Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2013

16:18 Uhr

Manipulation am Devisenmarkt

Goldman Sachs gerät ins Visier der Ermittler

Nach Citigroup, JP Morgan und Barclays ermitteln die Behörden nun auch gegen Goldman Sachs wegen möglicher Manipulation von Devisenkursen. Händler der Banken sollen sich abgesprochen haben. Der Skandal weitet sich aus.

Händler von Goldman Sachs: Gegen die Bank laufen Ermittlungen im Skandal um die Manipulation von Devisenkursen. ap

Händler von Goldman Sachs: Gegen die Bank laufen Ermittlungen im Skandal um die Manipulation von Devisenkursen.

New YorkGegen Goldman Sachs sind Untersuchungen wegen möglicher Manipulationen von Devisenkursen im Gange. Das meldete das Unternehmen am Donnerstag in einer Pflichtmitteilung aus New York. Die Liste von Finanzprodukten und damit verbundenen Aktivitäten, die Gegenstand der Untersuchungen sind, sei um Devisen und Rohstoffe ergänzt worden; auch Optionshandel sowie technische Systeme und Kontrollen seien auf die Liste aufgenommen worden, so die Mitteilung.

Die Ermittler untersuchten beim Unternehmen die „Handelsaktivitäten und die Kommunikation im Zusammenhang mit der Festsetzung von Benchmarksätzen“, so Goldman Sachs. Die Firma „kooperiert mit allen solchen regulatorischen Untersuchungen und Prüfungen“, hieß es weiter.

Mindestens acht Banken, darunter Citigroup und JP Morgan, haben erklärt, dass sie Ziel behördlicher Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Devisenmarkt seien und dass sie mit den Behörden kooperierten. Citigroup, JP Morgan und Barclays haben im Zusammenhang mit der Untersuchung einige ihrer hochrangigsten Devisenhändler suspendiert oder beurlaubt. Keinem wurde bislang jedoch Fehlverhalten vorgeworfen.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Die US-Notenbank Federal Reserve überprüfe rechtliche und regulatorische Ausnahmen, die es Banken wie Goldman Sachs erlaubt haben, Rohstoffe wie Öl, Kohle und Metalle zu handeln und zu besitzen, sagte eine informierte Person im Oktober.

Bloomberg News berichtete im Juni, dass Devisenhändler aus der Branche erklärt hatten, sie hätten mittels Chats Informationen über ihre Positionen ausgetauscht, ihre eigenen Transaktionen vor den Aufträgen ihrer Kunden ausgeführt und versucht, die WM/Reuters-Sätze zu manipulieren, indem sie Transaktionen vor dem und während des 60-Sekunden-Fensters durchführten, in dem die Benchmarks festgelegt werden.

Die WM/Reuters-Sätze legen fest, wieviel Pensionsfonds und Vermögensverwalter für ihre Devisen zahlen, und sie werden von Indexanbietern wie FTSE Group oder MSCI verwendet, um die täglichen Werte ihrer Indizes zu berechnen, die mehrere Währungen umfassen. Auch kleine Bewegungen können den Wert von Anlagegeldern, unter anderem auf Pensions- oder Sparkonten, die weltweite Indizes nachbilden, verändern.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.11.2013, 17:49 Uhr

Na,hat er da schlecht geschmiert,oder warum sonst kommt "Gott,der Herr" nun selbst in Bedrängnis?

Account gelöscht!

07.11.2013, 18:30 Uhr

Warum darf GS Aktien zugleich empfehlen/herabstufen und handeln? Beispiel gefällig? BASF Vekaufsempfehlung aus frühem August 2013 und ZUGLEICH massive Spekulation auf...na was wohl? DAS ist Insider PUR.

Hannes

08.11.2013, 16:17 Uhr

Was soll die Überschrift?
"Goldman Sachs gerät ins Visier der Ermittler"
Will man uns glauben machen, wir würden in einer gerechten Welt leben?
Jetzt geht´s den Typen an den Kragen? Ha, bald ist deren Spiel vorbei. Der lange Arm des Gesetzes, jaja. Die gehen bestimmt demnächst alle ins Gefängnis!
Hält die Presse die Bürger wirklich für so doof?

Diese Typen haben sich dieses System selbst geschaffen. Mit einer Rüstung aus Politik, Medien und Justiz.
Da passiert überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: es wird immer schlimmer werden. Bis dieser Abschaum seine Ziele erreicht hat.
Und dann wird alles jammern: Oh das haben wir doch gar nicht gewußt! Man hat uns belogen! Gemein, gemein!
Und dann möche ich mal sehen, wie die Menschen diesen Dreck wieder loswerden wollen. Bestimmt mit irgend welchen Wahlen.
Man könnte sich kaputt lachen, wenn´s nicht so traurig wäre!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×