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29.10.2015

11:09 Uhr

Liveblog Deutsche Bank

4000 Vollzeit-Jobs in Deutschland fallen weg

VonYasmin Osman, Martin Dowideit

Der Deutsche-Bank-Co-CEO spricht über die Strategie Deutschlands größter Bank – auf deutsch. Den Vorstand hat er bereits umgekrempelt, jetzt geht es ums Geldverdienen. Das Live-Blog zum Nachlesen.

Harte Sanierungs-Maßnahmen

John Cryan streicht bei der Deutschen Bank Tausende Jobs

Harte Sanierungs-Maßnahmen: John Cryan streicht bei der Deutschen Bank Tausende Jobs

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FrankfurtSeit Monaten war dieser Tag mit Spannung erwartet worden. Der seit Juli amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, präsentierte am Donnerstag die mittelfristige Strategie des Hauses.

  • Deutsche Bank will 9000 Vollzeitstellen streichen sowie 6000 externe Jobs
  • Vor allem Großstädte sind von Filialschließungen getroffen
  • Boni sollen stärker am Gewinn, nicht am Ertrag gekoppelt sein

+++Das Schlusswort hat Jürgen Fitschen+++
Ist Jürgen Fitschen eine „lame duck“? Nun, auf der Pressekonferenz hatte er durchaus seine Rolle. Er rückte den Eindruck, die Deutsche Bank befinde sich in permanentem Ausnahmezustand, ein bisschen gerade: Trotz aller Schwierigkeiten erwirtschafte die Bank immerhin Roherträge im Volumen von 30 Milliarden Euro. „Auch das ist Normalität in der Bank“, so Fitschen. Vor drei Jahren habe die Bank versucht umzusteuern. „Es war nicht genug. Aber man sollte nicht den Fehler begehen, als ob keine Normalität vorhanden wäre. Das gilt es zu bewahren.“ Das war dann auch das Schlusswort der Pressekonferenz. Nun eilen die Vorstände zum Flieger. Dem Linienflieger, wohlgemerkt. Aber immerhin Lufthansa.

Harte Sanierungen

Vorstände bei der Deutschen Bank werden aussortiert

Harte Sanierungen: Vorstände bei der Deutschen Bank werden aussortiert

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+++Wann ist die Deutsche Bank wieder eine normale Bank?+++
Eine schwierige Frage. Finanzchef Schenck versucht eine Antwort: 2015 und 2016 werden „große Umbaujahre“, geprägt von Sondereffekten, IT-Rückstellungen, „Personalmaßnahmen“ sowie Rechtsstreitigkeiten. „Ab 2017 werden wir, nach allem was wir heute wissen, wieder eine normalere Bank sein“, prognostiziert er. Volle Wirkung wird das dann wohl erst 2018 entfalten, sobald das Sparprogramm greift.

Deutsche Bank Quartalsergebnis: Ein Milliardenverlust als Wegbereiter

Deutsche Bank Quartalsergebnis

Ein Milliardenverlust als Wegbereiter

Das erste vollständige Quartal unter der Führung von Co-Chef John Cryan endet unter dem Strich mit einem riesigen Minus. Der Brite legt damit das Fundament für einen Neuanfang bei der Bank. Mit drastischen Auswirkungen.

+++Verwirrender Stellenabbau+++
Es geistern viele unterschiedliche Zahlen über das Ausmaß des Stellenabbaus durch die Gegend. Hier der Versuch einer Aufklärung: Im Falle eines erfolgreichen Postbank-Verkaufs verschwinden unter dem Strich 17.000 Stellen aus dem Konzern. Hinzu kommen 9000 Stellen durch Jobs, die innerhalb der Bank gestrichen werden. Darin noch nicht enthalten: die 6000 externen Mitarbeiter, auf die das Institut verzichten will. Nicht vergessen darf man: Das sind Berechnungen auf Vollzeit-Basis. Die Zahl der Menschen, die ihre Stelle verlieren werden, ist wegen betroffener Teilzeit-Beschäftigter in solchen Fällen deutlich höher.

Jürgen Fitschen (l.) ist noch bis Mai als Co-Chef an Bord, danach hat John Cryan das alleinige Sagen. dpa

Führungsduo

Jürgen Fitschen (l.) ist noch bis Mai als Co-Chef an Bord, danach hat John Cryan das alleinige Sagen.

+++Cryan: verzichtet er auf seinen Bonus?+++
Die Beschäftigten der Deutschen Bank werden Opfer bringen müssen: Viele Stellen fallen weg, die Boni dürften empfindlich schrumpfen. Doch welchen Beitrag wird der Mann an der Spitze dazu leisten? Cryan verweist darauf, dass der Aufsichtsrat über die Boni der Vorstände bestimmt, auch wenn ein Vorstand, wenn er diese für zu hoch hält, auch persönlich verzichten kann. Er deutet aber an, dass ein Jahresverlust durchaus deren Höhe beeinflussen dürfte.

