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06.01.2005

18:48 Uhr

Markt wird auch für private Anbieter interessant

Banken entdecken die Kleinstkredite

VonKatharina Kort

Großbanken entdecken die Finanzierung von Kleinstbetrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern zunehmend als Geschäft. Ein Vorreiter ist der US-Finanzriese Citigroup. Aber auch der niederländische Konzern ABN Amro wirbt mit den so genannten Mikrokrediten.

HB FRANKFURT/M. Deutsche Banken wagen sich langsam vor und stellen nicht mehr Wohltätigkeitsaspekte bei solchen Engagements in den Vordergrund, sondern wollen mit den Kleindarlehen Geld verdienen. Entwicklungshilfeorganisationen begrüßen die Aktivitäten der Banken.

Die Vereinten Nationen haben 2005 zum „Jahr des Mikrokredits“ ausgerufen. Mit kleinen Krediten (siehe „Vertrauenssache“) sollen sich arme Menschen mit einem eigenen Geschäft eine Lebensgrundlage aufbauen – ob als Schneiderin in Brasilien oder mit einer Garküche in Thailand. Solche Darlehen wären auch eine gute Wiederaufbauhilfe nach der verheerenden Flut im Indischen Ozean.

Noch ist der Markt sehr stark von Nicht-Regierungs-Organisationen und anderen wohltätigen Vereinigungen besetzt. Doch auch private Anbieter könnten Erfolge vorweisen, berichtet Gabriela Braun, die bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für den Bereich Finanzsystementwicklung zuständig ist. Ein Beispiel ist die Frankfurter Kapitalgesellschaft Imi AG, die über ihre Procredit-Banken weltweit Kredite vergibt. Insgesamt hat die Gesellschaft 950 Mill. Euro Kredite ausstehen und arbeitet mit einer Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent durchaus profitabel. Die Ausfallquote liegt bei weniger als ein Prozent. Gabriel Schoor, Geschäftsführer der Imi führt die geringen Ausfallquoten vor allem auf das ausgefeilte Kreditsystem zurück: „Der Schlüssel liegt in unserer Kredittechnologie, die auf genaue Informationen setzt“, erklärt er. So nehmen die Kreditsachbearbeiter außer dem Marktumfeld auch die Einkommen anderer Familienmitglieder und das soziale Umfeld unter die Lupe. „Wir analysieren den Cash-Flow der familiären Einheit für die vergangenen Jahre“, erklärt Schoor. Und wer säumig sei, werde sofort angesprochen.

Das Geschäftspotenzial ist groß: Immerhin machen Kleinstfirmen weltweit schätzungsweise 80 Prozent der Unternehmen insgesamt aus. Und nur fünf Prozent dieser rund 500 Millionen Unternehmer haben Zugang zu Finanzdienstleistungen.

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