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04.12.2013

10:21 Uhr

Manipulationsskandale

Deutsche Bank verbietet Händlern den Chat

VonSebastian Ertinger

Händler großer Banken manipulierten offenbar wichtige Leitzinssätze und Wechselkurse. Die Deutsche Bank hat Konsequenzen gezogen. Deutschlands größtes Geldhaus verbietet seinen Devisenhändlern die Nutzung von Chaträumen.

Die Deutsche Bank verbietet Devisenhändlern den Zugang zu Chaträumen. Reuters

Die Deutsche Bank verbietet Devisenhändlern den Zugang zu Chaträumen.

FrankfurtDie Deutsche Bank verbietet ihren Devisenhändlern den Zugang zu Chaträumen. „Im Bereich Fremdwährungen ist seit dem ersten Quartal die Nutzung von Multi-Party-Chaträumen nicht mehr erlaubt“, bestätigte ein Sprecher auf Nachfrage von Handelsblatt Online. Das Verbot sei mittlerweile auf den gesamten Bereich des Anleihe- und Devisenhandels ausgeweitet worden.

Aufsichtsbehörden und Regulierer hatten zuletzt die elektronische Kommunikation von Händlern ins Visier genommen. Mitarbeiter großer Finanzhäuser hatten über die Chat-Funktionen ihrer Handelsterminals die Manipulation von Referenzzinssätzen und am Devisenmarkt abgesprochen. Die Chaträume dienen eigentlich dazu, dass Händler Wertpapier-Geschäfte einfacher und schneller anbahnen und abschließen können.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor berichtet, dass Deutschlands größtes Geldhaus als Vorsichtsmaßnahme noch vor den jüngsten Ermittlungen wegen Manipulationen im Handel mit Fremdwährungen interne Chats für Devisenhändler verboten habe. Den Angaben der Deutschen Bank zufolge umfasst das Verbot aber die externe Kommunikation, etwa mit Kunden oder Händlern anderer Banken.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Neben der Deutschen Bank erwägen auch andere Großbanken, ihren Händlern die Nutzung von Chaträumen zu verbieten oder haben dies bereits getan. Die Investmentbankensparte der UBS hatte ihren Mitarbeitern Ende November mitgeteilt, dass die Benutzung von Multi-Bank-Chaträumen und von sozialen Chaträumen verboten wird. Die Großbanken JP Morgan Chase und Royal Bank of Scotland Group (RBS) erwägen Medienberichten zufolge ähnliche Schritte.

Im Laufe des heutigen Tages will die EU-Kommission die Höhe der Strafen im Libor-Skandal veröffentlichen, darunter auch die Buße der Deutschen Bank.

Kommentare (6)

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Diplom-Ingenieur

04.12.2013, 10:49 Uhr

Es ist schon erstaunlich, wie Ideen-reich man sein kann, wenn es ums Geld geht. Aber die schlauen Händler werden sich bald etwas Neues einfallen lassen, denn Geld einfach ein Anreiz, dem kaum einer widerstehen kann.

Wahrscheinlich machen alle die Verluste, die sich nur an die Regeln halten. anders herum, wer von uns fährt wirklich in der Stadt 50 und auf der Autobahn nur 120km/h? Regeln und Gesetze sind schließlich dafür da, dass man ihre Grenzen auslotet und sieht,was dann passiert.
So funktioniert u.a. der Lernprozess der Kinder. Nur gestörte Kinder machen nur das, was man ihnen erlaubt.

Hedgehog

04.12.2013, 11:13 Uhr


Wenn man nicht die Kommunikationsplattformen der Terminalanbieter (bspw. Bloomberg Anywhere) nutzen kann, nutzt man eben Big Dough oder zur Not das Telefon. Wer will denn das überwachen.

Account gelöscht!

04.12.2013, 11:16 Uhr

und wie wird die Einhaltung dieses Verbotes kontrolliert? Ist dies überhaupt kontrollierbar? Das is in meinen Augen wieder nur eine populistische Handlung / Anweisung um den Leuten / Politikern Sand ins Auge zu streuen. Mehr nicht.

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