+++Mehr Details zum Stellenabbau+++
Eine Nachfrage zum Stellenabbau zeigt mehr Details: Neben den 9000 Vollzeit-Jobs sollen ja auch 6000 Jobs von externen Mitarbeitern wegfallen. „Das entspricht 20 Prozent der externen Mitarbeiter“, erläutert Finanzvorstand Marcus Schenck. Wie viele Menschen das trifft, ist damit allerdings nicht genau klar: Die Zahlen, also zusammen 15.000 Arbeitsplätze, beziehen sich auf Vollzeitstellen, da es auch Teilzeit-Mitarbeiter gibt, dürften von den Kürzungen mehr Menschen betroffen sein, als die Zahlen es nahe legen.

+++Vor allem Großstadt-Filialen fallen weg+++
Gefährdet die Deutsche Bank durch Filialschließungen ihren Zugang zu den Kunden? Privatkundenvorstand Christian Sewing will solche Bedenken zerstreuen: „Wir wollen in der Fläche präsent bleiben“, sagt er. Deshalb wolle die Bank vor allem in urbanen Gebieten, also in den Großstädten Zweigstellen zusammenlegen. „Wir wollen beim Kunden präsent bleiben“, sagt er. „Mit über 500 Filialen in Deutschland werden wir sehr, sehr präsent bleiben.“

+++In Deutschland fallen 4000 Stellen weg+++
Von den 9000 Vollzeit-Stellen entfallen 4000 Jobs auf Deutschland. „Mir ist bewusst, dass dahinter 9000 Schicksale stehen“, sagt Cryan. Die Bank werde einige Filialen in Deutschland und dem Ausland schließen und sich aus einigen Ländern zurückziehen. Der Großteil der Filialschließungen entfällt mit 200 Zweigstellen in Deutschland. Im Ausland wird vereinzelt das Filialnetz arrondiert.

+++ Aktuelle Tweets zu John Cryan und Deutscher Bank +++

Kommentare (40)

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Herr Ingo Tietz

29.10.2015, 09:34 Uhr

Bei der „Englischen“ Bank, läuft es jetzt wieder so, wie es immer läuft. Es trifft IMMER die Beschäftigten, niemals diejenigen, welche für die Miseren verantwortlich zeichnen. Wenn doch, werden diese Herrschaften dann mit „goldenem Handschlag“ und Empfehlung für den nächsten Vorstandsposten freigestellt. Ich halte große Teile der weltweit agierenden Finanzmarktakteure für Kapitalverbrecher! Aber man lässt sie weiter gewähren, weil sich die westlichen Industirestaaten durch ihre Überschuldung gegenüber den Geldgebern abhängig und damit erpressbar gemacht haben.
Ich hoffe, dass dieses menschenverachtende Finanz- und Wirtschaftssystem der Profitmaximierung durch die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, einhergehend mit Staatsverschuldungen und der Ressourcenausbeutung endlicher Rohstoffe, endlich überdacht und beendet wird. Wir können so nicht weitermachen, weil wir dadurch nicht nur den Planeten, damit unsere nackte Existenzgrundlage schädigen und letztlich nachhaltig zerstören, damit einhergehend die Gesellschaft und den Staat nachhaltig gefährden und spalten. Ich bin nur ein kleiner unbedeutender Mensch ohne weltpolitische oder wirtschaftliche Gestaltungsmacht, deshalb geht mein Appell an die aktuellen Entscheidungsträger dieser Welt, Ihr welche über die Macht und die Möglichkeiten verfügt, diesen Wahnsinn endlich zu zu stoppen und sich einem neuen nachhaltigen und zukunftsfähigen Geld- und Wirtschaftssystem zuzuwenden. Den Managern der großen global agierenden Konzerne und Kapitalgesellschaften, sowie großen Teilen der mafiös organisierten, kapitalverbrecherischen Finanzmarktakteure sei gesagt, dass wenn Ihr so weitermacht, das System und die Gesellschaft kollabieren wird. Wollt ihr dieses Szenerio wirklich, ich frage euch, wollt ihr tatsächlich wieder den totalen Krieg? Wenn ja, wird euch keine Mauer und kein Geld der Welt schützen, Ihr werdet zusammen mit uns einfachen Bürgern untergehen!

Account gelöscht!

29.10.2015, 09:41 Uhr

En Detail hat das Investmentbanking doch wieder - wie erwartet - geliefert. Geht zwar besser, aber immerhin. Nur das margenschwache Retalgeschäft mit Omis Sparbuch und Kredite für Krethi & Plethi am Schalter daheim ist wie ein Klotz am Bein. Also weg damit.

Und die Kosten kann man senken, indem man das Fixum runternimmt und die variable Gehaltskomponente erhöht, um die Motivation und die Profitabilität zu steigern. Aber das wollen ja die komischen Beamtenheinis in irgendwelchen komischen Behörden nicht (mehr).

Wenn man den Jungs dagegen den Bonus kürzt, muss man sich nicht wundern wenn die besten Leute das Haus freiwillig verlassen um ihr eigenes Baby aufzuziehen.

Herr Ingo Tietz

29.10.2015, 09:42 Uhr

Und den Journalisten in den Medien sei gesagt, dass sie endlich auf die Probleme aufmerksam machen müssen!
Ehrlich und schonungslos, ohne politischen und wirtschaftlichen Lobby-Journalismus zu betreiben.
Ihr steht mit in der Verantwortung, dass sich etwas verändern kann.
Ihr seit die 4. Macht im Staat also kommt endlich eurer Pflicht nach, anstatt euch vom Kapital und der Wirtschaftslobby kaufen zu lassen!

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