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12.01.2004

16:45 Uhr

LVMH bekommt vor Gericht Recht

Morgan Stanley muss für Rufschädigung zahlen

In einem in der französischen Wirtschaftsgeschichte einmaligen Fall wurde die US-Investmentbank Morgan Stanley zu einer Schadenersatzzahlung in Millionenhöhe verurteilt. Die Analysten der Bank sollen mit tendenziellen Berichten dem Luxusgüterkonzern LVMH geschadet haben.

HB PARIS. Das Pariser Handelsgericht sprach dem französischen Champagner- und Parfümanbieter LVMH am Montag 30 Mill. € wegen Rufschädigung zu und benannte einen Experten, der den materiellen Schaden für LVMH ermitteln soll.

Morgan Stanley bezeichnete das Urteil als „Science Fiction“ und kündigte Berufung an. Der deutsche Analystenverband DVFA hatte schon Ende 2002 gewarnt, bei einem Erfolg der Klage könne „kein Analyst mehr unabhängige Empfehlungen abgeben“. Der Kleinanleger werde dann „völlig allein gelassen“. Der DVFA fürchtet, Unternehmen könnten nun leichter Druck auf Analysten ausüben, positive Studien vorzulegen.

Die Moët-Hennessy - Louis Vuitton SA (LVMH) fordert insgesamt 100 Mill. € Schadenersatz und Zinsen. Sie wirft Analysten der Investmentbank vor, nach 1999 bei Berichten über die Kurschancen der LVMH-Aktie Interessenkonflikten erlegen zu sein und den Konzern benachteiligt zu haben. Morgan Stanley hatte den Luxuswarenhersteller Gucci 1999 bis 2001 bei der Abwehr eines Übernahmeversuchs von LVMH beraten. Mit den Analysen der LVMH-Aktie soll Morgan Stanley den Interessen Guccis gedient haben. Gucci gehört mittlerweile zum großen LVMH-Konkurrenten Pinault-Printemps-Redoute (PPR).

Morgan Stanley wies die Vorwürfe stets zurück. Alle negativen Aussagen zu LVMH seien berechtigt gewesen. In einer Gegenklage verlangte Morgan Stanley von LVMH zehn Mill. € Schadenersatz und Zinsen sowie in 20 Zeitungen und Zeitschriften die Veröffentlichung der erhofften Verurteilung des französischen Konzerns. In dem ersten französischen Urteil über die Unabhängigkeit der Aktienanalysten gaben die Richter jedoch LVMH recht.

Als Konsequenz aus dem Konflikt wurde auch in Frankreich 2003 das Prinzip der „chinesischen Mauern“ eingeführt, das eine strikte Trennung von Unternehmensberatung und Aktienanalyse vorschreibt. Der Bericht über den materiellen Schaden, der LVMH durch die Analysen entstanden ist, soll bis zum 30. April vorgelegt werden.

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