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21.09.2012

12:45 Uhr

Medienbericht

Deutsche Bank streicht Stellen in Deutschland

Nicht nur im Ausland soll gespart werden: Über 500 Stellen sollen laut einem Medienbericht in Deutschland dem Rotstift zum Opfer fallen, nachgelagerte Dienstleistungen zusammengelegt werden - doch die Bank dementiert.

Bei der Deutschen Bank könnten nach einem Medienbericht über 500 Stellen wegfallen. AFP

Bei der Deutschen Bank könnten nach einem Medienbericht über 500 Stellen wegfallen.

Frankfurt/MainBei der Deutschen Bank könnten einem Zeitungsbericht zufolge tausende Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Entgegen den Erwartungen setzten die beiden neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Rotstift beim Personal nicht vorrangig im Ausland, sondern auch am Heimatmarkt an, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab unter Berufung auf bankinterne Unterlagen.

Das Geldhaus dementiert jedoch und weist den Medienbericht am Freitag zurück. "Es gibt keine Abbaupläne, die über die Größenordnung hinausgehen, über die schon länger mit dem Betriebsrat verhandelt wird", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Freitag. Dabei geht es nach früheren Informationen um gut 500 Mitarbeiter.

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

Einsparungen

Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

„Bad Bank“

Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

Renditeziele

Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

Vergütung

Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Boni belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


Kapital

Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

Regionale Aufstellung

Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

Kulturwandel

Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

Geschäftsbereiche

Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Der Sprecher wies damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zurück. Dem Zeitungsbericht zufolge wollen die neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen tausende Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. So sollten in einem ersten Schritt in den Zentralen der Tochter Postbank in Bonn und der Deutschen Bank in Frankfurt 543 Stellen wegfallen.

In Kürze sollen Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den Abbau der Stellen in den Zentralen der beiden Institute starten, wie mehrere Insider sagten. Dabei gehe es um die Zusammenlegung gleicher Funktionen. Daneben gebe es mehrere ähnliche Service-Gesellschaften bei beiden Häusern, in die in der Vergangenheit kundenferne Abwicklungstätigkeiten ausgelagert worden sind. "Wenn es hier zu einer Zusammenlegung kommt, drohen empfindliche Kürzungen", sagt ein Bankinsider.

Die Klage-Chronik der Deutschen Bank – Teil 1

Diverse Klagen

Mutmaßliche Bilanztricksereien, Hypothekenklagen, Zinsmanipulationen, der Kirch-Streit - die Deutsche Bank muss noch eine ganze Reihe von potenziell sehr teuren Altlasten aufarbeiten. Eine Übersicht über die Vorwürfe und Verfahren seit Anfang 2011, von denen einzelne bereits abgeschlossen sind.

22. März 2011

Der Bundesgerichtshof gibt der Deutschen Bank eine schallende Ohrfeige: Sie muss an einen hessischen Mittelständler mehr als eine halbe Million Euro Schadenersatz zahlen. Diesen Betrag hatte der Kläger mit einem komplizierten Zinsswap-Geschäft verloren, das die Bank nach Auffassung des BGH „bewusst zulasten des Anlegers“ konstruiert hatte. In der Folge einigt sie sich mit zahlreichen Kommunen und Unternehmen nach Angaben von Anwälten auf Vergleiche.

13. April 2011

In den US-Untersuchungen zur Rolle der Wall Street in der Finanzkrise erhebt ein Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, umstrittene Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Sie habe unter anderem einen milliardenschweren verbrieften Hypothekenkredit (CDO) namens „Gemstone 7“ geschnürt und verkauft, bevor der Markt abstürzte. Dabei habe der zuständige Händler gewusst, dass das Paket minderwertige Assets enthalte.

29. April 2011

Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vor, mit denen sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen absichern. Die Kartellermittlungen richten sich gegen 16 Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen (2013) wird von den deutschen Häusern zunächst nur die Commerzbank vom Haken gelassen.

4. Mai 2011

Die Deutsche Bank bestätigt, dass die Stadt Los Angeles eine Klage gegen das Institut im Zusammenhang mit umstrittenen Zwangsräumungen eingereicht hat. Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der größten „Slumlords“ der Millionenmetropole, heißt es in der Klageschrift, die Entschädigungszahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar nach sich ziehen könnte. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben. Nach Angaben des Instituts wurde die Klage inzwischen abgewiesen. Ob die Stadt in Berufung geht, ist aber weiterhin offen.

2. September 2011

Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte, darunter die Deutsche Bank. Die Behörde wirft ihnen vor, beim Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Der Klageschrift zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden auf die Deutsche Bank. Das Geldhaus weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

5. September 2011

Laut „Financial Times“ nehmen britische Behörden von der Deutschen Bank und anderen Instituten zusammengestellte Wertpapiere wegen Betrugsverdachts unter die Lupe. Die Untersuchung des Serious Fraud Office soll Beweise dafür liefern, dass die Banken ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen geliefert hätten. Die Ermittlungen sind schwierig, da die Behörde den Instituten Betrugsabsicht nachweisen müsse.

14. November 2011

Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen. Gegen den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann werde wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt. Auch gegen den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ex-Vorstandschef Rolf Breuer und den früheren Personalchef Tessen von Heydebreck werde ermittelt. Die Bank und die Betroffenen halten die Beschuldigungen für haltlos und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig.

