Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2012

11:24 Uhr

Manteltarifverträge gekündigt

Deutsche Bank steht vor Tarifkonflikt

Der Deutschen Bank droht ein Tarifstreit. Der Bankangestellten-Verband fordert eine Gleichstellung der Angestellten der Service-Gesellschaften mit denen der Postbank. Ein Streik könnte die Gehaltsabrechnung lahmlegen.

Der Deutschen Bank droht ein Tarifstreit: die Gewerkschaft hat Manteltarifverträge gekündigt. dapd

Der Deutschen Bank droht ein Tarifstreit: die Gewerkschaft hat Manteltarifverträge gekündigt.

Düsseldorf/FrankfurtDer Deutschen Bank droht ein Tarifstreit mit den Gewerkschaften. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) hat zum 31. März 2012 Manteltarifverträge in vier großen Tochtergesellschaften des Finanzinstituts gekündigt. Der DBV-Verhandlungsführer Stephan Szukalski bestätigte gegenüber Handelsblatt Online einen entsprechenden Bericht der „Welt“ (Mittwoch). Ziel sei es, „grundsätzlich bessere Rahmenbedingungen für die Angestellten“ auszuhandeln. Betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben rund 2500 Angestellte, die Deutsche Bank spricht von 1500 Mitarbeitern.

Grund für die Kündigung der Tarifverträge ist den Angaben zufolge ein Tarifabschluss für Beschäftigte der Deutsche-Bank-Tochter Postbank. Die Angestellten hatten mit Streiks gute Konditionen durchgesetzt und sind dadurch in manchen Punkten besser gestellt als die Angestellten der Deutsche-Bank-Gesellschaften.

Ende des vergangenen Jahres gab es einen Abschluss unter Führung der Gewerkschaft Verdi. Danach haben Angestellte bei der Postbank-GmbH 39 Wochenstunden im Vertrag stehen, während es bei den GmbHs der Deutschen Bank 42 Stunden seien. Die Postbank-Beschäftigten könnten zudem 30 Tage Urlaub machen, die Deutschbanker dagegen nur 27 Tage.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

„Wir wollen eine Gleichstellung“, sagte DBV-Gewerkschafter Szukalski zu Handelsblatt Online. „Man kann in einem Konzern nicht mit zweierlei Maß messen.“ Außerdem gehe es um den Kündigungsschutz für langjährige Arbeitnehmer. „Mitarbeiter, die 20 bis 25 Jahren im Unternehmen sind, sollen nicht mehr betriebsbedingt gekündigt werden“, so Szukalski. Auch Zuschläge für Feiertagsarbeit und Mehrarbeit stünden auf der Agenda.

Zahlreiche Großbanken haben in den letzten Jahren GmbHs ausgegründet - so auch die Deutsche Bank. Dort gilt nicht der branchenweite Bankentarifvertrag, die Banken können dementsprechend viel Geld bei den Gehältern sparen. Die Tochter-Gesellschaften übernehmen Funktionen wie die Gehaltsabrechnung, die Abwicklung von Kontodaten, die Kreditabwicklung und weitere einfache Abrechnungstätigkeiten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×