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06.06.2013

15:39 Uhr

Medienbericht

Deutsche Vermögensverwaltung bei Credit Suisse auf der Kippe

Die Schweizer Großbank denkt offenbar darüber nach, Teile ihrer deutschen Vermögensverwaltung zu verkaufen. Einem Medienbericht zufolge will sich die Credit Suisse auf das Geschäft mit sehr reichen Kunden beschränken.

Zentrale der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. Reuters

Zentrale der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.

London/Mailand/ZürichDie Credit Suisse erwägt den Verkauf eines Teils ihres Vermögensverwaltungsgeschäfts in Deutschland, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Bank werde sich möglicherweise auf sehr vermögende Kunden konzentrieren und sich vom restlichen Geschäft trennen, um die Ertragskraft des Deutschlandgeschäfts zu steigern, sagten zwei der Personen, die nicht genannt werden wollten, weil die Überlegungen vertraulich seien. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen und es sei möglich, dass kein Teilverkauf zustande komme, hieß es. Ein Vertreter der Credit Suisse in Zürich wollte sich nicht zu der Meldung äußern.

Die zweitgrößte Bank der Schweiz will in Westeuropa die Effizienz steigern, um bis Ende 2015 Einsparungen in Höhe von jährlich rund 750 Millionen Franken im Privatbanken- und Vermögensverwaltungsgeschäft zu erzielen, erklärte Konzernchef Brady Dougan diese Woche gegenüber Investoren. Dougan zufolge gehören etwa 70 Prozent der im Privatbankengeschäft der Credit Suisse verwalteten Vermögen Kunden aus der Schweiz und aus Schwellenländern.

Die Credit Suisse gab 2011 bekannt, sie wolle den Gewinn im Privatbankengeschäft bis 2014 um 800 Millionen Franken steigern. Sie integrierte die Vermögensverwaltungssparte Clariden Leu in den übrigen Geschäftsbereich und schloss in der Schweiz das Massen- und das Privatkundengeschäft zusammen. 2012 kündigte die Bank an, sie wolle auch das Privatbankengeschäft und die Vermögensverwaltung zusammenlegen.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

„Die Integration von Clariden Leu sollte ab 2014 eine Kostenersparnis von 125 Millionen Euro bringen, und die Straffung des Regionalgeschäfts in der Schweiz dürfte weitere 50 Mio. Franken bringen“, schrieb Citigroup-Analyst Kinner Lakhani in einer Notiz, die er am 31. Mai in Anschluss an eine Begegnung mit Rolf Bögli verfasste, dem Verantwortlichen für das Geschäft der Credit Suisse mit Premiumkunden.

Zusätzliche Sparmaßnahmen umfassten eine „erschöpfende Überprüfung des Portfolios, wobei dort gehandelt wird, wo die Märkte keinen Beitrag zur Erreichung der Vorgaben leisten“, schrieb Lakhani. In Deutschland hat die Credit Suisse bereits Schritte zur Steigerung der Ertragskraft unternommen.

Im Dezember informierte sie die Beschäftigten, dass drei der zwölf Standorte mit Privatbankengeschäft im Land geschlossen werden. Dabei sollten auch 150 der rund 500 Stellen in der Sparte entfallen. Ein Zusammenhang mit den Ermittlungen deutscher Behörden gegen Kunden mit nicht deklarierten Guthaben im Ausland bestehe nicht, sagte eine der informierten Personen.

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