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16.08.2016

13:10 Uhr

Lloyd Blankfein

Goldman-Sachs-Chef rät, mehr zu chillen

VonGertrud Hussla

Sie ist die Top-Adresse der Wall Street: Die Investmentbank Goldman Sachs. Dort wird mehr verdient und härter gearbeitet als anderswo. Doch jetzt schlägt Bankchef Lloyd Blankfein ganz neue Töne an.

Der langjährige Vorstandschef von Goldman Sachs rät seinen Praktikanten, auch mal fünf gerade sein zu lassen. Reuters

Lloyd Blankfein

Der langjährige Vorstandschef von Goldman Sachs rät seinen Praktikanten, auch mal fünf gerade sein zu lassen.

New York/DüsseldorfDie jungen Leute wussten nicht, ob sie ihren Ohren trauen konnten. Auf einer Veranstaltung für Praktikanten der Top-Investmentbank Goldman Sachs riet Vorstandschef Lloyd Blankfein seinem jungen Publikum, doch mehr zu chillen. Es sei nicht gut, Arbeit zu obsessiv anzugehen. „Ihr bekommt kein besseres Ergebnis, wenn ihr den 95. Entwurf für eine Vorlage macht“, sagte er in einer Podiumsdiskussion. „Das Leben geht weiter, ein Kapitel folgt dem anderen, ob ihr nun selbst die Seiten umdreht oder nicht.“ Man könne das Beste geben, mehr nicht. „Manchmal ist es sogar gut, nicht alles zu schaffen, was man machen müsste. Dann kann man sich nicht so in die Dinge hineinsteigern.“

Der 61-jährige Chef und Präsident von Goldman Sachs hatte sich einst selbst vergeblich bei Goldman Sachs beworben. Später schaffte er es aber trotzdem in die Top-Adresse der Wall Street, als Goldman Sachs seinen Arbeitgeber aufkaufte. Danach stieg Blankfein bei der Investmentbank rasch steil auf. Er dürfte inzwischen Milliardär sein.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

Negative Schlagzeilen machte er im Gefolge der Finanzkrise 2009 mit dem Satz, er vollstrecke „Gottes Werk“. Diesen Satz hat er danach wieder zurückgenommen. Mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen gehörten Blankfeins Bonuszahlungen bislang zu den höchsten Banker-Boni überhaupt.

Blankfein gab auf der internen Veranstaltung zu, dass er sich selbst wohl schwer getan hätte, in jungen Jahren mehr zu faulenzen. „Ich glaube nicht, dass ich selbst es geschafft hätte, mich als junger Mann an diesen Ratschlag zu halten“, sagte er

Aber er räumte ein, dass sogar er vor wichtigen Meetings um Selbstvertrauen ringen müsse. „Ich bin wie alle anderen. Ich atme tief durch, bevor ich mich in so eine Aufgabe stürze.“ Er müsse immer Dinge tun, die er vorher noch nie gemacht habe. „Aber wenn am überlebt, gewinnt man auch ein gewisses Selbstvertrauen. Wie oft schaue ich in den Abgrund und frage mich, ob dort ein Boden ist oder nicht? Wenn ich schon zehn Mal unten war und gesehen habe, es gibt einen Boden, dann glaube ich beim elften Mal dran.“

Goldman Sachs: Keine Nachtschichten mehr für Praktikanten

Goldman Sachs

Keine Nachtschichten mehr für Praktikanten

Gute Nachrichten für alle Praktikanten der Investmentbank Goldman Sachs: Ab sofort müssen zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens alle nach Hause. Nickerchen auf dem Klo könnten bald der Vergangenheit angehören.

Und noch einen Rat gab er den Karrierestartern: Öfters mal ein Buch zu lesen, besonders über Geschichte. „Ich denke, das ist besser als Ökonomie. Da könnt ihr sehen, wie manche Leute sechsmal gescheitert sind und es nicht geschafft haben, bis sie schon ein ganzes Stück älter waren.“ Daraus könne man viel mehr lernen, als aus dem Studium der Märkte.

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