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22.07.2013

15:37 Uhr

Medienbericht

Deutsche Bank will Bilanz zusammenstreichen

Deutschlands größtes Geldhaus geht offenbar auf Schrumpfkurs: Die Deutsche Bank plant einem Zeitungsbericht zufolge, die Bilanzsumme um ein Fünftel zu kappen. Grund sei die strengere Regulierung.

Zentrale der Deutschen Bank: Das Institut will offenbar seine Bilanz schrumpfen. Reuters

Zentrale der Deutschen Bank: Das Institut will offenbar seine Bilanz schrumpfen.

FrankfurtDie Deutsche Bank plant einem Zeitungsbericht zufolge eine Verkleinerung ihrer Bilanz um 20 Prozent. Bis Ende 2015 solle die Bilanzsumme von Deutschlands größtem Geldhaus auf eine Billion Euro sinken, berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf Personen mit Kenntnissen der Sachlage.

Die Pläne stünden in Zusammenhang mit strengeren Kapitalanforderungen, die Banken in Zukunft umsetzen müssen, um im Krisenfall besser gerüstet zu sein. Ihre Pläne dazu wolle die Deutsche Bank bei der Bekanntgabe der Zahlen zum zweiten Quartal am 30. Juli vorstellen, hieß es in dem Bericht weiter. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Die Aktie des Institutsk war am Montag mit einem Plus von 1,6 Prozent einer der größten Kursgewinner im Dax.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Dem Bericht zufolge prüft die Bank, Mischkapital in Höhe von mindestens sechs Milliarden Euro aufzunehmen, etwa über Wandelanleihen. Dieser Anleihetyp kann zu bestimmten Konditionen in Aktien und damit von Fremd- in Eigenkapital umgetauscht werden. Die deutsche Finanzaufsicht muss noch bestimmen, welche Finanzierungsinstrumente unter den neuen Regeln anerkannt werden.

Investoren und Regulierer fordern seit Ausbruch der Finanzkrise bessere Eigenkapitalquoten bei Geldinstituten. Analysten und konkurrierende Geldhäuser haben der Deutschen Bank mehrfach vorgeworfen, mit einer weitaus schlechteren Kapitalausstattung zu arbeiten als die wichtigsten Wettbewerber. Das Verhältnis von Eigenkapital zu den Aktiva lag Schätzungen zufolge zum Ende des ersten Quartals bei 2,1 Prozent. Das ist der zweitschlechteste Rang unter 18 Geldhäusern, die Analysten von Morgan Stanley untersucht haben.

Erst im April hatte die Deutsche Bank mit einer Kapitalerhöhung die Finanzkraft gestärkt. Insgesamt platzierte die Bank 90 Millionen neue Aktien zum Preis von 32,90 Euro das Stück mittels eines beschleunigten Verfahrens. Dadurch sammelte das Institut insgesamt 2,96 Milliarden Euro ein.

Deutschlands größte Bank werde mit Hilfe der Kapitalerhöhung im direkten Vergleich mit ihren weltweiten Wettbewerbern „zu einer der am besten kapitalisierten Banken“, hatte Co-Vorstandschef Anshu Jain damals in einer Telefonkonferenz für Analysten gesagt. Nun kehren aber offenbar die Sorgen über die Kapitalausstattung zurück.

Kommentare (4)

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highlander

22.07.2013, 09:02 Uhr

Wenn ich als Kunde mit einer Kapitalaustattung von 4,5 % einen Kredit möchte (z. b. Wohnungskauf) bekomme ich von meiner Hausbank einen Tritt in den Allerwertesten! Stabile Verhältnisse beginnen m. e. bei Mindestens 15% aufwärts.

endstationJAIN

22.07.2013, 09:29 Uhr

der entschluß ,die bilanz zu kürzen,kam nicht freiwillig zustande

es wird jedoch nix nützen.wenn die weltkonjunktur nicht wieder anspringt,kann die deutsche mit kurzer geneusowenig zeit gewinnen wie mit langer.

zuviele derivate sind unter wasser und zuviele fahrlässige schütteldarlehen in schwellenländern ausgereicht

morituri te salutant...

moritouris dagegen sind die exportierten südlandprekären

Account gelöscht!

22.07.2013, 10:12 Uhr

Vielleicht bekommen Sie den Immobilienkredit aber auch bei Einbringen von 15% nicht mehr, weil Ihre Boni zusammen mit dem Eigenkapital Ihrer Hausbank unter Basel III nicht mehr ausreicht. Der Bericht über die Deutsche Bank (sollte sie ihn denn als wahr bestätigen) beschreibt exakt die Reaktion der Kreditinstitute, die man erzielen wollte. Wie ich schon in einem anderen Kommentar geschrieben habe, bin ich mir nicht sicher, ob man sich politisch klar ist, was folgt, wenn alle deutschen Banken diesen Weg gehen.

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