19. November 2011

Die Pleite der US-Finanzfirma MF Global hat für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Frankfurter Instituts sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF bei der Erstellung von Anleihe-Angeboten unterstützt haben. Die Kläger werfen ihnen vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die zum Kollaps des Brokerhauses geführt haben. Mit der Klage nehmen die Fonds finanzstarke Institute ins Visier, um ihre Verluste nach dem MF-Global-Zusammenbruch auszugleichen.

21. Dezember 2011

Sechs Händler werden wegen eines 230 Millionen Euro schweren Umsatzsteuerkarussells mit CO2-Verschmutzungszertifikaten in Frankfurt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Handel wurde über die Deutsche Bank abgewickelt. Unter den 170 Beschuldigten im Visier der Staatsanwaltschaft sind auch sieben Mitarbeiter der Bank. Gegen sie gibt es noch keine Anklagen, die Bank hat aber 310 Millionen Euro Umsatzsteuerforderungen aus dem CO2-Handel abgeschrieben.

Betroffen seien unter anderem die Abteilungen Finanzen, Risiko, Controlling, Personalabteilung, Treasury, Volkswirtschaftliche Analyse und die Rechtsabteilung. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Teilinteressensausgleich seien bereits aufgenommen worden. Zudem sei unter anderem ein Umbau im Privatkundenbereich geplant, bei dem mittelfristig alle nachgelagerten Dienstleistungen der verschiedenen Marken Postbank, Norisbank und Deutsche Bank zusammengelegt würden.

Insgesamt könnten durch die Maßnahmen mehrere tausend Stellen eingespart werden, berichtete die Zeitung. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte der Zeitung nach deren Angaben, dass die nachgelagerten Dienstleistungen in einer neuen Einheit gebündelt werden sollen. "Ein Stellenabbau über das hinaus, was mit Arbeitnehmervertretern bereits vereinbart wurde, ist derzeit nicht geplant", zitiert die SZ den Sprecher.

Die neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben zuletzt signalisiert, dass die konzernweiten Stellenstreichungen wohl über die angekündigten 1900 hinausgehen werden. 1500 davon sollen allein im Investmentbanking wegfallen, sprich vor allem im Ausland. In den nächsten Monaten müssen aber alle Ressorts angesichts trüber Ertragsaussichten im Zuge der Staatsschuldenkrise und stärkerer Regulierung Einsparpotenzial identifizieren. "Die Chefs haben das Sparziel vorgegeben, die konkreten Programme folgen jetzt erst", sagt ein Banker. Daher gebe es jetzt noch keine genauen Zahlen.

Neben der Deutschen Bank müssen sich wohl auch die Mitarbeiter der Commerzbank in Deutschland auf Kürzungen einstellen. Vorstandschef Martin Blessing hat das Privatkundengeschäft als größte Baustelle ausgemacht. Ein Stellenabbau unter den 16.500 Mitarbeitern dieses Bereichs und die Schließung von Filialen gelten als sehr wahrscheinlich. Konkretes ist hier aber auch noch nichts bekannt. Am 8. November will Blessing seine neue Strategie vorstellen.

Kommentare (7)

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HermannHesse

21.09.2012, 07:11 Uhr

Wegfall von Stellen in Risiko, Controlling, Personalabteilung, Treasury, Volkswirtschaftliche Analyse und die Rechtsabteilung ......Die 'richtigen' Bereiche um seriöser und solider zu arbeiten. Und: Ja. Das ist ironisch gemeint

CasaNova

21.09.2012, 08:55 Uhr

Erhöhte Eigenkapitalanforderungen und verschärfte Regulierungsauflagen sind schlecht für die Rendite und Jobkiller. Dennoch die Synergien bei der Postbankübernahme hätten schon längst realisiert werden können.

Ein Herr Steinbrück wird der Deutschen Bank den Rest geben, falls er denn Kanzler wird. Somit wird die letzte grosse Deutsche Bank, einen der besten Investmentbanken weltweit, abgewickelt. Bleibt ja noch Goldman Sachs und JP Morgan die werden sicher gerne das Deutschlandgeschäft: M&A und die Emission von EK und FK übernehmen.

Für Deutschland unter Steinbrück tut es eine Sparkasse auch.

melitaz

21.09.2012, 09:25 Uhr

Das Banken-Bashing nimmt mittlerweile Formen an, die nichts mehr mit rationalem Denken zu tun haben. Besonders
betroffen davon ist die Deutsche Bank! Dis "Süddeutsche"
saugt sich einen Stellenabbau aus den Fingern, und alle springen ohne verlässliche Grundlage auf den Zug auf. Steinbrück will eine Holding-Struktur, offensichtlich ohne die betriebswirtschaftlich Sinnhaftigkeit zu erwägen. Wenn dann die Erträge sinken und der "Beitrag" zur deutschen Bankenabgabe sinkt, erhöht man kurzerhand den Beitragssatz. Gleichzeitig sollen die Banken das Eigenkapital erhöhen und mehr "Kredite an die Realwirtschaft" vergeben. Und selbstverständlich steht der Ankauf von Staatsanleihen auch noch auf dem Programm. Ach ja, und die Kosten für die Realwirtschaft dürfen trotz dieser Gemengelage auch nicht steigen, sonst wird man "als gierig" gebrandmarkt! Dann kommt die Deutsche Bank daher und will ca. 560 Stellen in Deutschland abbbauen und das Geschrei beginnt. Wie ignorant muss man eigentlich sein, Forderungen in den Raum zu stellen, ohne deren Kosten-Nutzen-Rechnung dagegen zu stellen. Macht die Deutsche Bank klein, die
ausländischen Investmentbanken freuen sich, und die deutsche Wirtschaft wird von deren Gnaden abhängig!

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