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25.01.2013

14:54 Uhr

Massiver Stellenabbau

Deutsche Banken gefangen im Teufelskreis

VonSebastian Ertinger

HVB, Commerzbank, Deutsche Bank – Deutschlands Banken setzen zum Job-Kahlschlag an. Die Branche ringt mit ungelösten Problemen und einer anhaltenden Krise. Die jüngsten Kürzungen sind erst der Anfang.

Abbrucharbeiten bei der Commerzbank: Ungelöste Probleme der Branche zwingen Geldhäuser zum Kahlschlag. dpa

Abbrucharbeiten bei der Commerzbank: Ungelöste Probleme der Branche zwingen Geldhäuser zum Kahlschlag.

DüsseldorfDie Commerzbank kappt bis zu 6000 Stellen, bei der Hypo-Vereinsbank fallen offenbar ebenfalls 1000 Jobs weg, der Versicherungskonzern Allianz wiederum beendet seinen Ausflug ins Bankgeschäft völlig. 450 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Auch der hiesige Primus Deutsche Bank reiht sich in das Streichkonzert ein.

Doch dabei bleibt es nicht. „Für dieses Jahr rechnen wir unter Umständen mit einem etwas höheren Personalabbau als zuletzt“, sagt Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband des Bankgewerbes, im Gespräch mit Handelsblatt Online. Der Stellenabbau sei in den Vorjahren moderat ausgefallen. Einige Regionalbanken hätten sogar die Zahl der Beschäftigten aufgestockt.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Der Stellenabbau hierzulande gliedert sich in die zum Teil noch härteren Kürzungen anderer europäischer Geldhäuser ein. Bei britischen Instituten wie der HSBC fallen 2000 Stellen weg, bei der Royal Bank of Scotland sind es 5500. Noch radikaler ist die Schweizer Großbank UBS, die sogar 10.000 Jobs streicht. Bei diesen Instituten sowie der Deutschen Bank trifft es eher die Investmentbanker. Bei der Commerzbank trifft es wiederum das Privatkundengeschäft. Hier laufen Betriebsrat und Gewerkschaft Sturm gegen die Pläne.

Es offenbart sich, dass nach wie vor das Vertrauen in das Banksystem schwach ist. Die Finanzkrise, die mit der Pleite der Investment-Bank Lehman Brothers 2008 offen ausbrach, ist längst noch nicht überwunden. Die tieferen Ursachen der Misere sind nicht ausgeräumt, auch in Deutschland nicht.

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Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es „deutliche Überkapazitäten“.

Einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge planen vier von zehn heimischen Banken, in den kommenden Monaten Stellen zu streichen. Die Entwicklung der eigenen Geschäftslage beurteilen ebenso viele Institute als negativ. Somit droht eine Beschleunigung des seit Jahren anhaltenden Stellenabbaus in der gesamten Branche. „Der deutsche Bankensektor ist gezwungenermaßen auf Schrumpfkurs“, sagt Claus-Peter Wagner, Leiter des Bereichs Financial Services bei Ernst & Young. „Vor den Banken liegen magere Jahre.“

Wo Banker die größten Probleme sehen

Bankenaufsicht und Regulierung

Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

Kosten

An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

Risikomanagement

Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

Vertrieb und Kundenmanagement

Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

Wettbewerb

Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

Finanz- und Schuldenkrise

Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

Demographische Entwicklung

Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

Optimierung der Geschäftsprozesse

Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

Konjunktur

Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

Kreditrisiko

Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

Optimierung der Informationstechnik

Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

Liquiditätsmanagement

Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Die Misere der Geldhäuser hat mehrere Ursachen. „Niedrige Zinsen und die von den Zentralbanken bereitgestellte, üppige Liquidität drücken die Ertragskraft der Banken“, sagt Johannes Wassenberg, bei der Ratingagentur Moody’s verantwortlich für die europäische Bankbranche gegenüber Handelsblatt Online. So lasse sich im Kreditgeschäft angesichts der niedrigen Zinsen und der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute kaum Geld verdienen. „Da müssen Institute die Kosten senken, was sich auch beim Personalbestand niederschlägt“, erklärt Rogge-Strang.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem des Sektors. „Der Bankenmarkt ist dicht mit Anbietern besetzt und es herrscht ein ausgeprägter Wettbewerb“, erläutert Wassenberg. „Banken sind bei Finanzprodukten nicht Preisgeber, sondern Preisnehmer.“ Die Geldhäuser versuchen inzwischen europaweit, sich gegenseitig Kunden abzuwerben. Die Institute konkurrieren zu Kampfpreisen. „Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Ertragskraft der Institute“, so Wassenberg.

Kommentare (25)

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wie_du_mir_so_ich_dir

25.01.2013, 15:12 Uhr

Dax 7850 Dank Draghi - was wollt ihr denn noch??
Wegen euch sind Millionen im EU-Land arbeitslos - jetzt seid ihr halt dran!

Richie

25.01.2013, 15:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

frank-and-square

25.01.2013, 15:33 Uhr

Das Privatkundengeschäft aller deutschen Banken leidet schon seit der Einführung des online-bankings. Nur können nun die Verluste nicht mehr durch das Investmentbanking kompensiert werden.

Doch aufgrund der in den guten Zeiten geschlossenen Betriebsvereinbarungen, sind Filial-Schließungen oder die Flexibilisierung der Arbeitszeiten schwierig.

Meine Hausbank zum Beispiel, bat mich um Verständnis, keine Beratungstermine mehr nach 16:00 Uhr vereinbaren zu können, da meine neue Vollzeit-Betreuerin alleinerziehende Mutter, und Ihre Vertreterin nur vormittags im Hause ist.

Ich wünsche natürlich allen alleinerziehenden Müttern, Teilzeitkräften und sonstigen Mitmenschen von ganzem Herzen Glück, Harmonie und göttlichen Frieden - DOCH - ich muß regelmäßig bis 17:00 Uhr arbeiten, und müsste somit "frei" nehmen, um mich beraten zu lassen.

Ich hatte somit den Eindruck, das "Die Bank an meiner Seite" wohl eher "einen neben sich laufen" hatte.

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