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26.07.2012

10:04 Uhr

Manipulationsskandal

Lloyds gerät ins Visier der Libor-Ermittler

Doppelt schlechte Nachrichten für Lloyds: Nach Falschberatungen macht die britische Großbank Verluste. Außerdem ermitteln die Behörden nun auch gegen die Briten wegen der mutmaßlichen Manipulation von Marktzinsen.

Für Lloyds sieht es düster aus. Reuters

Für Lloyds sieht es düster aus.

LondonDie größte britische Privatkundenbank Lloyds Banking Group wird nun auch von den Ermittlungen rund um den Libor-Manipulationsskandal erfasst. Zur Gruppe gehörende Töchter hätten Vorladungen und Anfragen zu Informationen von verschiedenen Behörden erhalten, teilte Lloyds am Donnerstag mit. Die betroffenen Bereiche würden mit den Behörden zusammenarbeiten. Intern sei eine gründliche Untersuchung dazu gemacht worden, teilte das Institut mit. Es sei aber nicht abzusehen, wie lange die Ermittlungen andauern und was dabei herauskommen werde.

Der Skandal um die Manipulation des wichtigen Referenzzinssatzes Libor hat die Bankenbranche weltweit erschüttert. Bislang steht die britische Bank Barclays im Zentrum der Vorgänge. Sie muss eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar bezahlen. Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Banken im Visier, darunter die Deutsche Bank.

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Die Banken ernten nach den Libor-Manipulationen harsche Kritik aus Brüssel.

Dabei steckt die britische Großbank schon jetzt tief in den roten Zahlen: Hohe Kosten für Falschberatung haben deutliche Spuren in der Lloyds-Bilanz hinterlassen. Bis Ende Juni stand ein Minus von 641 Millionen Pfund (820,5 Milliarden Euro) in den Büchern, wie die Bank am Donnerstag in London mitteilte. Das war zwar ein um 72 Prozent geringerer Verlust als vor einem Jahr, aber dennoch ein herber Rückschlag für die Bank.

Experten hatten damit gerechnet, dass die teilverstaatlichte Bank einen Gewinn ausweisen würde. Größtes Problem waren abermalige Rückstellungen für die fehlerhafte Beratung bei Kreditausfallversicherungen. Die Belastung lag im zweiten Quartal bei 700 Millionen Pfund. Bis Ende Juni sind es damit bereits knapp 1,1 Milliarden Pfund, die Lloyds dafür zurückstellen musste.

Lloyds-Chef Antonio Horta-Osorio betonte allerdings abermals, dass die Bank operativ auf Kurs sei und die für das laufende Jahr gesetzten Ziele erreichen werde. Diese hatte er allerdings im Februar bereits sehr niedrig angesetzt. So stimmte der Manager die Märkte bereits bei der Vorlage der 2011er-Zahlen auf sinkende Erträge und Margen im laufenden Jahr ein. Zudem verschob Horta-Osorio die mittelfristigen Renditeziele auf die Zeit nach 2014. Die Bank trennt sich wegen der vom Staat erhaltenen Hilfen und der Finanzkrise von zahlreichen Geschäften und Sparten, so dass die Erträge zurückgehen.

Worum es beim Libor-Skandal geht

Was ist der Interbankenmarkt?

Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Geber und Nehmer wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen in die jeweilige Stabilität. Denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieser Handel, der lange reibungslos funktionierte, war nach der Lehman-Pleite 2008 gestört, weshalb die Notenbanken die Privatinstitute immer wieder mit billiger Liquidität versorgen müssen.

Was ist der Libor?

Der Libor - die London InterBank Offered Rate - wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Mit den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz an dem sich alle möglichen Kredite in der Realwirtschaft mit variablen Zinsen orientieren.

Wie kann der Libor überhaupt manipuliert werden?

Das Problem ist die im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft mangelnde Transparenz. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen. Eigentlich sollen die Mitarbeiter, die die Sätze nach London melden, völlig neutral die Daten abliefern. Wie offen sich Händler der Bank mit diesen Mitarbeitern austauschten und absprachen, verdeutlichen etwa von der britischen Finanzaufsicht veröffentlichten internen Mails bei Barclays.

Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?

Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro InterBank Offered Rate - für den Euro. Er wurde 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die höhere Zahl soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen.

Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?

Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung. Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können den Banken dabei in die Karten spielen.

Weiß man, wie viel Geld mit den Zinsmanipulationen „gemacht“ wurde?

Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen US-Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.

Warum ist das nicht früher aufgefallen?

Bis zur Lehman-Pleite 2008 konnten Banken praktisch unkontrolliert schalten und walten. Die Manipulationen und möglichen Absprachen fielen erst auf, weil sich die Libor-Zinsen in der Finanzkrise nicht wie erwartet veränderten.

Gibt es jetzt eine andere Kontrolle der Banken?

Nach der Lehman-Pleite sollte alles besser werden. Weltweit wollte die Politik die Finanzbranche an die Kandare nehmen. Doch der Reformeifer schlief wieder ein. So versucht die britische Regierung etwa, den Finanzplatz London zu schützen. Allerdings führen Skandale wie der Libor-Fall der Politik die Probleme schmerzhaft vor Augen.

Welche Folge hat das für Privatkunden?

Kredite mit variablen Zinssätzen hängen direkt von Libor und Euribor ab. Diese sind in Deutschland allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in Spanien oder Großbritannien. Hierzulande vereinbaren etwa Häuslebauer lieber Kredite mit festen Zinsen.

Beim Abbau der nicht mehr als Kerngeschäft identifizierten Sparten kommt er besser voran als gedacht. Daher werden die Abschreibungen im laufenden Jahr geringer ausfallen als bislang befürchtet. Der Wert dieser Geschäfte soll bis Ende 2014 unter die Marke von 70 Milliarden Pfund sinken. Im ersten Halbjahr sei das Volumen um 23 Milliarden auf 118 Milliarden Pfund gesunken. Die angeschlagene Bank konnte deshalb die Risikovorsorge im ersten Halbjahr bereits deutlich zurückfahren. Zudem sanken die Kosten. Damit konnte Lloyds die niedrigeren Erträge ausgleichen und verdiente operativ etwas mehr als im ersten Halbjahr 2011.

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