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25.06.2015

09:07 Uhr

Martin Blessing zu Grexit

„Ein Grexit wäre nicht das Ende der Euro-Zone“

Commerzbank-Chef Martin Blessing glaubt, dass der Euro weiterbestehen kann – auch nach einem möglichen Grexit. Die Euro-Zone wäre allerdings herausgefordert: Eine Institution hätte alles in der Hand.

Commerzbank-Chef zu Grexit

Blessing: „Keine Einigung ist nicht das Ende des Euros“

Commerzbank-Chef zu Grexit: Blessing: „Keine Einigung ist nicht das Ende des Euros“

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DüsseldorfSollte Griechenland aus dem Euro austreten, wäre das „nicht das Ende der Euro-Zone“, glaubt Martin Blessing, Chef von Deutschlands zweitgrößter Bank, der Commerzbank. Es wäre allerdings ein herausfordernder Test für die verbleibende Währungsunion. Ob der Test gelingt, hänge nicht zuletzt an der Europäischen Zentralbank (EZB). Nur wenn sie Rückendeckung gebe, seien die Auswirkungen eines möglichen Grexit zu managen.

Die Suche nach einer Einigung wird immer dringlicher. Wenn Griechenland es versäumt, rechtzeitig einen Reformplan vorzulegen, den die internationalen Gläubiger akzeptieren, riskiert es die 7,1 Milliarden starke letzte Tranche aus dem aktuellen Hilfsprogramm zu verlieren. Dann könnte der Krisenstaat auch den am selben Tag fälligen Kredit an den IWF nicht zurückbezahlen.

Premierminister Alexis Tsipras und die Gläubigervertreter von EZB, IWF und der Europäischen Kommission kommen heute wieder zusammen, um die Gespräche fortzusetzen. In der Nacht war die Diskussion zunächst vertagt worden.

Schuldenschnitt bis „Grexit“ – wichtige Begriffe in der Schuldenkrise

Griechisches Schuldendrama

Vom Rettungsschirm über den Schuldenschnitt bis zum „Grexit“ – im griechischen Schuldendrama kommen immer wieder schwierige Begriffe vor. Was verbirgt sich dahinter eigentlich?

Hilfsprogramm

Dies bezeichnet aus Sicht der EU-Finanzminister die finanziellen Hilfen plus der von Griechenland versprochenen Sparprogramme und Reformen. Für die Europartner gibt es derzeit nur die Option, das aktuelle Hilfsprogramm inklusive der Sparauflagen zu verlängern.

Kreditprogramm

Die neue griechische Regierung forderte hingegen bislang eine Verlängerung des „Kreditprogramms“. Damit will sie nach Einschätzung der Geldgeber ausdrücken, dass sie das Geld weiter will - aber nicht die Auflagen des Hilfsprogramms.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist – gemessen an der Wirtschaftsleistung – der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Ausstieg (Exit) gebildet – gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung im Rücken ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Grimbo

Der Begriff „Grimbo“ ist eine Fusion von Greece, also Griechenland und Limbo, zu deutsch Limbus. Limbus kommt aus der katholischen Theologie und bezeichnet die Vorstellung einer Art Vorhof zur Hölle, in dem sich nach dem Tod jene Seelen aufhalten, denen der Zutritt zum Himmel verwehrt wurde, die aber auch nicht in die Hölle gekommen sind. Der Ausdruck steht für etwas, das sich in der quälenden Schwebe befindet. Gemünzt auf Griechenland meint „Grimbo“ ein Szenario, in dem Athen von den Europäern kein Geld bekommt und es auf absehbare Zeit keine Lösung gibt.

Graccident

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Unfall (Accident) gebildet. Das Wort beschreibt die Möglichkeit, dass Griechenland das Geld ausgeht und es deshalb den Euro verlassen muss. Wie groß die Gefahren eines „Graccident“ wären, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Wer eher für großzügige Griechenland-Hilfen argumentiert, hält die Gefahren eines „Graccident“ für größer – oder umgekehrt.

Moral Hazard

Moral Hazard ist die englische Bezeichnung für moralisches Wagnis. Gemeint ist die Ausnutzung der Solidarität aus rücksichtslos verfolgtem Eigeninteresse. Würden alle Staaten nur an sich denken, würde zunächst Griechenland (Verbindlichkeiten von knapp 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach OECD-Prognose) einen Schuldenschnitt bekommen. Dann stünde Portugal (140 Prozent des BIP) und dann Italien (150 Prozent des BIP) auf der Matte. Spätestens an diesem Punkt würde die globale Finanzwelt in die Katastrophe stürzen, weil einer der größten Anleihemärkte der Welt implodieren würde.

Eine Einigung am heutigen Donnerstag „wäre das beste Ergebnis“, sagte Blessing. Ein Scheitern des Deals bedeute im Gegenzug aber, dass die verbleibenden Euro-Staaten enger zusammen rücken müssten. „Die Euro-Zone hat seien Wettbewerbsfähigkeit gesteigert“, so Blessing. Das sollte man nicht aufs Spiel setzen.

Kommentare (1)

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Herr Bernhard Ramseyer

25.06.2015, 11:25 Uhr

Ein Grexit wäre nicht das Ende der Euro-Zone, genau so wenig wie ein Scheitern des Euro das Ende von Europa bedeuten würde.

Es handelt sich hier um Sprüche von Personen, die den Menschen Angst machen wollen, sich aufgrund ihrer Ausbildung (Physiker etc.) aber besser um eine für die Bürger kostengünstigen Energieversorgung kümmern sollten.

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