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01.09.2016

16:35 Uhr

Liveblog – Tagung „Banken im Umbruch“

„Sanft die Zinsen erhöhen? Geht nicht!“

VonMatthias Streit, Michael Maisch

Niedrigzinsen, niedrige Margen und Digitalisierung waren die großen Themen auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“. Doch nicht nur die EZB, auch die Deutsche Bank sorgte einmal mehr für Schlagzeilen.

Banken im Umbruch

FrankfurtDas „Who is who“ der europäischen Finanzszene diskutiert auf der 21. Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“. Für den größten Wirbel sorgten an Tag eins allerdings Gerüchte über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. An Tag zwei sprechen Spitzenbanker wie UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber, DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch und Postbank-Chef Frank Strauß. Auch Finanzaufseher Felix Hufeld, Präsident der Bafin, spricht im Frankfurter „Kap Europa“. Ein Thema: Wie schlagen die Negativzinsen auf Bankergebnisse durch.

  • Der Verwaltungsratspräsident der UBS, Axel Weber, mahnt vor allzu festem Glauben in die Geldpolitik und Übertreibungen an den Aktienmärkten
  • DZ-Bank-Chef Kirsch: Paydirekt, das deutsche Pendant von Paypal, ist kein Flop
  • Postbank-Chef Frank Strauß räumt ein, dass seine Bank nach der Finanzkrise die Kunden zwischenzeitlich aus den Augen verloren habe
  • Bafin-Präsident Felix Hufeld hält Fusionen für kein Allheilmittel, möchte sich aber nicht näher zum möglichen Großmerger zwischen Deutsche Bank und Commerzbank äußern.
  • Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker will nicht Bargeld horten, um sich vor Verlusten durch Negativzinsen zu schützen
Das Branchentreffen in Frankfurt. Euroforum

21. Handelsblatt Jahrestagung

Das Branchentreffen in Frankfurt.

Die vierte Sinfonie von des österreichischen Komponisten Anton Bruckner setzt den Schlussakkord der 21. Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“.

Damit gehen zwei turbulente Tage zu Ende, bei der schmelzende Erträge und Niedrigzinsen zwar erneut eine tragende Rolle spielten. „ Aber nicht nur die EZB ist immer wieder für Schlagzeilen gut, sondern, wie wir auch in diesem Jahr wieder erfahren haben, auch die Deutsche Bank“, resümiert der Ressortleiter Finanzen des Handelsblatts, Daniel Schäfer.

Denn Spekulationen über eine mögliche Fusion der beiden größten deutschen Privatkunden zogen sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Deutsche Bank-Chef John Cryan bestätigte zwar, sich mit Martin Zielke getroffen zu haben. Doch Fusionspläne dementierte er. Nach Partnern schaue er sich auf dem deutschen Markt derzeit nicht um.

Deutsche Bank und Commerzbank: Frankfurter Planspiele

Deutsche Bank und Commerzbank

Premium Frankfurter Planspiele

Deutsche-Bank-Chef Cryan und Commerzbank-Boss Zielke haben über eine Fusion beider Geldhäuser gesprochen. Ein Bankengigant hätte viele Vorteile, auch für die deutsche Wirtschaft. Doch das Projekt ist gestoppt – vorerst.

Während DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch der Idee schon etwas abgewinnen könnte, winkt Bafin-Chef-Hufeld nur ab: Mit solch hypothetischen Problemen beschäftige er sich nicht. Fusionen seien ohnehin kein Allheilmittel.

Ein Allheilmittel suchen so einige Institute hingegen in der Digitalisierung. Das große Schlagwort lautet: Big Data. Das große Mantra: Den Kunden näher kommen. Mithilfe von Daten Produkte maßschneidern. Das Problem nur: Wenn es um den technischen Fortschritt geht, sind viele Fintechs den großen Instituten voraus.

So haben deutsche Banken beim Stresstest 2016 abgeschnitten

EZB-Bankenstresstest - die Szenarien

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie prüfte mit der Europäischen Zentralbank eine ganze Reihe von Kennzahlen und testeten wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften.

Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten (Basisszenario). Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung (Adverses Szenario).

