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09.03.2006

19:01 Uhr

Marsh und Mannheimer Versicherung

Heros bringt Versicherer in Erklärungsnot

VonCaspar Dohmen und Jan Keuchel

Die Betrugsaffäre um den Geldtransportkonzern Heros zieht weitere Kreise. Betroffen sind nun auch der Versicherungsmakler Marsh sowie die Mannheimer Versicherung. Gleichzeitig drohen ihnen womöglich etliche Schadensersatzklagen.

Eingangsbereich der Mannheimer Versicherung: Das Unternehmen ist nun ebenfalls in den Fall Heros verstrickt. Foto: dpa

Eingangsbereich der Mannheimer Versicherung: Das Unternehmen ist nun ebenfalls in den Fall Heros verstrickt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, belegen detailliert, dass das Abzweigen von Kundengeldern durch Heros schon Monate früher aufgedeckt worden wäre, hätten der Versicherungsmakler und die Versicherung auf Beschwerdeschreiben eines Kunden aus dem Einzelhandel reagiert. Der Händler informierte schon Anfang September 2005 die Hamburger Niederlassung von Marsh über den verzögerten Eingang von transportierten Geldern auf seinem Konto. Dabei handelte sich um einen Betrag von mehr als 500 000 Euro. Ein Dutzend weiterer Schadenmeldungen folgte in regelmäßigen Abständen, teils mit zweistelligen Millionenbeträgen. Die Unterlagen umfassen rund 50 Seiten.

Die Mannheimer Versicherung ist zuständig für die Versicherung der Geldtransporte. Marsh war als Makler beim Abschluss der Policen zwischengeschaltet. Vier Heros-Managern, darunter Firmen-Boss Karl-Hein Weis, wird vorgeworfen, rund 350 Millionen Euro an Kundengeldern veruntreut zu haben. Der Betrag soll unter anderem dadurch zustande gekommen sein, dass die transportierten Gelder verspätet von Heros-Konten auf die Kundendepots überwiesen wurden. Die mutmaßlichen Täter konnten auf diese Weise unberechtigte Zinsgewinne verbuchen.

Die Unternehmen räumten gegenüber dem Handelsblatt gestern die frühzeitige Kenntnis der Beschwerdemeldungen ein. Marsh schob den schwarzen Peter dabei an die Mannheimer. „Wir leiten Schadensmeldungen von Dritten generell an den Versicherer weiter“, hieß bei Marsh. Dies bestätigte die Mannheimer Versicherung. Aus ihrer Sicht handelte es sich aber nicht um auffällige Unregelmäßigkeiten. Von den rund 1000 Heros-Kunden hätten sich nur wenige beschwert. Die Mannheimer habe die Vorgänge geprüft, aber jeweils wieder auf sich beruhen lassen, wenn die Zahlungen verspätet eintrafen. Im Januar wandte sich der Versicherer sogar an Heros-Chef Weis, ließ sich aber mit dem Hinweis auf Software-Probleme beruhigen.

Dem Makler und der Versicherung drohen nun Schadensersatzforderungen geprellter Kunden. Nach Meinung von Rechtsexperten hätten beide Dienstleister nach Kenntnis der Unregelmäßigkeiten sofort Alarm schlagen müssen. „Wer Vermögensinteressen für Dritte wahrnimmt, und das sind hier die Heros-Kunden, der hat eine Vermögensfürsorgepflicht“, sagte Hans-Peter Schwintowski, Versicherungsrechtler an der Berliner Humboldt-Universität, dem Handelsblatt. Aus dieser Fürsorge folge auch eine Warnpflicht gegenüber den Kunden, „insbesondere wenn es wie hier um große Vermögen und eklatante Fehler geht“. Werde sie verletzt, könnten die Betroffenen Ersatz ihrer Schäden verlangen.

Auf eine Entschädigung können Kunden wahrscheinlich nicht hoffen

Das Stillhalten von Marsh und Mannheimer trug dazu bei, dass Heros andere Wertpapiertransportunternehmen übernehmen konnte – und sich der Schaden dadurch womöglich noch vergrößerte. Denn eine ständige Expansion von Heros war nach Ansicht von Ermittlern notwendig, um das mutmaßliche Betrugssystem zu stützen. Die erste Beschwerde des Einzelhändlers stammt von September 2005, später übernahm Heros WSO in Osnabrück, zum Jahresende das Deutschlandgeschäft von Securitas.

Aus dem Versicherungsvertrag mit der Mannheimer werden die Kunden nach Auffassung von Schwintowski dagegen wohl keine Ansprüche ableiten können. Zwar enthält die Versicherungspolice, die dem Handelsblatt vorliegt, auch eine Haftung für Veruntreuung von Geldern durch Heros. „Gedeckt sind jegliche Verluste und/oder Schäden gleichviel aus welcher Ursache einschließlich Veruntreuung und/oder Unterschlagung durch das Geldtransportunternehmen“, heißt es dort. Dabei handele es sich aber um eine „echte Transportversicherung“, so Schwintowski, die Geldabflüsse auf dem Weg vom Kunden zu den Banken absichert. Im Heros-Fall sind hingegen die meisten Gelder durch Kontobewegungen abhanden gekommen.

Auf eine Entschädigung aus einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, wie sie Geldtransportunternehmen ebenfalls brauchen, können die Kunden laut Insidern ebenfalls nicht hoffen. Solche Policen schlössen in der Regel eine Haftung bei Betrug durch die Geschäftsführung aus.

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