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20.12.2016

14:03 Uhr

LSE und Deutsche Börse

Euronext mischt mit im Ringen um die Börsenfusion

Um kartellrechtliche Bedenken für ihre Fusion mit der Deutschen Börse auszuräumen, will die LSE ihre französische Clearing-Sparte an Euronext verkaufen. Experten zweifeln, ob den EU-Wettbewerbshütern das genügt.

Der englische Börsenbetreiber bereitet sich auf die Fusion mit der Deutschen Börse vor. dpa

London Stock Exchange

Der englische Börsenbetreiber bereitet sich auf die Fusion mit der Deutschen Börse vor.

FrankfurtDie Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) planen Zugeständnisse an Frankreich, um von den Wettbewerbshütern grünes Licht für ihre Fusion zu bekommen. Es gebe exklusive Verhandlungen, das französische Abwicklungshaus Clearnet SA an die in Paris beheimatete Mehrländerbörse Euronext zu verkaufen, teilten beide Börsenbetreiber am Dienstag mit. Sie hoffen auf diese Weise auch die französische Politik milde zu stimmen, die in Brüssel bisher Stimmung gegen die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion macht.

Der französische Finanzminister Michel Sapin hat gewarnt, durch die Fusion von Deutscher Börse und LSE könne ein übermächtiger Konzern entstehen, der einen Großteil der Finanzmarktinfrastruktur in Europa kontrolliere. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass sich die EU-Kommission das ansieht und die Entstehung einer dominanten Marktposition verhindert”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters im Mai. Aus Sicht von Experten treibt Frankreich die Sorge um, dass die Euronext durch den Deal noch weiter an den Rand gedrängt wird.

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Die EU-Kommission hat weiter Bedenken wegen der Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange. Die Liste der Bedenken ist zwar kürzer geworden, aber ein wichtiger Aspekt bereitet den Kommissaren Sorgen.

Doch nun könnte Frankreich ins Grübeln kommen, denn an einer Übernahme von Clearnet SA hat die Euronext großes Interesse. Clearinghäuser springen ein, wenn am billionenschweren Derivatemarkt ein Handelspartner ausfällt. So sollen die Transparenz und die Sicherheit des Finanzsystems erhöht werden. Auf Druck der Politik müssen künftig mehr Derivategeschäfte über Clearinghäuser abgewickelt werden. Für die Börsenbetreiber gewinnt das Nachhandelsgeschäft auch deshalb an Bedeutung, weil die Margen im Handel seit Jahren unter Druck stehen.

Die Zustimmung der EU-Kommission und der hessischen Börsenaufsicht sind die größten verbliebenen Hürden für den Zusammenschluss von Deutscher Börse und LSE. Die EU hat beiden Unternehmen vergangene Woche Insidern zufolge in einem Schreiben deutlich gemacht, dass sie eine marktdominierende Stellung der fusionierten Börse bei der Abwicklung von Derivategeschäften (Clearing) in Europa fürchtet.

Die Konzerne hoffen, diese Bedenken durch den Verkauf von Clearnet SA ausräumen zu können. Experten wie der Analyst Jonathan Goslin vom Broker Numis gehen jedoch davon aus, dass die Börsenbetreiber dafür noch weitergehende Zugeständnisse machen müssen.

Die Fusionspartner hatten sich bereits im September grundsätzlich bereit erklärt, Clearnet SA zu verkaufen. Berücksichtigt wurde dies im jüngsten EU-Schreiben allerdings noch nicht, da der Verkauf in Brüssel bisher formell noch nicht eingereicht wurde. Dies soll nun vermutlich im Januar geschehen.

An Clearnet SA, die zur LSE-Tochter LCH.Clearnet gehört, waren Insidern zufolge auch die US-Börsenbetreiber ICE und CME interessiert. Die ICE wollte sich dazu nicht äußern, von der CME war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Von

rtr

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