So haben die neun geprüften deutschen Banken abgeschnitten:

Bayerische Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 11,99 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,41 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,34 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -365

Commerzbank

Kernkapitalquote (2015): 12,13 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,13 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,42 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -471

Dekabank

Kernkapitalquote (2015): 13,50 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,17 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,53 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -397

Deutsche Bank

Kernkapitalquote (2015): 11,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,08 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,80 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -332

Landesbank Baden-Württemberg

Kernkapitalquote (2015): 15,98 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 15,58 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -658

Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

Kernkapitalquote (2015): 13,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,42 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 10,10 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -301

Norddeutsche Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 12,09 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,16 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,62 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -347

NRW.Bank

Kernkapitalquote (2015): 42,54 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 39,44 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 35,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -714

Volkswagen Financial Services AG

Kernkapitalquote (2015): 11,67 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,90 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,55 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -211

Doch wo sonst von Herausforderern, Attacken und allerlei Feindseligkeiten die Rede ist, schien die Stimmung auf der Bankentagung deutlich harmonischer. Klar war auch davon die Rede, Techniken da zu kopieren, wo kein Kooperationswille da ist. Doch generell schienen die beiden Parteien stärker aufeinander zuzugehen. „Wir brauchen einander“, sagte etwa John Flint, der bei der britischen Großbank HSBC das Geschäft mit Privatkunden und die Vermögensverwaltung leitet. Für all jene, die dann doch noch miteinander fremdeln, gab es die Möglichkeit zum „Speeddating“.

Bevor schließlich der Dirigent Ulrich Gansch den Bankenchefs Tipps gab, wie man so einen Großkonzern denn richtig dirigiert, kam Leonhard Fischer, der einst jüngste Vorstand der Dresdner Bank und nun Verwaltungsratsmitglied des Schweizer Rohstoffkonzern Glencore, noch einmal auf den Niedrigzins zu sprechen. Im Gegensatz zum Gros der Banker nahm er EZB-Präsident Mario Draghi in Schutz: „Ich wüsste nicht, was er hätte anders machen sollen.“

Banken und Fintechs: Kuscheln statt kämpfen

Banken und Fintechs

Premium Kuscheln statt kämpfen

Finanz-Start-ups gelten bisher als Bedrohung für traditionelle Geldhäuser. Dennoch kooperieren immer mehr Banken mit Fintechs, um ihr Angebot zu verbessern. Sie nutzen die kleinen Firmen als Testlabor.

Dafür hatten die Banker zuvor reichlich Ideen. Die meistvertretene: Sanft die Zinsen erhöhen. Und zwar jetzt. Fischer überzeugt das nicht: „Sanft die Zinsen erhöhen? Das ist so, wie sanft mit jemandem Schluss machen. Das Ergebnis wird immer unsanft sein. Da können Sie machen, was Sie wollen.“

Kommentare (20)

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Herr Heinz Keizer

01.09.2016, 09:56 Uhr

"So habe sich die globale Sparquote erhöht"
Um so unverständlicher ist es, dass die EZB noch mehr Geld in den Markt wirft. Es wäre doch genügend Kapital für Finanzierungen vorhanden. Die EZB betreibt eine große Kapitalfehlallokation und Staatsfinanzierung. Zinssätze könnten bei Bedarf wieder erhöht werden, das zusätzlich "gedruckte" Geld kann nicht so einfach eingesammelt werden. Die Banken, als ein Teil der Finanzindustrie, befinden sich schon länger im Umbruch. Allerdings beschleunigt sich dieser immer stärker. Ein Thema wurde im Beitrag nicht angesprochen. Die Finanzindustrie entfernt sich immer mehr von der Realwirtschaft, nicht zuletzt durch die Maßnahmen der EZB. Wenn wir das nicht weltweit wieder in den Griff bekommen, wird in einigen Jahren der technologische Wandel das kleiner Problem sein. Das könnte zu einer Finanzkrise unbekannten Ausmasses führen und daraus folgend zu einer Weltwirtschaftskrise, die aufgrund der Globalisierung weltweite Dimensionen annimmt. Dann werden die Menschen froh sein, wenn sie was zu essen haben. Ob sich dann wohl jemand für Bitcoins interessiert?

Herr wulff baer

01.09.2016, 09:57 Uhr

Das Umkrempeln müßte damit beginnen, die volksschädigenden Zentralbanken abzuschaffen, die außer dem Druck von Falschgeld keine Funktion wahrnehmen.
Dann sollten sich die Banken auf ihre Kernaufgaben konzentrieren:
Unternehmen, Bauherren und Privatpersonen mit fairen Konditionen mit Krediten versorgen.
Die gesamte unproduktive Finanzindustrie muß abgeschafft werden.
Alle Finanztransaktionen mit 20 % Umsatzsteuer belegen und schon wäre der Spuk vorbei.
Billionenfache Derivate gehören genauso verboten, wie die kriminellen Praktiken der Bankster.

Herr J.-Fr. Pella

01.09.2016, 10:51 Uhr

Banken im Umbruch.........
Hinzu die Aussagen einiger Vorsitzenden und Präsidenten...........

Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleider zu euch kommen;
inwendig sind sie reißende Wölfe.
Evgl. Matthäus, 7.15

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