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13.11.2014

11:17 Uhr

Manipulationen bei der UBS

„Krank, was die da treiben“

„Zero Tolerance“, null Toleranz – die vollmundigen Worte von UBS-Chef Sergio Ermotti hallen vielen noch im Ohr. Doch die jüngsten Enthüllungen um das Geschäftsgebaren der Bank zeigen: Genützt haben die Worte wenig.

UBS-Chef Ermotti steht in der Kritik: „Das ist der schwerste Fall, den wir je gesehen haben.“

UBS-Chef Ermotti steht in der Kritik: „Das ist der schwerste Fall, den wir je gesehen haben.“

DüsseldorfNull Toleranz, das versprach Sergio Ermotti, als er vor drei Jahren sein Amt an der Spitze der Schweizer Großbank UBS antrat. Die Bank hatte mit zweifelhaften Geschäften der Vergangenheit zu kämpfen. Ermotti wollte aufräumen. Doch neue Dokumente aus einem Bericht der Schweizer Bankenaufsicht Finma lassen ernsthafte Zweifel an diesem Vorhaben aufkommen.

Auch wenn Ermotti in einem internen Brief an seine Belegschaft am Mittwoch harte Worte wählte - nach Einschätzung der Schweizer Bankenaufsicht Finma ist die Führung nicht unschuldig daran, dass die Schweizer Großbank prominent in den Skandal um die Manipulation von Devisenkursen verwickelt ist. „Das Verhalten der beteiligten Personen ist nicht akzeptabel“, schreibt Ermotti. Man habe bereits harte disziplinarische Maßnahmen ergriffen. Doch Rhetorik allein dürfte nicht reichen, um den Sumpf bei der UBS trockenzulegen.

Systematische Kontrollen habe es nicht gegeben oder sie seien ungenügend gewesen, hatte die Schweizer Bankenaufsicht am Mittwoch in einem Untersuchungsbericht festgestellt . Auch Warnungen von Whistleblowern seien nicht oder kaum beachtet worden. Händler der UBS hätten sich ungeniert in Chatrooms mit anderen Händlern absprechen und an Devisenkursen schrauben können. Das brachte ihnen und der Bank praktisch ohne Risiko Gewinne ein, die auf Kosten der Kunden gingen. „Das ist der schwerste Fall, den wir je gesehen haben“, sagte der Finma-Chef und frühere UBS-Manager Mark Branson. Die gleichen Tricksereien wie bei den Devisen fanden die Kontrolleure auch im Edelmetallhandel etwa bei Silber.

„Insbesondere kam es zwischen den Jahren 2010 und 2013 innerhalb des Devisenhandels der Bank im Zusammenhang mit marktmissbräuchlichen Verhaltensweisen zu verschiedenen Whistleblowing-Meldungen betreffend das Markverhalten im Devisenhandel”, hält die Finma in ihrem Bericht zum UBS-Devisen-Betrug fest. Doch die Führung um Ermotti reagierte nicht.

Welche Finanzfirmen für US-Sanktionsverstöße büßen mussten

Verstoß kann teuer werden

Vor BNP Paribas hat die US-Justiz schon eine ganze Reihe an Finanzkonzernen wegen Verstößen gegen Sanktionen gegen Staaten wie den Iran zur Kasse gebeten. Eine Übersicht.

Deutsche Börse (November 2013)

Die Deutsche Börse zahlt 152 Millionen Dollar, weil ihre Tochter Clearstream bei Wertpapierübertragungen eingefrorenes Geld illegalerweise in den Iran überwiesen haben soll.

Standard Chartered (2012)

Mehrere US-Behörden verdonnern die britische Bank Standard Chartered im Jahresverlauf zur Zahlung von insgesamt 667 Millionen Dollar wegen unerlaubter Geschäfte mit dem Iran.

ING (Juni 2012)

Der niederländische Finanzkonzern ING zahlt 619 Millionen Dollar wegen Geschäften mit Iran und Kuba.

RBS (Mai 2010)

Die Royal Bank of Scotland zahlt 500 Millionen Dollar für Geschäfte der übernommenen niederländischen ABN Amro mit dem Iran, Libyen, dem Sudan, Kuba und anderen sanktionierten Staaten.

Credit Suisse (Dezember 2009)

Die Schweizer Credit Suisse büßt mit 536 Millionen Dollar für Geschäfte mit dem Iran und anderen Staaten.

Lloyds (Januar 2009)

Die britische Bank Lloyds zahlt 350 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen Iran- und Sudan-Sanktionen.

In den Chatprotokollen, die nun von der Finma teilweise öffentlich gemacht wurden, prahlen die Banker ganz offen mit ihren Taten. Ein UBS-Banker schreibt darin: „Ich habe Front Running betrieben bei jedem einzelnen Angebot in US-Dollar-Yen und Euro-Yen.” Als Front Running bezeichnen Börsenhändler das Ausnutzen von vertraulichem Wissen zum eigenen Vorteil. Ein weiterer Händler freut sich über die Gewinne aus den illegalen Geschäften. „Das sind geile Hunde da am […]Desk. Krank ist das, was die da treiben.“

Gingen die Absprachen auf, jubelten die Händler gemeinsam. „Hurra, tolle Teamarbeit“, schrieb ein Händler laut Chat-Protokoll, ein anderer lobt sich selbst: „Ihr könnt mich Legende nennen!!! Front Run Legende!.“

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

13.11.2014, 11:41 Uhr

Front running, andere Spekulationen und halbseidene Vorteilsnahme werden objektiv begünstigt von Intransparenz, Informationsrückbehalt, bewusste Komplotte und mangelndes Unrechtsbewusstsein - nicht nur bei den unmittelbar Handelnden, sondern vor allem auch bei Politikern, Managern bis zu Aufsichtsräten, von den Eignern ganz zu schweigen.

Hinzu tritt eine wirre ungeregelte Regulation, die in allen Ländern anders läuft, gewichtet und praktiziert wird.

Auf diese zu verzichten wäre produktiver im Sinne der Erfinder, denn damit hülfe man all denen, deren Wissen nicht ausreichte, jede Regel umgehen zu können.

Kurz: je verzwickter die Regeln, desto reicher werden die Spezialisten.

Herr Norbert Bluecher

13.11.2014, 12:17 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

13.11.2014, 12:28 Uhr

sind die Strafzahlungen von der Steuer absetzbar? Gebildete Rückstellungen wirken doch erstmal steuermindernd...

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