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09.09.2011

20:55 Uhr

Ludwig Poullain

„Das endet mit dem großen Knall“

VonSven Prange

Ludwig Poullain war als Chef der West LB einer der letzten echten Bankiers in Deutschland. Was seine Nachfolger in der Finanzindustrie anstellen, schockiert den Pensionär – und er findet klare Worte.

Ludwig Poullain, Ex-West-LB-Chef. Dominik Asbach

Ludwig Poullain, Ex-West-LB-Chef.

DüsseldorfHandelsblatt: Es scheint, als sei die Welt für die Politik und für Vorstände noch nie so komplex gewesen, wie in diesen Tagen. Wir haben eine Bankenkrise, von der wir nicht wissen, ob es in Wirklichkeit nicht eine Staatskrise ist und eine Staatskrise, von der wir nicht wissen, ob es nicht doch eine Bankenkrise ist. Währungen fahren auf und ab, Volkswirtschaften drohen Pleite zu gehen, Sicherheiten werden zu Unsicherheiten. Verstehen Sie das noch?

Poullain: Um es einmal in der Sprache der Segler auszudrücken: Es ist schwer, derzeit einen Anker zu finden. Es gibt ja keine Vorgänger für diese Gemengelage, keine Schubladen, aus denen man Lösungen ziehen könnte.

Vieles in der Diskussion um die Rolle der Banken der vergangenen Tage erinnert stark an die Situation rund um den Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008. Wenn Sie auf die Situation an den Märkten schauen: Haben uns die Banken an den Rand eines erneuten Desasters getrieben, oder haben die Staaten mit ihrer überbordenden Schuldenpolitik erst die nächste Bankenkrise heraufbeschworen?

Sollten wir nicht lieber darüber reden, wofür überhaupt wir Banken brauchen. Das ist doch die entscheidende Frage. Oder noch deutlicher gefragt:  Brauchen wir Banken überhaupt noch?

 

Brauchen wir sie noch?

Zunächst mal stellen wir fest, dass sie ihre Aufgabe innerhalb der Wirtschaft völlig verändert haben. Aus Dienstleistern, die produzierende Unternehmen mit Geld versorgen, sind Produzenten geworden.

Wir müssen lernen, dass Geld nicht gleich Geld ist. Man muss zwischen konkretem und abstraktem Geld unterscheiden.

 

Zum Beispiel?

Ich bin mal ganz einfach: Für das Geschäftsjahr 2010 haben die Deutsche Bank und Daimler in etwa einen ähnlichen Bruttogewinn. Sie zahlen beide die gleichen Steuern und Dividenden. Was aber machen Sie mit dem Rest des Gewinns? Daimler investiert in Forschung und Entwicklung und verbessert seine Produktionsabläufe. Die Deutsche Bank legt das Geld zur Seite um damit neues Geld zu produzieren.

Daimler verwendet das Geld im produktiven Sinne für die Volkswirtschaft, das Geld der Deutschen Bank aber wird abstrakt verwenden, es hat keinen produktiven Sinn für die Gesellschaft.

Kommentare (57)

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Zentral

09.09.2011, 21:25 Uhr

"Ein wahres Wort, gelassen ausgesprochen". Wer Ohren hat, der höre und hat, so ist zu hoffen seine Dispositionen im Vorfeld auf einen "goldenen" Fuß gestellt.

Zimmer

09.09.2011, 21:27 Uhr

"Gerhard Schröder hat es wenigstens noch gewagt, seiner eigenen Klientel etwas zuzumuten."

Ja, das hat er. M.E. war und ist die schlechte Personalauswahl die größte Schlappe der SPD in ihrer Geschichte. Kein Politiker hat seine eigenen Wähler so ausgenommen, um ...
(ich denke exemplarische an Riesterrente, AWD, Rührup, Riester, Eon, ...)
Verwerflich an der Sache ist, dass er es den Ärmsten angetan und die SPD die Kulisse selbst gestellt hat.

Herr Poullain ist heute noch ein Mann, der das Wort wie ein Florett führt. Schade für sein biologisches Alter.

hansmeiser

09.09.2011, 22:11 Uhr

Außer der Bemerkung, dass die Merkelschen Fehlleistungen durch ihre DDR -Biografie begründet sind, (man bedenke nur die Handlungen Schäubles, und BW lag m.E. nicht in der DDR) meine vollste Zustimmung.

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