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12.08.2013

13:47 Uhr

Medienbericht

Aufsicht rügt Deutsche Bank in Libor-Affäre

Die Finanzaufsicht Bafin hat den Schlussbericht zur Libor-Affäre fertiggestellt. Die Behörde wirft darin offenbar der Deutschen Bank vor, dass sie die Ermittlung des Referenzzinses zu wenig kontrolliert hat.

Die Finanzaufsicht BaFin spricht die Deutsche Bank wohl von aktiver Manipulation frei. dpa

Die Finanzaufsicht BaFin spricht die Deutsche Bank wohl von aktiver Manipulation frei.

FrankfurtDie Deutsche Bank hat die Ermittlung des Referenzzinses Libor zu wenig kontrolliert, organisierte Kriminalität auf Vorstandsebene gab es aber nicht: Zu diesem Schluss kommt Finanzkreisen zufolge die Finanzaufsicht Bafin in ihrem Abschlussbericht über die Verwicklung der Bank in die Manipulation von Interbanken-Zinssätzen. Der Bericht werde voraussichtlich in dieser Woche an den deutschen Branchenprimus geschickt, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Untersuchungen seien damit aber noch nicht abgeschlossen. "Die Verantwortlichkeiten einzelner Personen sollen nun noch genauer beleuchtet werden", sagte der Insider. Der Vorstand habe aber nichts zu befürchten. "Die Abberufung eines Vorstands steht nicht zur Debatte."

Der heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain hatte bis zum Frühjahr 2012 das Investmentbanking der Deutschen Bank geführt, in dem die Manipulationen geschahen. Bafin-Chefin Elke König hatte schon im Frühjahr erklärt, die deutschen Banken hätten offenbar das Potenzial unterschätzt, das in den Meldungen von Libor- und Euribor-Zinssätzen stecke.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

Viele Herausforderungen

Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

Libor-Skandal

Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

Kirch-Prozess

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

USA

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

Abbausparte

Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

Vermögensverwaltung

Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Die Branchen-Zinssätze beruhen auf Meldungen der einzelnen Banken über ihre Konditionen, zu denen sie sich bei Konkurrenten Geld leihen. Händler weltweit hatten mit teilweise falschen Angaben das Branchenbarometer manipuliert, von dem Finanztransaktionen und -produkte in einem mehrstelligen Billionen-Volumen abhängen.

Die Deutsche Bank bekräftigte am Montag, nach ihren eigenen Untersuchungen sei "nach aktuellem Stand (...) kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands in irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten Vorgänge um Referenzzinssätze verwickelt".

Eine "begrenzte Zahl von Mitarbeitern" habe auf Eigeninitiative entgegen der Standards der Bank gehandelt. Die Deutsche Bank hatte sieben Händler deswegen entlassen. Es seien schon Maßnahmen getroffen worden, um solches Fehlverhalten zu verhindern, weitere würden noch getroffen.

Kommentare (2)

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querbeet

12.08.2013, 14:12 Uhr

Selbstverständlich war kein Vorstand in die Sache involviert.

Dass sie über die Boniregelungen die Mitarbeiter geradezu zum Missbrauch angestiftet haben, ist bloß eine böswillige Unterstellung. Dass das Kontrollumfeld bewusst vernachlässigt wurde ebenso.

Neon olet - Geld stinkt nicht, daher hinterfragt ein Vorstand auch nicht die Ertragssteigerungen in diesem Bereich.

Es ist alles bestens, vor allem die hochethischen internen Regeln der Deutschen Bank - *lol*.

Die Bafin hat damit wieder einmal bewiesen, wie zahnlos sie ist.

Mazi

12.08.2013, 14:50 Uhr

"Die Behörde wirft darin offenbar der Deutschen Bank vor, dass sie die Ermittlung des Referenzzinses zu wenig kontrolliert hat."

Die Formulierung verstehe ich nicht. Der LIBOR ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze und die BAFin will damit selbst nie den so bedeutungsvollen und wichtigen Referenzzinssatz geprüft haben, sich nie davon überzeugt haben, dass die Deutsche Bank ihrerseits die eigene Meldung nicht in erforderlichem Maße geprüft haben.

Ist Frau König und davor Herrn Sanio nicht klar, dass ihnen die Finanzmarktaufsicht oblag? Kaum zu glauben, dass dies so gewesen sein soll. Kaum zu glauben, dass Herr Schäuble und zuvor Herr Steinbrück die BAFin nicht beaufsichtigt haben sollen.

Schätzen wir den dadurch entstanden auf mehrere 100 Millionen Euro, um tiefzustapeln.

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