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13.11.2013

19:35 Uhr

LSE-Chef Rolet

„Zahl der Börsenbetreiber wird schrumpfen“

ExklusivDie Konsolidierung unter den Börsenbetreibern ist im vollem Gange. Xavier Rolet, Chef der Londoner Börse LSE, wagt eine Prognose: Langfristig könnten weltweit nur noch vier bis fünf Börsenbetreibern übrig bleiben.

Xavier Rolet, Chef der London Stock Exchange, will besser sein als die Deutsche Börse. AFP

Xavier Rolet, Chef der London Stock Exchange, will besser sein als die Deutsche Börse.

DüsseldorfXavier Rolet, der Chef der Londoner Börse London Stock Exchange (LSE), rechnet mit einer weiteren Konsolidierung der Börsenlandschaft. „Ich glaube, langfristig betrachtet wird es weltweit nur noch Platz für vier oder fünf globale Börsenanbieter geben, davon einen oder zwei globale Börsenanbieter mit Sitz in der EU“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Ich hoffe, dass Großbritannien Sitz eines solchen großen Players sein wird“, ergänzt Rolet.

Die Konsolidierung begründet er vor allem mit einem Faktor: „Großkunden wollen nicht nur eine sichere, sondern auch eine kostengünstige Möglichkeit, ihre Risiken abzusichern und einen liquiden Handelsplatz zu nutzen.“ Hinzu käme als Konsequenz der Finanzkrise ein globales Regel- und Aufsichtssystem. Rolet: „Auch das begünstigt den Trend zur Konsolidierung.“

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Um den Anschluss an die großen Börsenanbieter nicht zu verlieren, setzt die LSE auf organisches Wachstum, Partnerschaften und Kooperationen. Wachstumsmöglichkeiten sieht er künftig vor allem im Clearing-Geschäft. „Clearinghäuser werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da ein Teil der bisher außerbörslich gehandelten Derivate ab Ende 2013 über sie abgewickelt werden soll“, sagt der LSE-Chef.

„Wir glauben, dass unser Modell langfristig besser ist als die geschlossenen Silos anderer Börsen, wie etwa das der Deutschen Börse, die vom Handel bis zur Abwicklung und Verrechnung alles anbietet, aber nicht allen Kunden öffnet.“

Von

slo

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