Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2017

13:34 Uhr

Lloyds Banking Group

Endlich frei

VonKatharina Slodczyk

Die britische Regierung trennt sich komplett von ihrer Beteiligung an der Lloyds Bank. Deren Chef Antonio Horta-Osório ist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs – und sorgt ausgerechnet jetzt für Spekulationen.

Das Pferd galoppiert wieder ohne staatlichen Anschub. AFP; Files; Francois Guillot

Lloyds Bank

Das Pferd galoppiert wieder ohne staatlichen Anschub.

LondonZuspruch und Komplimente für António Horta-Osório, Chef der britischen Lloyds Banking Group,  kommen derzeit von allen Seiten: „Leben wie im Traum“ hat der angesehene Bankenanalyst Ian Gordon von Investec Securities jüngst eine recht überschwängliche Studie über die Entwicklung des Instituts überschrieben. Star-Investor Neil Woodford hat vor wenigen Tagen Aktien der Bank gekauft und damit sein Vertrauen in die Zukunft von Lloyds demonstriert und jetzt hat sich die britische Regierung von ihrem noch verbliebenen Anteil an dem Geldhaus getrennt. Lloyds kann damit ein unrühmliches Kapitel in seiner Geschichte abhaken: die Finanzkrise und die Rettung durch den Staat, der damals notwendig war.

Gut 20 Milliarden Pfund hat die Regierung vor neun Jahren investiert, um die Bank vor dem Kollaps zu retten. Inzwischen hat Großbritannien mehr als diese Summe durch den Verkauf der Aktien hereingeholt, so dass für den Steuerzahler ein Gewinn von 900 Millionen Pfund bleibt.

Lloyds-Chef Horta-Osório ist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Innerhalb von sechs Jahren hat er die Bank radikal umgebaut, auf den Heimatmarkt Großbritannien fokussiert, wieder in die schwarzen Zahlen geführt und so den Aktienkurs nach und nach beflügelt. Doch jetzt machen in der Branche Gerüchte die Runde, der 53-Jährige könnte Lloyds den Rücken kehren und neuer Chef der britischen Großbank HSBC werden.

In einem Interview mit der „Financial News“ will Horta-Osório diese Spekulationen nicht kommentieren. Nur so viel lässt er sich entlocken: „Ich bin glücklich bei der Bank und konzentriere mich auf die nächsten Aufgaben hier.“ 

Diese sehen unter anderem die Integration des Kreditanbieters MBNA vor. Lloyds hatte diesen Milliardenzukauf Ende vergangenen Jahres angekündigt. Zudem will die Bank mehr Geld in ihre Technik investieren und im Herbst den nächsten Strategieplan vorstellen.

Radikale Änderungen zum bisherigen Vorgehen sind aber offenbar nicht vorgesehen. „Es ist wie im Fußball, wenn man eine Strategie hat und ein siegreifes Team, dann sollte man nicht wechseln“, sagte er der „Financial News“. Investoren sollten keinen grundlegenden Richtungswechsel erwarten.

Unter seiner Leitung hat sich Lloyds aus mehr als 20 Ländern zurückgezogen – ebenso wie aus dem Investmentbankgeschäft. Das Institut hat zahlreiche Filialen geschlossen und Tausende von Jobs abgebaut. Die Strategie hat sich auch beim Aktienkurs ausgezahlt: Die Lloyds-Papiere haben um mehr als zwölf Prozent zugelegt, seitdem Horta-Osório Anfang 2011 den Spitzenjob bei der Bank übernommen hat. Die Kursentwicklung bei Konkurrenten wie Barclays und Royal Bank of Scotland (RBS) hat damit nicht Schritt halten können. Horta-Osório gibt sich zuversichtlich, dass die Bank jetzt auch für weitere Hürden wie den Brexit gut gerüstet ist.

Wechselt der Lloyds-Chef zur Konkurrenz? Reuters

Antonio Horta-Osório

Wechselt der Lloyds-Chef zur Konkurrenz?

Für den Konkurrenten RBS, der ebenfalls in der Krise mit Steuermilliarden gestützt werden musste, ist die Flaute dagegen noch nicht vorbei. Die Bank dürfte auch das laufende Jahr mit einem Verlust abschließen. Das wäre das zehnte Mal in Folge. Die RBS kämpft mit teuren Altsünden wie dem Verkauf umstrittener Hypothekenpapiere in den USA. Das wird dem Geldhaus in den nächsten Monaten voraussichtlich eine Milliardenstrafe einbringen.

In die Rettung der RBS hat die Regierung 45 Milliarden Pfund gesteckt und damit deutlich mehr als in Lloyds. Der RBS-Aktienkurs liegt weiterhin unter dem Niveau, zu dem der Staat eingestiegen ist. Finanzminister Philip Hammond hat jüngst signalisiert, dass man beim Verkauf der RBS-Papiere wohl einen Verlust in Kauf nehmen werde. Großbritannien ist mit 72 Prozent an der Bank beteiligt.

Insgesamt hat das Land mehr als 130 Milliarden Pfund in der Finanzkrise in den Bankensektor investiert. Rund die Hälfte hat der Staat wieder hereingeholt. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Regierung jetzt von einem Gewinn beim Verkauf der Lloyds-Beteiligung spricht. Bei dieser Rechnung würden die Kreditkosten für die milliardenschwere Rettung der Bank nicht berücksichtigt, heißt es. Rechne man diese mit ein, dann ergebe sich für den Staat ein Verlust von sechs Milliarden Pfund.

Auch andere Staaten haben ihre Banken mit Steuergeldern gerettet. In den USA haben die Banken diese Staatshilfe aber bereits 2009 zurückgezahlt. In Deutschland ist der Staat bis heute der größte Commerzbank-Anteilseigner.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×