fitschen geht in die Offensive+++

Die Branche werde mitunter ungerecht behandelt, verteidigt sich Fitschen: Man habe „widersprüchliche Erwartungen“ an die Banken: „Kritiker werfen ihnen zu Recht vor, sie hätten im Vorfeld der Finanzmarktkrise zu leichtfertig und unbedacht Kredite“. Heute werde den Banken dagegen vorgehalten, sie wären gegenüber den Unternehmen zu restriktiv bei der Kreditvergabe, so als gebe es bei diesen Krediten überhaupt keine Risiken.

+++Deutsche-Bank-Chef Fitschen übt ein bisschen Selbstkritik+++

Fitschen: „Es hat in einigen Bereichen zu wenige oder falsche Regeln gegeben und die damals geltenden Regeln wurden häufig zu lax gehandhabt. Das Selbstverständnis und das Verantwortungsbewusstsein einiger Akteure ließen erheblich zu wünschen übrig.“ Gleichzeitig müsse man heute über die Fehler, die 2008 die Finanzmärkte an den Rand des Abgrunds geführt haben, nicht mehr „en detail“ reden.

+++Gauck kritisiert Banken+++

Die Rede von Bundespräsident Gauck hatte versöhnlich angefangen, ein bisschen Banken-Bashing gab es vom Bundespräsidenten dann aber doch: Einige Banken und einige Mitarbeiter hätten sich „eine Menge“ zu Schulden kommen lassen. Die Justiz ermittelt noch immer in mehreren Fällen wegen des Verdachts auf Untreue, Bilanzfälschung oder Marktmanipulation. Aber auch wo nicht gegen „Recht und Gesetz“ verstoßen wurde, war manches Geschäft „ethisch fragwürdig, manches Risiko unvertretbar hoch“, so Gauck. „Falsche Anreize im Bonussystem, übersteigerte Gewinnansprüche, verantwortungsloses Verhalten zu Lasten Dritter – da war viel fehlgeleitete Kreativität im Spiel.“

Kommentare (9)

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09.04.2014, 11:09 Uhr

Auf keinen Fall dürfen die Banken weiterhin Geld schöpfen, denn das ist die eigentliche Gefahr. Das Geldschöpfen kann nur einer demokratisch legitimierten
Zentralbank gestattet werden. Merkwürdig das Herr Gauck
die Geldschöpfung nicht erwähnt. Bei Herrn Fitschen verstehe ich das, denn die Herrschaften verdienen ohne
Ende am System.

Account gelöscht!

09.04.2014, 11:30 Uhr

Aus tiefer Enttäuschung über die Machenschaften der DB hatte ich vor Jahren mein Konto nach über 40-jährigem Bestehen gekündigt - ohne Umkehr..! Aber wenn die DB sich permanent von der Politik gängeln und bevormunden lässt, sollte man das "Undenkbare denken" und ihr empfehlen, das Weite zu suchen bzw. den Geschäfts-Sitz nach außerhalb Deutschlands zu verlagern; denn der normale Konto-Inhaber muss den ganzen staatlichen sozialistischen Mist und die Realitäts-fernen Bevormundungen letztlich zu seinem Nachteil mit ausbaden..!

Account gelöscht!

09.04.2014, 11:48 Uhr

Verstehe ich das jetzt richtig? Die Machenschaften der DB k... Sie an, aber wenn dem ein Riegel vorgeschoben werden soll, ist das auch wieder nicht richtig? Ach ja, einigen Leuten kann man es NIE recht machen. Wird was getan ist es falsch, wird nichts getan auch.

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