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20.05.2015

09:36 Uhr

Marktmanipulation

UBS kommt in den USA billig davon

VonHolger Alich

Nach diversen Skandalen ist UBS quasi Stammkundin beim US-Justizministerium. Doch die Schweizer Großbank arbeitete im Falle der Devisenmarkt-Manipulation mit den Behörden zusammen - und das zahlt sich nun aus.

UBS in New York: Die US-Behörden haben im Devisenskandal das Strafmaß für die Schweizer Großbank festgelegt. Reuters

UBS

UBS in New York: Die US-Behörden haben im Devisenskandal das Strafmaß für die Schweizer Großbank festgelegt.

ZürichFür die Schweizer Großbank UBS hat sich die Kooperation mit dem US-Justizministerium gelohnt: Sie kommt von allen fünf beschuldigten Banken am billigsten weg. So verzichtet das US-Justizministerium im Fall der Devisenmarkt-Manipulationen ganz auf eine Buße für die Schweizer Großbank. An die US-Notenbank Fed muss UBS 342 Millionen Dollar dafür zahlen, dass die internen Kontrollen versagt haben.

Allerdings verlangt das Justizministerium, dass UBS nachträglich für den Libor-Fall ein Schuldeingeständnis auf Konzernebene abgibt und hierfür noch eine zusätzliche Buße von 203 Millionen Dollar zahlt, heißt es aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen.

Die Börse reagierte erfreut auf die Einigung. Mit einem Kursplus von über zwei Prozent verzeichnete die UBS-Aktie am morgen den größten Kursanstieg im Schweizer Leitindex SMI. „Die Bußenhöhe ist tiefer als erwartet“, kommentierte Andreas Brun von der Zürcher Kantonalbank. Die Kosten für den Devisen-Fall drohen daher nicht mehr, dass UBS das selbst gesteckte Ziel einer Eigenkapitalquote von 13 Prozent unterschreitet. Damit „steht einer hohen zukünftigen Ausschüttung nichts mehr im Wege.“

Andreas Venditti von der Bank Vontobel erwägt nun sogar, die Gewinn- und Dividendenschätzung zu erhöhen. „Wir erwarten nicht, dass das Schuldanerkenntnis in dem Libor-Skandal sehr negative Auswirkungen auf UBS haben wird“, ergänzte er.

UBS, Barclays und Co.: Banken zahlen fünf Milliarden im Devisenskandal

UBS, Barclays und Co.

Banken zahlen fünf Milliarden im Devisenskandal

Im Devisenskandal stehen fünf Banken vor einer Einigung mit dem US-Justizministerium. Laut eines Medienberichts wollen die Geldhäuser Milliarden zahlen. Nur eine Bank könnte um eine Strafanzeige nicht herum kommen.

Für die anderen beteiligten Banken – JP Morgan, Barclays, Citigroup und Royal Bank of Scotland – werden die Devisenmanipulationen wesentlich teurer. Sie müssen alle für diesen Fall ein Schuldeingeständnis auf Konzernebene abgeben und zudem Bußen zwischen 400 Millionen und einer Milliarde Dollar zahlen, heißt es in Kreisen weiter. Details soll das US-Justizministerium am Mittwoch um 16 Uhr europäischer Zeit auf einer Pressekonferenz vorstellen.

Die Kartellabteilung des US-Justizministeriums (DoJ) hat UBS für die umfassende Kooperation im Devisen-Fall den Kronzeugen-Status und damit Straffreiheit zugestanden. Als 2013 erste Berichte über eigenartige Kurssprünge am Devisenmarkt vor der Festlegung von Referenzkursen des Datenanbieters WM/Reuters die Runde machte, leitete UBS eine interne Untersuchung der Vorgänge ein. Die Ergebnisse stellte die Bank den Behörden zur Verfügung und brachte damit den Fall erst richtig ins Rollen.

