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02.01.2009

14:32 Uhr

Madoff-Skandal

Medici-Bank bekommt einen Aufpasser

Nachdem die österreichische Bank Medici durch Verwicklungen in den Madoff-Skandal einen Milliarden-Schaden erlitt, hat nun die Finanzmarktaufsicht des Landes reagiert. Ein Vertreter der Regierung wird die Geschäfte überwachen.

HB WIEN. Das geschehe "zum Schutz der finanziellen Belange der Gläubiger", teilte die Aufsichtsbehörde am Freitag mit. Regierungskommissär Gerhard Altenberger muss der Privatbank nun alle Geschäfte untersagen, die geeignet sind, die Gefahr zu vergrößern. Die Privatbank kündigte an, sie wolle "konstruktiv mit dem Regierungskommissär zusammenarbeiten und sämtliche Maßnahmen setzen, um größtmögliche Transparenz und Effizienz bei der Lösung der aktuellen Herausforderungen zu gewährleisten".

Die Geschäftsleiter Peter Scheithauer und Werner Tripolt erklärten mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt. In den kommenden Tagen will der Aufsichtsrat eine neue Vorstandsspitze präsentieren. Die Bank hatte über Fonds mutmaßlich mehr als drei Milliarden US-Dollar bei dem US-Betrüger Bernard Madoff investiert. In Unterlagen und Fonds-Prospekten sei nicht ersichtlich gewesen, dass die Gelder lediglich in ein Schneeballsystem investiert werden.

Die Bank Medici hatte noch am Freitag betont, "stets sämtliche gesetzliche und vertragliche Bestimmungen sorgfältig eingehalten" zu haben, sie sieht daher keine Rechtsgrundlage für Schadenersatzklagen. Noch seien keine derartigen Ansprüche oder sonstige Forderungen gestellt worden, teilte das Institut mit.

In den kommenden Wochen will der Aufsichtsrat außerdem "ein neues und den aktuellen Umständen angepasstes Businessmodell" verabschieden, wie die Bank mitteilte. Das Geldhaus hatte den Großteil seiner Geschäfte mit Fonds gemacht.

Die Privatbank war in den Strudel des milliardenschweren Schneeball-Systems geraten, das der New Yorker Aktienbroker Madoff betrieben hat. Die Bank Medici gehört zu 75 Prozent der österreichischen Bankerin Sonja Kohn und zu 25 Prozent der UniCredit-Tochter Bank Austria (BA- CA). Auslöser der Probleme sind Fonds, die ihr Geld bei Madoff angelegt haben. Kohn gehört zu den Mitinitiatoren der betroffenen Fonds.

Die Bank sprach bisher von einem Investitionsvolumen von 2,1 Milliarden Dollar. Nach Informationen der österreichischen Zeitung „Der Standard“ sollen es sogar 3,6 Milliarden Dollar gewesen sein. Es geht dabei größtenteils um vermittelte Kundengelder. Das Fondsgeschäft soll laut Medienberichten den Löwenanteil der Einnahmen der Bank ausgemacht haben. Mehrere Medien hatten in den vergangenen Tagen bereits über eine bevorstehende Kontrollübernahme durch den Staat berichtet.

In dem wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte richtete Madoff nach eigenen Angaben einen Schaden von bis zu 50 Milliarden Dollar an. Der 70-Jährige, über Jahrzehnte ein angesehener New Yorker Aktienbroker, hatte vor rund drei Wochen den Behörden zufolge den Milliarden-Betrug gestanden und steht derzeit in Manhattan unter Hausarrest. Bei einem „Schneeball-System“ werden typischerweise die versprochenen hohen Zinsen mit dem Geld immer neuer Investoren bezahlt, ohne dass es tatsächliche Gewinne gibt.

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