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24.02.2015

18:04 Uhr

Luxemburger Offshore-Konten

Steuer-Razzia bei der Commerzbank

Steuerermittler haben am Dienstag Medienberichten zufolge die Zentrale der Commerzbank durchsucht. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Im Fokus: die Luxemburger Tochter und Offshore-Konten.

Razzia bei der Commerzbank

Im Visier der Steuerfahnder

Razzia bei der Commerzbank: Im Visier der Steuerfahnder

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Düsseldorf, FrankfurtIn der Bankenbranche bahnt sich der nächste „Leaks“-Skandal an. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ und den Fernsehsendern WDR und NDR haben am Dienstag Ermittler Razzien gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher und mögliche Helfer auf Institutsseiten durchgeführt. Auslöser sind einmal mehr angekaufte Steuerdaten. Im Kern geht es um Offshore-Geschäftsmodelle Luxemburger Banken. Mittelpunkt der Razzia am Dienstag war dem Bericht zufolge jedoch die Frankfurter Konzernzentrale der Commerzbank.

Konkret geht es, so die „Süddeutsche“, um den Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei der Luxemburger Commerzbank-Tochter. Auch der Verdacht der Geldwäsche läge in manchen Fällen vor. 150 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Polizisten waren an den Durchsuchungen mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz beteiligt. Die jetzt untersuchten Verdachtsfälle seien nur ein kleiner Teil der insgesamt vorliegenden Daten, die der SZ in Gänze vorlägen. Es soll um tausende Offshore-Firmen mit Eigentümern in aller Welt gehen.

Ein Commerzbank-Sprecher erklärte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa, die Bank habe „Interesse an einer schnellen umfassenden Aufklärung und unterstützt selbstverständlich die Behörden aktiv und in vollem Umfang“. Das Ermittlungsverfahren beziehe sich auf Altfälle, die zehn Jahre und länger zurücklägen. Die Fälle würden auch unternehmensintern aufgearbeitet. Der Steuerstatus sämtlicher Kunden in Luxemburg müsse geklärt sein. Der Sprecher betonte: „Die Commerzbank lehnt Geschäftsbeziehungen zu Kunden, deren Steuerstatus nicht geklärt ist, grundsätzlich ab.“

Beim Offshore-Modell werden Vermögen in Steueroasen angelegt und vor den Finanzbehörden versteckt. Im konkreten Fall ging es um die Eröffnung von Briefkastenfirmen im mittelamerikanischen Panama. Dort gilt etwa die Finanzaufsicht als wenig bis gar nicht ausgeprägt. Allerdings gibt es einen Haken: Ein Offshore-Geschäft muss an sich nicht illegal sein. Werden komplexe Steuersysteme genutzt, um das eigene Vermögen umzuschichten, gibt es kaum eine Grundlage für Strafverfolgung.

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Nach Informationen der beteiligten Medien stammen die aktuellen Unterlagen von der Mossack Fonseca Group, den die SZ als „weltweit agierender Anbieter von Briefkastenfirmen“ bezeichnet. Es ginge um mehrere tausend Fälle rund um den Globus. Die Daten zeigen laut WDR und NDR, dass Kunden über die luxemburgische Tochter der Commerzbank Briefkastenfirmen bei Mossack kaufen konnten. Die Offshore-Firmen wiederum eröffneten Konten in Luxemburg oder der Schweiz. Diese Verschleierungstaktik, so die Fernsehsender, hätte die Gelder letztlich nicht mehr nachverfolgbar gemacht.

Die Daten wurden vor einigen Monaten von der Staatsanwaltschaft Wuppertal angekauft, angeblich für eine Million Euro. Es soll sich um 80 Gigabyte Kundendaten, Dokumente und Urkunden handeln. Mit dabei sei auch eine sechsstellige Datensammlung von Geschäfts-E-Mails der Mossack Fonseca Group.

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Nach den sogenannten Luxemburg-Leaks ist das bereits der zweite Fall innerhalb eines Jahres, der zumindest fragwürdige Praktiken auch deutscher Steuerzahler und Unternehmen ans Licht bringt. Durch Lux-Leaks wurden zudem die Ausmaße des Apparats bekannt, der Unternehmen und Privatpersonen systematisch bei der Steueroptimierung berät. Damals wie heute verweigern die luxemburgischen Behörden die Kooperation. So konnte auch die eigentlich für Dezember angesetzte Razzia erst jetzt stattfinden. Inwieweit das die Beweisaufnahme belastet, ist unklar. Und auch, ob sich rechtliche und strafrechtliche Konsequenzen aus den gesammelten Daten ergeben.

Von

alm

Kommentare (6)

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Herr Peter Rall

24.02.2015, 19:36 Uhr

Helfen könnte da, solche Steuerparadiese wie Cayman, Luxenburg, Lichtenstein aus dem Swift zu nehmen. Würde zu mehr Rechtssicherheit und Steuerehrlichkeit führen.

Herr Markus Gerle

25.02.2015, 09:08 Uhr

Vergessen Sie es. Zumindest die Crime-States Liechtenstein und Luxemburg wird man weiterhin bei der Ausübung ihrer Verbrechen gewähren lassen. Neben Steuerhinterziehung gehört dazu ja auch Anlegerbetrug im ganz großen Stil. Überlegen Sie mal, warum in der Presse kaum über den aus Liechtenstein heraus begangenen Anlegerbetrug berichtet wird. Ich sag nur Swiss Life, Volksbank Liechtenstein und K1. Selbst die Justizministerin von Liechtenstein hängt bzw. hing da mit drin. Die Deutschen werden weiterhin ahnungslos gelassen. Luxemburg müsste z. B. längst aus der EU rausgeflogen sein. Liechtenstein ist noch nicht einmal in der EU. Warum Banken aus Liechtenstein daher nicht zumindest die Banklizenz in Deutschland entzogen wird, ist mir ein Rätsel. Aber wie gesagt, ich vermute mal, dass unsere Politik selbst ein Interesse am fortgesetzten Betrug aus den beiden Ländern hat.

Herr manfred weiß

25.02.2015, 17:42 Uhr

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