Die Devisentricks der Banken – und was sie nun kosten

Der Hintergrund

Im weltweiten Skandal um manipulierte Devisenkurse wollen die Regulierer erneut einige Großbanken zur Kasse bitten. Als erstes traf es am Mittwoch wieder einmal die Schweizer UBS, im Tagesverlauf dürften weitere Institute aus Großbritannien und den USA folgen. Die Ermittler sehen es als erwiesen an, dass Händler der Institute versucht haben, an wichtigen Wechselkursen zu schrauben, um Gewinne einzustreichen. Der Devisenmarkt ist billionenschwer und wurde in der Vergangenheit kaum überwacht.

Welche Banken sind aktuell betroffen?

Insidern zufolge wird in Kürze ein milliardenschwerer Vergleich bekanntgegeben, den an vorderster Front das US-Justizministerium eingefädelt hat. Betroffen sind demnach neben der UBS auch Barclays, Royal Bank of Scotland, JP Morgan und Citigroup. Die UBS gab ihren Teil der Strafe bereits am Morgen bekannt: Sie muss wegen Tricksereien am Devisenmarkt weitere 342 Millionen Dollar abdrücken. Das ist vergleichsweise wenig, was daran liegt, dass die Schweizer quasi als Kronzeuge in dem Fall auftraten.

Gab es bereits Vergleiche in der Affäre?

Ja. Im vergangenen November hatte es einen ersten Gruppenvergleich gegeben: Aufseher in Großbritannien, den USA und der Schweiz brummten sechs Geldhäusern eine Strafe von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar auf. Einige Banken, die jetzt zahlen müssen, waren schon damals Teil des Vergleichs - der allerdings mit anderen Behörden geschlossen wurde: UBS (die auch hier als erste auspackte), RBS, JP Morgan und Citigroup. Zudem wurden HSBC und Bank of America zur Kasse gebeten. Barclays scherte damals auf den letzten Metern aus - die britische Großbank wollte eine umfangreiche Einigung mit mehr US-Behörden, insbesondere der New Yorker Finanzaufsicht DFS von „Bankenschreck“ Benjamin Lawsky.

Warum ist die Deutsche Bank nicht dabei?

Die Deutsche Bank ist einer der größten Devisenhändler der Welt. Dennoch war sie bislang an keinem Vergleich beteiligt. Nach offiziellem Bekunden sieht sich Deutschlands größtes Geldhaus bei den Tricksereien nicht an vorderster Front. Die Bank startete zur Aufklärung der Affäre aber eine interne Untersuchung. Laut Aufsichtsratskreisen gab es bislang keine Hinweise auf Tricksereien bei den wichtigsten Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen, wohl aber beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso. Einige Händler wurden deshalb entlassen oder beurlaubt. Auch Credit Suisse, die Nummer zwei in der Schweiz, sieht sich höchstens am Rande in den Devisenskandal verwickelt.

Sind auch andere deutsche Banken beteiligt?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin erklärte vor einem Jahr, bei mehreren deutschen Geldhäusern liefen interne Devisen-Untersuchungen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Schlagzeilen machte die Commerzbank, die zwei Devisenhändler vor die Tür setzte, die versucht haben sollen den Wechselkurs des polnischen Zloty zu manipulieren.

An welchen Fronten droht weiter ärger?

Unberührt von den bisherigen Vergleichen sind mögliche strafrechtliche Ermittlungen gegen Einzelpersonen. Außerdem drohen im äußersten Fall Schadenersatzklagen von Investoren, wenn sie sich durch die Banken getäuscht sehen. Frühere Schuldeingeständnisse könnten hier eine Rolle spielen. Auch die EU-Kommission kann eigene Bußgelder in der Sache verhängen. Die Behörde in Brüssel ermittelt noch.

Die Strafabteilung des US-Justizministeriums allerdings verwendete das Material gegen UBS. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass UBS mit der Beteiligung an den Devisen-Tricksereien gegen die Bewährung aus dem Libor-Abkommen verstoßen habe.

2012 hatte sich UBS mit der US-Regierung auf einen Vergleich wegen der Zinsmanipulationen im Libor-Fall geeinigt. Die Bank musste eine Milliarden-Buße zahlen und die Japan-Tochter musste ein Schuldeingeständnis abgeben. Im Gegenzug bekam UBS ein so genanntes Nicht-Klage-Abkommen, das zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungsfrist wurde kürzlich erst bis Dezember 2015 verlängert.

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