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03.05.2013

11:02 Uhr

Londoner Investmentbanker

Commerzbank lenkt im Bonus-Streit ein

Ihren Londoner Investmentbankern hatte das deutsche Institut Prämien in Millionenhöhe versprochen. Doch wegen der Finanzkrise strich die Commerzbank die Boni zusammen. Die Banker klagten – und bekamen Recht.

Die Commerzbank lenkt im Streit mit Londoner Investmentbankern ein. Reuters

Die Commerzbank lenkt im Streit mit Londoner Investmentbankern ein.

FrankfurtDie Commerzbank gibt in dem seit dreieinhalb Jahren schwelenden juristischen Tauziehen um Boni für Investmentbanker der Dresdner Bank in London auf. Die Erfolgsaussichten in dem Verfahren seien gering, die Bank werde daher nicht erneut gegen das zu Gunsten der Banker ergangene Urteil in Berufung gehen, sagte eine Commerzbank-Sprecherin am Freitag in Frankfurt. „Wir wollen dieses schwierige Kapitel, das viel über die früheren Fehlentwicklungen im Investment-Banking aussagt, nun abschließen, um unseren Blick auf neue Herausforderungen richten zu können.“

Damit muss die Bank endgültig 104 früheren Investmentbankern 52 Millionen Euro nachzahlen, die sie ihnen in der Finanzkrise als Bonus versprochen hatte. Ein Londoner Gericht hatte die Beschwerde der Commerzbank gegen ein entsprechendes Urteil vor einer Woche abgewiesen. Mit Zinsen und Prozesskosten kommen auf die Bank nun rund 70 Millionen Euro zu. In der ersten Instanz am High Court hatte Richter Robert Owen der Commerzbank im Mai 2012 vorgeworfen, sie habe die vertraglichen Rechte der Mitarbeiter auf dem „Altar der öffentlichen Meinung“ geopfert.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Verantwortlichen von Dresdner Kleinwort hatten vor der Fusion mit der Commerzbank einen Bonustopf von insgesamt 400 Millionen Euro ausgelobt, unter anderen um die Mitarbeiter in der Finanzkrise bei der Stange zu halten. Nach der Übernahme durch die Commerzbank strich Vorstandschef Martin Blessing die Boni aber radikal zusammen, nachdem Dresdner Kleinwort 2008 einen Verlust von 6,5 Milliarden Euro erwirtschaftet hatte. Die Bank halte das immer noch für richtig und verantwortungsvoll, sagte die Sprecherin.

Vor dem deutschen Bundesarbeitsgericht hatte die Bank sich mit ihrer Argumentation durchgesetzt, auch in Italien und Japan blitzten Mitarbeiter bei Gericht ab. Doch die meisten Dresdner-Investmentbanker hatten britische Arbeitsverträge.

Von

rtr

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