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14.07.2016

14:51 Uhr

Mastercard-Finanzchefin

„Deutschland ist für uns ein Entwicklungsland“

In Deutschland arbeitet Mastercard profitabel, doch der Umsatz ist gering. In Brasilien verdiene der Kreditkarten-Konzern fünfmal so viel wie hierzulande, so Finanzchefin Martina Hund-Mejean. Das soll sich ändern.

Die Deutschen zahlen gerne in bar. Mastercard will das ändern. AP

Mastercard-Logo

Die Deutschen zahlen gerne in bar. Mastercard will das ändern.

FrankfurtMastercard will im Kreditkartengeschäft in Deutschland aufholen. „Deutschland ist für uns ein Entwicklungsland“, sagte Finanzchefin Martina Hund-Mejean in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. „Wir arbeiten hier zwar profitabel, aber der Anteil am Gesamtumsatz ist verschwindend gering. Das Brasilien-Geschäft ist fünf Mal so groß.“ Die Managerin, eine gebürtige Deutsche, hofft, dass Mastercard in der Bundesrepublik beim Umsatz zumindest zu dem lateinamerikanischen Land aufschließen kann. Sie setzt dabei auch auf eine Änderung der Zahlungsgewohnheiten der Deutschen, die ihre Einkäufe immer noch hauptsächlich mit Bargeld begleichen. Anders in den USA oder Großbritannien, hier zahlen die Kunden kaum noch bar.

„Es wird mindestens zwei bis drei Jahre dauern, bis der Durchbruch kommt“, beschreibt Hund-Mejean ihre Erwartungen für Deutschland. Gerade das kontaktlose Bezahlen, bei dem die Karte vor ein Lesegerät gehalten wird und nur bei größeren Beträgen die Eingabe einer Geheimzahl nötig ist, kommt nur langsam voran. „Was uns positiv stimmt: Inzwischen sind hierzulande 30 Prozent aller Terminals für kontaktloses Bezahlen geeignet, Tendenz steigend. Die Kunden werden merken, dass ihr Leben dadurch einfacher wird. Am Ende müssten sie nicht mal mehr ihr Portemonnaie aus der Tasche nehmen“, gibt sich Hund-Mejean optimistisch. Mit der Mastercard-Offensive in Deutschland ist Regionalmanager Pawel Rychlinski betraut. „Ab 2018 müssen an allen Terminals, die Mastercard akzeptieren, kontaktlose Zahlungen möglich sein“, erklärte er. Die Kunden müssten im Alltag von dieser bequemen Lösung überzeugt werden. Gemeinsame Werbekampagnen mit Banken und dem Handel seien geplant.

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Mastercard ist weltweit die Nummer zwei hinter Visa und in mehr als 210 Ländern aktiv. Die 56-jährige Hund-Mejean sitzt seit 2007 im Vorstand des US-Konzerns und kümmert sich neben den Finanzen auch um die Strategie. Neben Kreditkarten bietet Mastercard Girokarten an, die in Deutschland immer noch als „EC-Karten“ bekannt sind. Sie tragen das „Maestro“-Logo, das Mastercard gehört.

Zuletzt bremsten höhere Kosten den Gewinn. Vom jährlichen Konzernumsatz von zehn Milliarden Dollar entfallen der Finanzchefin zufolge nur 25 bis 30 Prozent auf Europa. Das Problem in Deutschland sei, dass die Politik – anders als etwa in Brasilien – mobile Zahlungssysteme nie aktiv unterstützt habe. „Immerhin: Die deutschen Banken wachen inzwischen auf. Sie haben gemerkt, dass moderne Zahlungsfunktionen außerhalb ihres abgeschotteten Systems entwickelt und von den Kunden sehr gut angenommen werden – Paypal zum Beispiel.“

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

Viele Unternehmen, die Kreditkartenzahlungen erlauben, klagten bislang über zu hohe Gebühren. Für Hund-Mejean ist das zu kurz gedacht: „Mittelständler und kleine Geschäfte bekommen besseren Zugang zum Kunden und vor allem mehr Informationen über ihn. Wir stellen die anonymisierten Daten zur Verfügung: Wo und wann kauft der Kunde ein? Wo kann man ihn eventuell abgreifen?“ Die Kosten seien kein Hindernis mehr. „Die sind inzwischen so weit gesunken, dass sogar Aldi und Lidl Kreditkarten akzeptieren. Dagegen wird Bargeld immer teurer.“

Von

rtr

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