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09.08.2013

12:36 Uhr

Medienbericht

Behörden prüfen Bilanzmethoden deutscher Banken

Die Deutsche Bank soll Risiken in ihrer Bilanz über Auslandskredite verschleiert haben. Nun prüften Bundesbank und Bafin einem Medienbericht zufolge, ob Deutschlands Geldhäuser gegen Regeln verstoßen.

Die Deutsche Bank gerät offenbar ins Visier der Aufseher. dpa

Die Deutsche Bank gerät offenbar ins Visier der Aufseher.

FrankfurtDarlehen deutscher Banken, die nicht in der Bilanz der Kreditinstitute auftauchen, sind ins Visier der deutschen Aufsichtsbehörden geraten. Die Behörden schauen sich an, wie diese Kredite, die Risiken für Investoren verschleiern, verbucht wurden, berichten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen.

Die Bundesbank und die Finanzmarktaufsicht Bafin befassen sich damit, ob die Banken die Bilanzierungsregeln korrekt angewandt hätten, erklärte eine der beiden Personen, die ihren Namen nicht genannt haben wollte, weil die Untersuchung nicht öffentlich ist. Die Angelegenheit dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen, hieß es.

Die Aufsichtsbehörden nehmen sich die Praxis der außerbilanziellen Kreditvergabe vor, nachdem Bloomberg News berichtete, dass die Deutsche Bank AG seit 2008 Kredite in Höhe von Milliarden Dollar an Banken vergab und die Darlehen aus der Bilanz verschwinden ließ, obwohl die Forderungen weiter bestehen. Zu den Empfängern der Kredite gehörten Banca Monte dei Paschi di Siena SpA, die vom italienischen Staat gestützt wird, und der staatlich kontrollierte Banco do Brasil SA.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

Viele Herausforderungen

Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

Libor-Skandal

Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

Kirch-Prozess

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

USA

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

Abbausparte

Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

Vermögensverwaltung

Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Die Aufsichtsbehörden “sollten sich diese Aktivitäten näher anschauen”, erklärt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). “Die entscheidende Frage ist: warum hat die Bank diese Kredite versteckt?”

Für diese Bilanzierungspraxis stützt sich die Deutsche Bank auf die Regel IAS32 der International Financial Reporting Standards (IFRS). Diese sieht vor, dass bestimmte Finanzinstrumente gegeneinander aufgerechnet werden, wenn sie gleichzeitig abgerechnet werden oder sich über die Laufzeit der Transaktion ausgleichen. Die Bundesbank prüfe jetzt, wie die Banken die Regel anwendeten, berichtet eine informierte Person.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

09.08.2013, 13:33 Uhr

Man kann nur hoffen, daß Gerüchte unwahr sind, nach denen die Deutsche Bank (eigentlich eine anglo-amerikanische Investmentbank mit deutschem Geschäftsbank-Anhängsel) von den anglo-amerikanische (ok, Kompromiß: internationalen) Geldeliten für den nächsten MegaCrash als das neue Lehmann-Opferlamm auserkoren wurde. In der Berichterstattung über die letzten Wochen deutet einiges darauf hin (oder auf eine Erpressung der deutschen Regierung mit dieser Drohung - aber wenn selbst deutsche Behörden bei der Hetze mitmachen, ist dies langsam weniger wahrscheinlich).

Für die Finanzverbrecher hätte die Auswahl der DB als Pleitebank des Jahres darüberhinaus den Vorteil, daß man damit die Deutschen und die deutsche Verwaltung im Hinblick auf solch schöne Projekte wie "Bankenunion" und Eurobonds, Mega-Rettungsschirme für alles und jeden WEICHKOCHEN könnte.

olaf-obacht

09.08.2013, 13:50 Uhr

"prüft offenbar"..."erklärte eine der beiden personen, die ihren namen nicht genannt haben wollte"...
wieder so eine unkontrollierte meldung von einer presseagentur. den kurs der db interessiert das (wömöglich wie immer gestreute gerücht aus den usa) nicht mehr.

Account gelöscht!

09.08.2013, 14:33 Uhr

Es wird jetzt alellerhöchste Zeit, dass die Detusche Bank diese Bezeichnung ablegt bzw. ablegen muß, denn sie ist schon lange keine Deutsche Bank.
Aktienmehrheit haben Ausländer.
Wir müssen wieder Ordnung in unserem Land bekommen

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